Mit MPC-artigem Interface, zwei fetten Displays, reichlich Endlosreglern stehen hier alle Zeichen auf Sieg.

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Eines der großen Highlights der NAMM war die “MASCHINE“, die erste Groovebox von Native Instruments. Mit MPC-artigem Interface, zwei fetten Displays, reichlich Endlosreglern stehen hier alle Zeichen auf Sieg. Doch das Konzept ist grundlegend anders als bei der Konkurrenz.

von Thaddeus Herrmann aus De:Bug 131

Übersicht
Der erste Unterschied zur MPC: Die Maschine hat selbst keinen Speicher. Alle Sounds und Effekte werden vom per USB angeschlossenen Rechner gefahren. Die handliche Hardware ist lediglich der Controller. Was zunächst nach einer Mogelpackung klingt, erweist sich im Testbetrieb als durchaus sinnvoll. Hard- und Software sind immer synchronisiert und die Software auf dem Rechner bildet nicht nur alles exakt ab, was man auf der Hardware tut, bietet darüber hinaus genau das Quentchen mehr Übersicht, dass man bei All-In-One-Lösungen immer so schmerzlich vermisst. Der Controller selbst bietet 16 Pads, zwei große LCD-Displays, einen Transport-Bereich, acht Endlosregler und diverse weitere Buttons, um alle Funktionen direkt von der Maschine aus ansteuern zu können. Alle Buttons und die Displays sind beleuchtet, damit man auch in Live-Situationen immer alles unter Kontrolle hat. Die Hardware ist extrem gut verarbeitet, ist dabei angenehm leicht und sollte auch unter extremen Bedingungen ein verlässlicher Begleiter sein. Die Software (Stand-Alone und die üblichen PlugIn-Formate) bietet einen Browser (über 5 GB an Sounds werden mitgeliefert) und eine Sequenzer-Ansicht, die wiederum genau den Möglichkeiten der Hardware entspricht. Zusatz-Features wie Effekte können ebenfalls über die Software kontrolliert werden. Vor allem im Browser fällt die jahrelange Erfahrung von Native Instruments auf. Was in anderen Produkten von NI schon lange Standard ist, die Kategorisierung von Sounds, ist natürlich auch Teil von Maschine. Auch eigene Sounds können mit entsprechenden Tags versehen werden, um so schneller erreichbar zu sein: vorbildlich.

Grooven
Um Sequenzen aufzunehmen, stehen zwei Modi zur Verfügung: MPC-Style und der von der X0X-Serie inspirierte Step-Sequenzer. Zunächst werden die Pads mit Sounds belegt (das geschieht alles über die beiden Displays auf der Hardware), dann kann gerockt werden. Sowohl der Umgang mit One-Shot-Samples, also z.B. Drum, als auch harmonischen Sounds, Basslines, Leadsounds, Pads etc. ist denkbar einfach. So lässt sich eine Bassline problemlos direkt über die Pads einspielen. Wem das nicht ausreicht, kann immer auch ein MIDI-Keyboard verwenden. Auch der nachrägliche Eingriff in die Sequenzen ist denkbar einfach. Die Fülle an Funktionen, die die Maschine bietet, ist in Sachen Benutzerführung vorbildlich umgesetzt, nach kürzester Eingewöhnungszeit hat man sich sowohl an die wohl unvermeidliche Shift-Funktion und die weiteren Funktionalitäten der Buttons gewöhnt. Wirklich hilfreich dabei sind die beiden Displays und die Endlosregler, die immer einen genauen Überblick ermöglichen. Sounds und/oder Kits werden in so genannten Groups organisiert, eine Gruppe beinhaltet bis zu 16 Sounds, dieses Herzstück der Maschine hat seine ganz eigene Sektion auf der Bedienoberfläche. Auch der Inhalt der Groups ist in der Software sichtbar für den noch besseren Überblick. Effekte können sowohl Einzelsounds, ganzen Gruppen und auch dem Master übergestülpt werden: Je zwei stehen zur Verfügung, in der üblichen amtlichen NI-Qualität. Auch Automationen können direkt mit dem Endlosregler aufgenommen werden.

Samplen
Was wäre eine Groovebox ohne Sampling-Funktion? Eben. Die Maschine kann sowohl externe Sounds samplen, als auch mit dem Gerät selber erstellte Sounds resamplen. Spätestens hier merkt man, wie genial es ist, zwei Displays zu haben. Links die Features, rechts die Wellenform. Das ganze Interface erinnert mich an die guten alten EMU-Sampler, das macht ein wohliges Gefühl im Magen. Internes Sampling greift sowohl Gruppen- als auch Master-Signale ab und ist synchronisiert, der so entstehende neue Loop ist also schon perfekt geschnitten. Selbst aufgenommene Samples können im Nachhinein gesliced werden, wie man das aus anderen Boxen und Programmen kennt.

Arranger
Ein Grund, warum ich nie wirklich Fan der MPC als alleiniges Tool war, ist die Art und Weise, wie man die Patterns zu Songs arrangiert. Umständlich und genau dem kinderleichten Approach ihrer Aufnahme entgegengesetzt. Das ist bei der Maschine ähnlich, auch wenn man hier die Software für den besseren Überblick zur Verfügung hat. Die Teile des Arrangements heißen bei Maschine “Scenes”. Hier können die unterschiedlichen Patterns der acht Gruppen zu einem Song zusammengestellt werden. Die Darstellung in der Software erinnert irgendwie an Ableton Live, was den Umgang mit dem Arrangement wiederum einfacher gestaltet. Die Gegenhör-Möglichkeit bereits programmierter Scenes erleichtert die Kontrolle des gerade entstehenden Songs und so kommt man auch damit nach ein bisschen Eingewöhnung gut zurecht.

Fazit
NI hat mit der Maschine ein wirklich gutes Tool entwickelt. Die Verzahnung mit der umfangreichen Klangbibliothek ist ein unglaublicher Vorteil. Der Hardware-Controller an sich bringt neuen Spaß-Schwung ins Studio, die Benutzerführung ist extrem gut durchdacht und dürfte niemanden vor Probleme stellen. Die Tatsache, dass Maschine keinen eigenen Speicher hat, fällt nicht ins Gewicht, die Verbindung mit der Software macht hingegen Schwachstellen anderer Grooveboxen endlich wett. Mit 600 Euro ist die Maschine zwar nicht gerade billig, wer aber nach einer verlässlichen Kontroll-Oberfläche für sein Studio sucht, sollte das Gerät unbedingt antesten.

Native Instruments

Preis: 599 Euro

Lieferumfang: Maschine, USB-Kabel, Handbuch, Software, Gutschein für ein Kore-Soundpack

Systemvorraussetzungen:

Windows: XP (SP2, 32-bit)/Vista (SP1, 32-bit, 64-bit), Pentium oder Athlon XP 2 GHz, 2 GB RAM
Mac: OS X 10.4, Intel Core Duo 2 GHz, 2 GB RAM

3 Responses

  1. De:Bug Musiktechnik » Im Test: Motu BPM

    […] NAMM auftauchten, dachten wir ganz kurz mal, dass auch MOTU wie schon Native Instruments mit der MASCHINE und Ableton indirekt mit Akais APC40 in den lukrativen Hardware-Markt einsteigen, was durch ein […]