Perfektion für Oldschool-DJs

Mackie steht für solides Studio-Equipment mit jahrzehntelanger Erfahrung. Auf dieses Know-how bauen die relativ neu etablierten DJ-Produkte auf. Der d.4Pro, das aktuelle HighEnd-Modell, setzt dabei auf digitale Integration mit analoger Kraft. Ein Teufelskerl.

von Thaddeus Herrmann aus De:Bug 124

Nachdem wir uns im letzten Monat bereits einige aktuelle DJ-Mixer angesehen haben, ist es der Mackie d.4Pro, der den DJ-Sommer für mich erst komplett perfekt macht. Hier treffen Oldschool-Engineering und ScienceFiction zusammen. Konkreter: Zwar fehlen dem mächtigen 4-Kanal-Mischer für heutige Verhältnisse gängige Features (z.B. Effekte oder BPM-Counter), dafür ist der Klang überirdisch analog, warm und weich. Kein Wunder, wuden hier doch VCAs verbaut … und das hört man wirklich. So viel Headroom habe ich bislang noch in keinem DJ-Mixer erlebt. Die DJ Production Console, so nennt Mackie das Teil, kommt mit vier Kanälen, die alle Phono, CD und Line schlucken und auch alle direkt mit dem Rechner kommunizieren können. Denn natürlich, oldschool hin oder her, hat auch dieser Mixer einen Firewire-Port, ist Traktor-Scratch-zertifiziert und bietet auf digitaler Basis 14 Aus- und acht Eingänge.

Die Kanäle
Bevor ich anfange zu sabbern, lieber mal der Reihe nach. Die Kanalzüge sind ganz klassisch und sehr übersichtlich. Input-Selektor, Trim, 3-band-EQ, Aux-Regler, Wahlschalter für einen der beiden Filter, Cue-Button, Crossfader-Assign und schließlich der Fader. Alle Fader sind ultra leichtgängig, woran man sich ein bisschen gewöhnen muss. Ebenso der Infinium-Corssfader. Hier flitzt alles wie in der Formel 1. Die Potis sitzen gut auf der Platine, haben genau den richtigen Widerstand und machen zwar keinen komplett unkaputtbaren Eindruck, sollten aber auch nach inetnsiver Nutzung keinerlei Probleme bereiten. Die Filter bieten Low-, High- und Bandpass mit Fequenz- und Resonanz, klingen wirklich hervorragend und lassen sich durch einen automatisch zurückspringenden Kippschalter auch sehr intuitiv in den Mix einbauen. Die EQ-Potis leuchten freundlich nachtblau, das ist auch die Farbe der Master- und Track-LEDs. Hinzu kommen zwei Mikrofon-Kanäle mit kompletten EQ, Onyx-Vorverstärkern und Aux-Send und Return. Die Response des Crossfaders hat einen eigenen Poti, genau wie, natürlich, Kopfhörer-Level, Mix vom Cue- und Main-Signal, Master-Level, Pan und Booth.

Rocken
Den guten Klang vom d.4Pro habe ich eingangs schon erwähnt und auch im tatsächlichen Umgang macht der Mixer einen hervorragenden Eindruck. Traktor Scratch ist sofort da, hier funktioniert alles tadellos. Der Spaß an den Filtern hatte sich bei mir relativ schnell erschöpft, mit solchen Features kann man mich nicht wirklich locken. Ich weiß, das ist sehr oldschool, wichtiger ist aber, dass sie gut klingen. Und vielleicht sind die erweiterten Möglichkeiten des Mixers auch viel wichtiger. Durch die umfangreichen Ein- und Ausgänge soll der d.4Pro auch als Herzstück für kleine Projektstudios dienen. Auch das ist keine Neuigkeit, damit werben alle Hersteller. Bei Mackie setzt man aber anstatt auf umfangreiche Controller-Funktionalitäten eher auf ein klassisches Mehrspur-Setup aus Synth, Mikrofon, vielleicht eine MPC und externes Effektgerät, das dann per Firewire in Echtzeit in den Rechner wandert. Ableton oder ähnliche Software über den Mixer zu steuern? Vergesst es, das ist hier nicht vorgesehen, sämtliche MIDI-Funktionalität wurde außen vor gelassen. Für die Weiterverarbeitung im Rechner liegt die schon vor Jahren von Mackie aquirierte Software Tracktion in aktueller Version, gebundelt mit Trial- und Lightversionen diverser PlugIns wie z.B.SampleTank, bei. Ob es eine clevere Entscheidung war, MIDI auszusparen, sei jedem selbst überlassen, der mit dem Gedanken spielt, sich so einen Mixer anzuschaffen. Mit einem realistischen Straßenpreis von rund 780 Euro liegt der d.4Pro auf jeden Fall rund 400 Euro unter dem von uns im letzten Monat vorgstellten zero4 von Korg, der für dieses Mehr an Geld MIDI bis zum Anschlag bietet.

Fazit
Aus der Sicht des wertekonservativen DJs, der vor allem Platten, CDs und Traktor Scratch zu seinen Waffen zählt, ist der Mackie d.4Pro eine extrem gute Wahl. Klanglich, und das meine ich ganz ernst, liegt er Welten über dem Korg zero4. Und man bekommt ein extrem rundes, übersichtliches System, das einen mit Sicherheit eine sehr, sehr lange Zeit nicht im Stich lassen wird.

Mackie

Straßenpreis: ca. 780 Euro

Inputs: Pro Kanal 2 x Cinch
Outputs: 2 x Main (XLR &Cinch),, Booth (Klinke), Zone (Klinke)
Mikrofon-Kanäle: Neutrik-Kombis (XLR und Klinke), Phantomspeisung

2 x Firewire

Bei Computer-Nutzung: OS X 10.3.9, Windows XP (SP2)