Mixen mit dem Feuerdraht

Kommunikation zwischen Mixer und Rechner via Firewire ist ja eigentlich die perfekte Lösung. Wenns klappt und gut klingt. Bei Mackie und der Onyx-Serie geht das klar.

von Thaddeus Herrmann aus De:Bug 139

Firewire-Mixer von Mackie sind keine Neuigkeit. Die eigentliche Überraschung ist, dass nun neben DAWs wie Logic oder Sonar auch ProTools unterstützt wird. Das ist nicht etwa ein Joint Venture zwischen Digidesign und Mackie, denn der Mischpult-Spezialist hat die nötigen Treiber einfach selber geschrieben und seine Mischpulte so an die M-Powered-Version der Software angeschlossen. Der Treiber dafür muss zwar für 50 Dollar noch erworben werden, damit hat man dann aber das Audiointerface direkt im analogen Design innerhalb des Mischpultes vor sich. Da die Hersteller der anderen DAWs keine spezielle Hardware voraussetzen, fallen die Treiber-Kosten für Logic-, Sonar- oder Cubase-User natürlich weg. Der Mixer ist sehr kompakt und extrem gut verarbeitet. Ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis ist man bei Mackie gewohnt, es ist aber gut zu sehen, dass es auch auf kleinem Raum keine Kompromisse gibt. Drei Kanäle sind mit Mikro-Preamps und individueller Phantomspeisung ausgestattet, dazu kommen zwei Stereo-Kanäle ohne Vorstufe, die aber auch Mono verwendet werden können.

Layout
Die Mono-Kanäle 1 und 2 mit den Preamps verfügen über 4-Band-EQs mit durchstimmbaren Mitten, während Kanal 3 und 4 mit festgelegten Frequenzpositionen arbeiten. Dazu kommen die beiden Stereo-Kanäle mit dem traditionellen 3-Band-EQ. Alle Züge verfügen über zwei AUX-Wege (ob vor oder nach Fader kann nur global festgelegt werden), dazu kommen Panorama-Regler, Mute, Solo und natürlich Level. Auch der Rest ist klassisches Mackie-Business, denn jeder, der noch nie einen solchen Mixer verwendet hat , wird sich hier schnell zurecht finden.

Firewire
Damit das Onyx mit dem Rechner (Windows & Mac) kommuniziert, muss selbstverständlich erst einmal die Treiber-Software installiert werden und prompt tauchte das Pult auf unserem Testsystem (MacBook Pro, 2,8GHz) sofort in Logic Pro 9 als verfügbares Interface auf. Die Kanäle des Onyx werden durch die Firewire-Knöpfe für den Computer-Betrieb scharf geschaltet und postwendend kann das Schrauben beginnen: Die Kombination aus Mackie und Logic funktionierte auf Anhieb und sehr verlässlich. Aufnahmen landeten in guter Qualität in Logic, bestehende Logic-Projekte ließen sich perfekt über das Pult abspielen. Das Onyx verfügt über zwei Firewire-Ports, womit im DAW-Betrieb bei größeren Projekten zwei Mixer in Reihe geschaltet werden können. Zusätzlich ist bei Multitrack-Aufnahmen über das Onyx in die DAW genau bestimmbar, welche Signale in den Rechner gespielt werden sollen. Neben der Stereo-Summe und dem Signal der Einzelkanäle, können auch die AUX-Signale aufgenommen werden. Bei den Kanalzügen wird das Pre-Fader-Signal abgegriffen – mit oder ohne EQ bleibt dabei ebenfalls dem User überlassen. Das alles funktioniert ohne Probleme und nennenswerte Latenz. Die Möglichkeit, in so einem begrenzten SetUp den Zugriff auf die EQs und die Preamps des Pultes zu haben, haucht unserer digitalen Welt einen Hauch analoger Bodenhaftung ein. Die ProTools-Variante haben wir nicht dezidiert ausprobiert, aber auch der ”Piraten-Treiber“ von Mackie scheint sehr gut zu funktionieren. Es kommt allerdings unter Umständen zu kleineren Konflikten mit den Treibern bereits installierter ProTools-Hardware. Im Notfall muss hier kurz das System geputzt werden.

Fazit
Mit einem Straßenpreis von 600 Euro bekommt man mit dem Mackie Onyx 820i nicht nur einen sehr kompakten 8-Kanal-Mixer. Die Integration in die DAW ist intuitiv und verlässlich. Mit der gehackten ProTools-Anbindung werden die Onyx-i-Mixer jetzt für eine völlig neue Käuferschaft zusätzlich interessant, die bislang einen Kopierschutz in Form eines Audio-Interfaces kaufen mussten. Dass so etwas von vorgestern ist, wissen wir schon lange.

Preis: 599 Euro

Systemvoraussetzungen: Windows Vista, Pentium 4, 512MB RAM. Mac OS X 10.4.11, G4, 512MB RAM. Firewire-Schnittstelle

Mackie