Die Volks-Maschine


Dass die Berliner vom Schlesischen Tor etwas Großes mit ihrem ersten vollwertigen Studio-Controller und der dazugehörigen Software vorhatten, war klar, als die Maschine auf den Markt kam. Der ziemlich überwältigende Erfolg brachte aber selbst alte Branchen-Pfeiler wie AKAI unter Zugzwang, die bekanntlich auf der diesjährigen NAMM mit einigen Neuinterpretationen ihrer legendären MPC aufwarteten, um sich wieder in Erinnerung zu bringen, bzw. ein Stück von dem Beatproducer-Kuchen zurück zu ergattern.

von Ji-Hun Kim aus De:Bug 160

Abgespeckter Controller
Nun kommt Native mit der Maschine Mikro um die Ecke. Ein bisschen so was wie die Volks-Maschine, da vom Preis her ganze 250 Tacken kostengünstiger als die bislang erhältliche Version. Was unterscheidet sich? Die Software (1.7) und die Sound-Bibliotheken nämlich erstmal nicht, die sind 1:1 identisch. Bleibt also nur noch der Controller und der zeigt sich in der Tat gehörig abgespeckt. Die Mikro verzichtet fast vollständig auf Drehregler (1 statt 11), hat weniger Buttons (28 statt 41) und hat statt zwei Displays eines. Macht also gute zehn Zentimeter Raumgewinn in der Länge, was allerdings bleibt – und das ist natürlich enorm wichtig -, ist das hier noch zentraler gewordene 4×4 Touchpad-Raster. Die Mikro hat indes auch von den Kindermacken des großen Bruders gelernt, die Pads sind nicht mehr ganz so milchig, was eindeutig mehr orangenes oder blaues LED-Licht durchlässt, wodurch laufende Sequenzen endlich mal gesichtet werden können und nicht wie bislang nur erahnt. Große Unterschiede bezüglich der Anschlagdynamik, Haptik oder Ähnlichem haben wir vergeblich gesucht. Die Pads bei der Maschine bleiben momentan weiterhin die Referenz, vorausgesetzt man klammert retrosehnsüchtige MPC-60-Nostalgien mal aus.

Perfekt für Beats und Patterns
Die Mikro würde sich auch gut als Cluedo-Todschlagwerkzeug eignen. Die Verarbeitung ist nämlich auch hier gewichtig und exzellent. Sitzt alles, wackelt und hat Luft. 1,2 kg Musikcontroller haben sich selten so gut angefühlt. Während die große Maschine auf eine bestmögliche 1:1-Übersetzung von Software- auf Hardware-UI setzt und jeder Knopf seinen angestammten Platz in der Software erhält, ist das Prinzip der Mikro natürlich ein bisschen anders. So muss man bspw. die Gruppensektionen über Shift-Touchpad-Shortcuts ansteuern, Cutoff-Resonance- oder Mitten-Bass-Sweeps an zwei Potis gleichzeitig sind hier zum Beispiel auch nicht möglich, remember, nur ein Button-Poti. Die Mikro eignet sich perfekt zum Einspielen von Beats und Patterns, eine panoptische Steuerzentrale wie die Original-Variante ist sie allerdings nicht. Macht bei softwarebasiert-erzogenen Producern ohnehin keinen großen Unterschied und alle HipHop-Poststep-Whateverfunk-Bedroomproducer dürften gerade die reduzierte Aufmachung gut finden.

Kampfansage-Preis
Wer ohnehin im Besitz einer Maschine ist, braucht sich um die Anschaffung der Mikro keine Gedanken zu machen, man wird sie nicht brauchen. Mit einem Kampfansage-Preis von 329 Euro am Trottoir ist es aber wohl eines der kompaktesten und spannendsten Musicproducer-Pakete für Einsteiger, zumal die Maschine mit den letzten Software-Versionen auch immer weiter Richtung DAW gewandert ist, von den vorzüglichen Sounds und Samples, die mitkommen, ganz abgesehen. Die waren schon immer eine solide, dicke Bank. Aber auch all jene Producer, die die Maschine eher als PlugIn nutzen wollen und vor allem wegen der intuitiven Pads mit dem Gerät liebäugeln, aber vor dem Anschaffungspreis der großen Maschine zurückschreckten, dürften hiermit ein gutes Add-On für das Studio finden.

Preis: 329 Euro

Native Instruments

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