Novations Live-Controller auf Herz und Nieren untersucht

Nach dem durchschlagenden Erfolg von Akais Live-Controllerlösung APC40, der deswegen über Monate nicht lieferbar war, hätte man nicht unbedingt gedacht, dass Ableton noch einen weiteren Live-Controller ins Rennen schickt, aber sie haben es trotzdem getan.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 137

Übersicht
Diesmal in Zusammenarbeit mit Novation entstanden heisst das Ergebnis Novation Launchpad und ist eine quadratische Kiste mit 8 x 8 Pads, die mit je acht Multifunktionstasten oben und auf der rechten Seite ausgerüstet ist und über USB ihren Strom bekommt. Alle Tasten und Pads sind beleuchtet und ändern ihre Farbe je nach Funktion: gelb heisst hier ist ein Clip vorhanden, grün symbolisiert einen spielenden Clip und rot einen, auf den gerade aufgenommen wird. Fader oder Drehregler sucht man vergeblich, alle Steuerungen werden mit den Pads durchgeführt. Mitgeliefert wird eine abgespeckte Live 8 – Version und eine 1 Gigabyte grosse Samplesammlung zum Loslegen.

Session Mode
Der Session Mode repräsentiert acht Scenes mit jeweils acht Clips. In größeren Sessions kann man über die vier Pfeiltasten jeweils einen Track nach rechts und links oder eine Scene nach oben und unten navigieren. Um in Achterblöcken zu navigieren hält man die Sessiontaste gedrückt und wählt den Block dann über die Pads an.

Mixer Mode
Der Mixer Mode bietet in seiner Hauptansicht eine Übersicht über die wichtigsten Parameter jedes Tracks. Die unterste Reihe dient der Aktivierung der Aufnahmebereitschaft, die darüber ist für Solo vorgesehen und die dritte Padreihe aktiviert und deaktiviert die Tracks, die vierte stoppt Clips im jeweiligen Track. Mit den Multifunktionstasten rechts neben den Pads kann man alle Tracks gleichzeitig aufnahmebereit machen, alle Clips stoppen Die oberen vier Padreihen sind schliesslich für das Zurücksetzen der Tracks zuständig: hier kann man die Lautstärke auf Nullstellung, die Pans in die Mittelstellung und die Sends zurück auf Minimalstellung bringen. Über die Multifunktionstasten rechts daneben gelangt man zu den anderen Pages des Mixers.

Volume, Pan, Send A und Send B Pages
In diesen Pages lassen sich Volume, Panning und die beiden Sends einstellen, wobei deren Werte natürlich auf acht verschiedene festgelegte Werte beschränkt sind, die durch die Pads repräsentiert werden. Das ist ziemlich gewöhnungsbedürftig, da man so natürlich keinerlei wirkliche präzise Einstellungen vornehmen kann, bietet aber auch Möglichkeiten, die man mit einem Drehregler nicht hat: ruckartiges hin- und herpannen oder zwischen zwei verschiedenen Lautstärken hin- und herschalten hat durchaus auch seinen Reiz.

User Modes
Die User Modes sind für eigene MIDI-Zuweisungen gedacht, die man in der jeweiligen Session erstellt. Voreingestellt ist bei User Mode 1 das Antriggern von Drumracks, User Mode 2 ist für Max for Live gedacht, aber beide lassen sich eben auch komplett umstricken. Für kontinuierliche Daten wie Filter lassen sich ganze Padreihen zuzuweisen: hält man das linke äußere Pad fest und drückt dann auf das rechte äußere Pad, kann man prima Verläufe steuern, natürlich auf acht verschiedene Werte skaliert. Max for Live, erweitert die Funktionalität natürlich noch ordentlich, Novation hat dafür bereits einen kostenlosen Stepsequenzer (gibts hier) bereitgestellt.

Extras und Automap
Interessant ist auch die Möglichkeit, mehrere Launchpads zu stacken, also gleichzeitig zu benutzen. Bis zu sechs Stück kann man so zusammenschalten, vorausgesetzt man hat einen aktiven USB-Hub, damit es genügend Strom gibt. So kann man zum Beispiel einen davon permanent im Mixer Mode lassen, während der andere im Session Mode bleibt und ein dritter für direktes Einspielen gedacht ist und ein vierter das selbstgebastelte Max-Patch darstellt.
Novation hat nicht nur Live-Funktionalitäten, sondern auch die hauseigene Automap-Technologie eingebaut, so dass sich das Launchpad auch für andere Anwendungen wie Audio Units oder VST-Plugins gut nutzen lässt.

Bedienung und Haptik
Die Bedienung ist problemlos und größtenteils selbsterklärend. Wie schon bei der APC 40 gibt es leider kein Display, das angesteuerte Parameter anzeigt, was bei dem Preis allerdings auch nicht zu erwarten war. Das Launchpad ist für seinen Preis erstaunlich robust und gut verarbeitet, die Pads reagieren schnell und lassen sich gut spielen.

Fazit
Das Novation Launchpad ist mit seinen auf Pads reduzierten Bedienelementen natürlich beschränkt, für präzise Einstellungen von Werten lässt es sich nicht verwenden. Dadurch ist es aber auch wirklich extrem transportabel weil dünn. Wer will kann sich die Fader natürlich extern dazukaufen. Alles in allem bekommt man für die aufgerufenen 179 Euro verdammt viel: einen wirklich durchdachten, funktionalen Controller für Live, der sich jederzeit mit weiteren Instanzen erweitern lässt und ein prima Tool fürs Livespielen und Improvisieren ist.

Novation

Preis: 179 Euro

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