Als die ersten Gerüchte zu MOTUs BPM kurz vor der letzten NAMM auftauchten, dachten wir ganz kurz mal, dass auch MOTU in den lukrativen Hardware-Markt einsteigen

Als die ersten Gerüchte zu MOTUs BPM kurz vor der letzten NAMM auftauchten, dachten wir ganz kurz mal, dass auch MOTU wie schon Native Instruments mit der MASCHINE und Ableton indirekt mit Akais APC40 in den lukrativen Hardware-Markt einsteigen, was durch ein Rendering von BPM mit CD/DVD-Laufwerk bestätigt schien. Aber: denkste.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 132

Übersicht
Obwohl keine Groovebox im Hardwaresinn, kommt MOTUs BPM eigentlich mit allen benötigten Ingredienzien zur komfortablen Erstellung Pattern-basierter Musik. 4 x 4 Pad-Layout à la MPC, das sich mit den üblichen Pad-Controllern der diversen Hersteller gut steuern lässt, Stepsequenzer, ein paar gutklingende Effekte und eine große Library. Größtenteils beruht die Klangerzeugung auf Samples (neben der eigenen Library können die Formate WAVE, AIFF, Sound Designer II, REX und Apple Loops gelesen werden), man kann aber auch den etwas versteckten Drumsynthesizer nutzen, der ziemlich selbsterklärend ist und ebenfalls druckvoll und sauber klingt.

Sequenzer
Der Sequenzer teilt sich in zwei verschiedene Varianten: einmal ein Stepsequenzer für Drums, bei dem sich zehn Parameter automatisieren lassen (unter anderem Standards wie Velocity und Pan, aber auch die Filter, ein Roll-Parameter und Time-Shift, mit dem sich interessante Timing-Schwankungen erzeugen lassen) und der etwas spartanisch geratene Pianorollen-Editor, wo sich leider nichts automatisieren lässt. Dafür gibt es aber im Stepsequenzer eine fast schon unübersichtliche Fülle von Line-Templates, also Rhythmusmustern, die sich über ein Dropdown-Menü den einzelnen Drumsounds zuweisen lassen, wenn es mal ganz schnell gehen soll. Überhaupt wird man groovetechnisch ganz und gar nicht im Regen stehen gelassen: Neben einer kompletten Adaption des MPC Swings von 50-75 %, der auch im direkten Vergleich sehr authentisch rüberkommt, kann man auch sechs verschiedene Linndrum-Grooves nutzen. Dazu kommen noch 32 verschiedene Livedrummer-Grooves, die alle sinnvoll einsetzbar und ziemlich groovig sind.

Sampler
Zum Sampeln kann man das entsprechende PlugIn in einen beliebigen Insert des jeweiligen Hosts packen und direkt aus der Spur in eine Instanz von BPM aufnehmen. Das ist ziemlich praktisch und funktioniert auch tadellos.

Effekte
Die Effektauswahl bietet eine gutklingende Auswahl aus allen Bereichen, die man so im täglichen Einsatz gebrauchen kann: Delays, Reverbs (auch ein Faltungshall ist mit dabei), diverse Modulationseffekte wie Flanger und Chorus, eine Auswahl von Filtern und EQs, ein bisschen Distortion und Gitarreneffekte, einfache Dynamikprozessoren und noch ein paar Zugaben wie Beat Repeat, Robotizer oder Ring Modulator. Als netter Gimmick lässt sich eine SP1200-Emulation aktivieren, die dem Signal den 12Bit-Sound des EMU SP12/SP1200 aufprägt.

Library
Die mit 15 GB ziemlich riesige Library ist vor allem auf HipHop und R&B ausgelegt (was Samplelibrary-Hersteller gerne als “Urban” bezeichnen), bietet aber auch Abstecher in andere Bereiche, 1000 Loops und eine Auswahl von Instrumenten an. Der Großteil der Library beschäftigt sich mit Drumsamples, die gerade bei den Bassdrums allerdings manchmal etwas redundant sind. Erweitern lässt sich die Library natürlich mit eigenen Samples, aber auch sämtliche Libraries, die auf der UVI-Engine beruhen, lassen sich nutzen.

Insgesamt hinterlässt die BPM ein etwas zwiespältiges Bild: satter Klang und gute Effekte, eine gute, wenn auch etwas einseitige Library und ein für Drums und Beats mit starkem Groovebezug sehr gut geeigneter Sequenzer, mit dem man zügig arbeiten kann. Andererseits der etwas unterentwickelte Pianorollen-Editor und die vergleichsweise karge Ausstattung mit Instrumenten, die man allerdings mit Libraries, die auf der UVI-Engine beruhen, ausgleichen kann, sowie gelegentliche Abstürze in der Version 1.1 (Update: die mittlerweile bereinigt wurden). Kurz: prima geeignet zum Beat-Basteln, für alles andere braucht man was anderes.

Preis: 279,- Euro

Motu