Blinkender Universalcontroller mit Knobs galore

Für die kleine Firma Livid Instruments aus Texas war es bestimmt eine große Marketinghilfe, Richie Hawtin und das Minus-Label bei der Entwicklung des CNTRL:R mit an Bord zu haben. Ihren bisher schicksten Controller CNTRL:R als reine Preset-Live-Remote für Fanboys/girls abzutun, greift aber deutlich zu kurz, denn er hat einiges mehr auf dem soliden Stahlblech-Kasten.

von Benjamin Weiss aus De:Bug 162

48 Pads, acht Fader, 24 Drehregler und zwöf Endless-Encoder mit Klick, friedlich vereint auf einer Oberfläche, die ein wenig kleiner ist als ein DIN-A3-Blatt und trotzdem noch problemlos bedienbar: Das klingt zunächst eher unrealistisch und ziemlich überladen, beschreibt den CNTRL:R aber exakt. Livid Instruments waren die ersten, die Controller mit RGB-LEDs hinterlegt haben, was ja gerade sehr en vogue ist. Die gibt es in Hülle und Fülle auf dem CNTRL:R und auch die Drehregler und Encoder sind mit einem durchsichtigen Plastikrand ausgestattet, der je nach Programmierung in fast allen Farben des Regenbogens leuchten kann. Neben dem USB-Anschluss und MIDI In und Out gibt es einen Erweiterungsport für die XPC-Controller von Livid, die weitere Fader und Drehregler bereitstellen, und zwei Anschlüsse für Fußpedale.

MIDI Controller und Live Remote
Anders als etwa die APC von Akai oder das Launchpad von Novation sind die Livid-Controller nicht von vornherein als reine Live-Controller gedacht, sondern können auch beliebige andere Software oder MIDI-Geräte steuern. Der CNTRL:R kommt neben einem Remote Script für Live auch mit einem Traktor-Template. Das Richie-Hawtin-Setup beruht auf zwei “Max for Live”-Patches, Voraussetzung ist also Max for Live. Es besteht aus zwei Patches und einem beigefügten Ableton Liveset: dem Drum Stepp-r, einem recht komplexen Lauflicht-Stepsequenzer für Drumracks, und dem Synth Stepp-r, seinem Äquivalent für Synthesizer. Die sind beide ziemlich ergiebig, erfordern aber auch einiges an Einarbeitungszeit, denn selbsterklärend sind sie beileibe nicht.

Editor
Um die vielfältigen Möglichkeiten nutzen zu können und die vorprogrammierte Belegung mit MIDI-CCs zu ändern, gibt es einen eigenen grafischen Software-Editor für den CNTRL:R. Hier lässt sich für Pads, Encoder und Fader bestimmen, welche CCs sie steuern sollen oder ob sie zum Beispiel inkrementell funktionieren, MMC (Start, Stop, Continue) nutzen, oder aber auch in welcher Geschwindigkeit die Encoder arbeiten sollen. Per Pop-Up Fenster gibt es eine nützliche Editor-Tour, die die wichtigsten Features erklärt, in einem Übersichtsfenster können alle Belegungen in einer Liste angezeigt werden.

Fazit
Der Livid CNTRL:R ist wie bisher alle Controller von Livid äußerst solide gebaut und uneingeschränkt livetauglich. Vorbildlich ist die Ausstattung mit Bedienelementen, die trotz ihrer schieren Masse ergonomisch sinnvoll angeordnet sind.

Wer allerdings außerhalb des mitgelieferten Remote-Scripts und der Max-Patches einen Plug&Play-Controller für Live erwartet, wird enttäuscht sein. Um alles aus dem CNTRL:R rauszuholen, ist durchaus ein wenig Basteln angesagt, bzw. eine Vorstellung davon, wie man arbeiten will und der Wille, sich dafür selbst ein passendes Bedienkonzept zurechtzulegen. Die nötigen Files muss man sich ein wenig umständlich auf der Webseite zusammenklauben, und das Manual gibt es leider nicht als PDF, sondern nur als Online-Wiki. Das sollte Livid noch ändern und den CNTRL:R ein wenig zugänglicher dokumentieren, dann ist er ein sehr vielfältiges Performancetool fürs Auflegen, Livespielen, im Studio oder auch für VJs.

Preis: 699 Euro

Livid Instruments

Deutscher Vertrieb: Soundservice