Mit Sättigungsstufe, VCA und passivem EQ mehr analogen Druck erzeugen

Laut machen ist bei digitalen Produktionen heutzutage kein Problem mehr, wenn man Pech hat, wird der Sound dabei allerdings unangenehm steril. Hier setzt Niios Analog Track Thickener an, der mit Sättigungssektion, VCA und passivem Equalizer Tracks analog aufwertet.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 142

Die Oberfläche des Niio Analog Track Thickener ist von links nach rechts in die Bereiche SAT (Sättigung), VCA (Verstärker) und EQ (Equalizer) unterteilt. Anschlussseitig gibt es je einen Stereoklinken-Eingang (der auch Mono benutzbar ist) und einen Stereoklinken-Ausgang, außerdem einen Trigger-Eingang für den VCA.

SAT
Die Sättigungsabteilung besitzt einen Filter, mit dem sich der Frequenzbereich festlegen lässt, der durch die Sättigungsstufe geschickt wird. Die Intensität wird über Drive bestimmt, das unbehandelte Signal lässt sich mit dem Dry-Regler zumischen. An Sättigungsarten gibt es gleich fünf verschiedene analoge Schaltkreise: Typ 1 ist ein Diodenkompressor, der die Dynamik stark begrenzt und das Signal kräftig verdichtet. Typ 2 begrenzt die Dynamik dagegen nur leicht, indem es die halbe Wellenform glattbügelt, was einerseits zu ordentlich Obertönen, andererseits auch zu ordentlich Druck führt. Typ 3 faltet die Wellenformen aufeinander (mit einem ähnlichen klanglichen Ergebnis wie Typ 2) und Typ 4 ist dann wieder von der eher deftigen Variante: Hier wird das Signal schon bei kleinen Bewegungen am Drive-Regler ordentlich verzerrt, ohne das Signal jedoch vollständig zu zerstören. Schließlich gibt es noch Typ 5, den man vom Charakter her am ehesten mit einem Distortion-Bodentreter vergleichen kann.

VCA
Der VCA dient zur Formung der Lautstärkenhüllkurve mit Attack und Release und kann dazu genutzt werden, um Transienten von Einzelspuren wie Drumloops oder ganzen Tracks abzumildern oder zu betonen. Die Intensität der Bearbeitung wird mit Threshold und Depth geregelt, extern lässt sich die Hüllkurve auch per Audio Trigger steuern, um das Signal rhythmisch zu zerhacken.

EQ
Der passive Equalizer besteht aus den zwei Sektionen LO und HI, die sich gegenseitig beeinflussen und separat aktivieren lassen. Beide Bänder sind recht breit angelegt, so dass ohne viel Schrauberei Bass und Höhen schnell angehoben werden können. Dazu gesellen sich noch LO- und HI-Cut.

Fazit
Der Track Thickener ist zwar mit 935 Euro nicht ganz billig, bietet aber auch einiges für sein Geld: von sanften Eingriffen in Dynamik und Frequenzen bis hin zu heftigen Klangverbiegungen klingt er immer sehr satt und verleiht dem bearbeiteten Material das gewisse analoge Etwas. Die Bedienung ist zwar sehr logisch und fällt ziemlich intuitiv aus, direkt selbsterklärend ist sie jedoch nicht, weshalb man sich schon eine Weile damit befassen muss, um den Track Thickener sinnvoll einsetzen zu können. Dann ist er aber ein Tool, das man eigentlich nicht mehr aus der Hand geben möchte. Was fehlt, ist ein globaler Bypass, um das bearbeitete Signal schnell mit dem Original vergleichen zu können.

Preis: 935 Euro

deutscher Vertrieb: SchneidersBuero

Niio Analog

3 Responses

  1. Komjaga

    Ich glaube »Diodenkompressoren« gibt es nicht, oder?