Der modulare Midi-Controller

mawzer1.jpg

Damit ist man bei Midi-Controllern jeden Tag konfrontiert: Die Dinger haben einfach immer Knöpfe, die man nie braucht, andere Funktionen hingegen fehlen. Warum denn nicht modular?, hat sich die kleine französische Firma Jerash Labs gedacht und kommt mit einem Baukasten auf den Markt, der alle Probleme beheben sollte.

Von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 120

Übersicht
Mawzer ist nun seit beinahe drei Jahren in der Entwicklung, erst Ende letzten Jahres wurden die ersten Exemplare ausgeliefert. Hier im Test ist das kleinere Modell Mawzer M1610, das aus einem Koffer mit Steuerungsmodul und 16 Steckplätzen für die Bedienelemente besteht.
Neben dem reinen Einsatz als Controller besitzt Mawzer auch einen eigenen Midi-Clock- und MTC-Generator (arbeitet von 30 bis 250 BPM), so dass Mawzer auch Master für das Live- oder Studio-Setup sein kann. Darüber hinaus ist auch SMPTE verfügbar, in allen Frame-Raten, die es so gibt: 24, 25, 30, und 29,97. Die Midi-Auflösung entspricht mit 7Bit dem Standard, sollten sich genug User dafür aussprechen, will man bei Jerash Labs aber auch 14Bit anbieten.

mawzer2.jpg

Programmierung
Die Programmierung der einzelnen Module lässt sich wahlweise vollautomatisch erledigen (hierzu werden die Module nacheinander aufsteigend mit Continous Controllern versehen) oder aber auch für jedes einzelne separat. Die Belegungen lassen sich dann in Presets speichern. Jedem Modul kann praktischerweise ein eigener Midi-Kanal zugewiesen werden, sodass sich auch verschiedene Geräte gleichzeitig bedienen lassen. Ist man sich mal nicht sicher, ob das entsprechende Modul auch den richtigen Controller steuert, lässt sich bei gleichzeitigem Drücken der Shift-Taste die Midi-Ausgabe unterdrücken, während der Controller trotzdem auf dem Display zu sehen ist. Je nach Anwendung macht es Sinn, den jeweiligen Controller im Jump- oder im Jumpless-Modus zu nutzen (entsprechend werden die Werte abgeholt oder springen direkt auf den neu eingestellten Wert). Alle Module können entweder Controller- oder Note-On-Befehle senden, der Wertebereich lässt sich definieren, bei Bedarf eingrenzen und für die Button-Module kann man zwischen Push und Toggle Mode wählen.

mawzer3.jpg

Module
Die Module sind mit Klinkenbuchsen ausgestattet, mit denen man sie auf dem Steckfeld platziert, und machen einen recht robusten Eindruck. Sie sitzen, so man sie vertikal einsetzt, auch sehr fest, horizontal haben sie jedoch ein wenig Spiel. Folgende Module gibt es derzeit: POT410 (vier Drehregler, wahlweise horizontal oder vertikal), ENCv410 (vier Endlosdrehregler), BUTv410 (vier Buttons mit LED-Beleuchtung) und XFDv110 (zwei Buttons mit LEDs und einem Fader dazwischen). Noch im Prototypenstadium befinden sich zwei ungewöhnlichere Module: eines mit zwei Joysticks und eines mit einem Touchpad, das wohl so ähnlich wie ein Kaoss Pad funktionieren wird.

Mawzer ist ein sehr robustes Produkt, angefangen bei dem leider auch mit über neun Kilo Gewicht (voll bestückt) recht schweren Steckfeld, über den soliden Koffer bis hin zu den satt einrastenden Klinkenverbindungen. Auch über die Funktionalität lässt sich nicht meckern: Alles ist einfach zu programmieren und tut das, was es soll, das Display zeigt alle aktuell wichtigen Parameter an. Kritik üben kann man also außer am Gewicht nur an dem recht heftigen Preis für das Ganze, allerdings ist Mawzer auch der erste modulare Midi-Controller und Jerash Lab eine sehr kleine Firma. Für Early Adopter mit entsprechendem Kleingeld.

Mawzer

SchneidersBüro (deutscher Vertrieb)

Anschlüsse: Midi In, Out & Thru; Netzteilanschluss, USB

Preise:

1610 Steckfeld für 16 Module: 739 Euro
3210 Steckfeld für 32 Module: 915 Euro
POT410: 56 Euro
ENCv410: 59 Euro
BUTv410: 58 Euro
XFDv110: 62 Euro
Leermodul: 8 Euro

9 Responses

  1. Sushi

    Wirklich mal ne nette Idee, bis auf den hohen einstiegspreis.

  2. dr-w

    huebsch ist das ding nicht….
    :S

    kein mawzer fuer dr-w!

  3. hun

    wer nutzt heute noch midi?
    es wird zeit dass dieses delayschwangere 80er jahre ding endlich wegstirbt.

  4. nerk

    @hun: sooo delayschwanger ist es nicht, allerdings scheint die kunst der midiprogrammierung bei vielen firmen verlorengegangen zu sein…

  5. hun

    genau, die tatsache dass es eine kunst ist, midi richtig zu programmieren, weil man die schwaechen der technologie aus der c64-zeit durch dirty hacks ausgleichen muss, spricht fuer die ueberholtheit.

  6. nerk

    @hun: ist eigentlich keine kunst, sondern ein handwerk und auch nicht sooo schwer, was man an älteren midigeräten sieht, die in der mehrzahl deutlich tighter sind, als die heutzutage. aber die programmierer denken halt so ähnlich wie du und versuchen es gar nicht erst 🙂

  7. hun

    ok, da sind zwei designphilosophien die sich gegenueberstehen. ich kann halt auch ein windows gut zum laufen bringen, aber das ist mit viel eigentlich unnoetigem schmerz verbunden.
    dafuer ist windows halt omnipraesent, genau wie midi.

  8. Boom

    Hab so was ähnliches 2003 schon bei Jugend Forscht gesehen, da haben 3 Jungs das mit Duplosteinen gebaut. Schade dass sich diese Konzepte nie wirklich durchsetzen.