CV und Gate samplegenau aus dem Rechner steuern

volta

Synthesizer, die mit CV/Gate gesteuert werden, lassen sich nur über Umwege mit dem Rechner steuern: Entweder man hat ein MIDI-To-CV-Interface oder man bastelt sich mit Reaktor ein Ensemble oder in Live ein Workaround mit Grundwellenformen, um CV über ein (DC-gepowertes) Audio Interface zu schicken. Alles in allem ist das nicht gerade Plug&Play oder Total Recall, war aber bisher die einzige Möglichkeit.

von Benjamin Weiss aka Nerk in De:Bug 132

Übersicht
Volta ist ein Audio-Unit und MAS-PlugIn, das MIDI und Automationsdaten aus dem Sequenzer in CV-Signale übersetzt, die über ein Audio Interface ausgegeben werden. Das geht laut Motu zwar nur mit den hauseigenen Interfaces, mit meiner RME Fireface 800 hat es aber auch prima funktioniert und grundsätzlich dürften alle Audio Interfaces, die mit DC-Strom gepowert sind, diese Funktionen unterstützen. Pro Instanz des PlugIns können 24 Ausgänge eines Audio Interfaces mit verschiedensten Steuerdaten beschickt werden, bei einem großen Analog-Zoo und einem entsprechend mit Ausgängen ausgestatteten Audio Interface lässt sich also eine ganze Synth-Armee fernsteuern. Zunächst muss Volta den angeschlossenen Synth und das Audio Interface kalibrieren. Die Kalibrierung muss man für jeden Synth einzeln machen, kann sie aber in Dateien abspeichern. Danach geht der Spaß los: Im PlugIn lassen sich bis zu 24 Module den Einzelausgängen des Audio Interfaces zuweisen. Das Grundmodul für die Übersetzung von MIDI heißt Voice und erlaubt neben der Tonhöhe auch noch bis zu vier weitere Hüllkurven, die als ADSR, Gates oder Trigger ausgelegt sind, um die Verstärkung zu steuern.
Neben der Übersetzung von MIDI-Controller-Daten, MIDI-Clock und Automatisierungsdaten des Host-Sequenzers in die gewünschten CV-Signale kann Volta auch eigene Daten erzeugen. Dazu gehören ein Trigger-Sequenzer mit einstellbarer Laufrichtung, Geschwindigkeit und Quantisierung, ein Step-Sequenzer, ein synchronisierbarer LFO mit sechs Wellenformen und ein Clock-Modul, das zum Synchronisieren von Drummachines mit Trigger-Eingang gedacht ist.

Fazit
Ganz Plug&Play ist Volta nicht, aber jeder, der schon mal mit analogen Synthesizern und/oder einem Modularsystem gearbeitet hat, sollte keine Schwierigkeiten beim Setup haben. Wesentlich umfangreicher und sehr viel präziser als mit einem herkömmlichen MIDI-To-CV-Interface lassen sich die analogen Schätzchen so ohne Problem steuern. Sofern der Synth auch ein CV-Output hat, ist auch das Problem der Stimmstabilität und des Tunings vieler älterer Analogsynths behoben: Volta kann sie exakt kalibrieren und bei Bedarf immer nachjustieren. Eigentlich seltsam, dass bisher noch niemand auf diese Idee gekommen ist. Außerdem lässt sich die relative Ungenauigkeit (128 Schritte) von MIDI umgehen, die man bei einem MIDI-To-CV-Interface immer hat: Mit Automatisierungsdaten aus dem Sequenzer können (abhängig vom Sequenzer natürlich) sogar samplegenaue Steuerungen realisiert werden.
Leider gibt es Volta bisher nur in den Formaten MAS und Audio Unit, was den potenziellen Nutzerkreis auf Mac-Besitzer einschränkt. Hoffentlich legt Motu da nach und bringt demnächst auch VST-Versionen! Lohnt sich sowohl fürs Studio als auch für alle Laptoprocker, die gerne mal einen Analogsynth oder alten Drumcomputer einbinden wollen.

Motu

Preis: 270 Euro

Systemanforderungen: Mac OS X ab 10.4, DC-gepowertes Audio Interface, Audio Units, MAS