Der französische Edel-Bitcrusher mit Pitchshifter, Delay, Step Filter und Waveshaper

OTO Biscuit ist ein spezialisierter Edel-Bitcrusher mit nachgeschalteten Effekten und das erste und bisher einzige Gerät der französischen Firma Oto Machines. Und: perfekt französisch ist auch die luxoriöse Ausführung mit schickem Design für den sonst gern als billig verstandenen Lo-Fi-Distortionsound. Aber kann Biscuit auch was?

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 140

Übersicht
“Built like a tank” heißt es großspurig aber nicht ganz unberechtigt über Otos Biscuit: Das Stahlblechgehäuse in Desktop-Form ist mit sechs robusten Drehreglern bestückt, dazu kommen acht mit LEDs beleuchtete Pads und drei Knöpfe. Gespeist wird der Biscuit über zwei Klinkenkabel (wahlweise in Stereo oder Mono), genau so wird das Signal auch wieder abgegeben. Schließlich gibt es noch je einen MIDI-Ein- und Ausgang, denn alle Parameter des Biscuit spucken MIDI aus und können auch extern gesteuert werden. Da es bei Bitcrushern gerne mal zu heftigen Übersteuerungen kommt, gibt es gleich drei Drehregler und einen klickfreien Bypass-Button, um das Verhältnis von Original- und Effektsignal in Schach zu halten: Drive (Eingangsverstärkung), Naked (Anteil des Originalsignals) und Dressed (Anteil des Effektsignals).
Die Kernkompetenz des Biscuit ist das so genannte Biscuiting, worunter das Modifizieren der Informationen des 8-Bit Signals verstanden wird. Wahlweise lassen sich alle Bits anschalten, oder einzelne muten oder invertieren. Das geschieht über die acht Pads, die, je nach Farbe, anzeigen, wie es um den Zustand des jeweiligen Bits steht. Hat man also das Signal bereits in der Mangel gehabt, kann man es noch mit einem von vier Effekten bearbeiten: Waveshaper, Pitch Shifter, Delay und Step Filter stehen dafür bereit. Mit dem Waveshaper kann man eine andere Art von digitaler Verzerrung hinzufügen, aber auch fast jedes Eingangssignal in synthesizerartigen Sound verwandeln. Das Delay ist ein, ihr ahnt es schon, 8-Bit-Monodelay, das sich in verschiedenen Notenwerten zum Tempo synchroniert oder frei laufend nutzen lässt und natürlich auch über ein saftiges Feedback verfügt. Da Biscuit die Delay-Zeit über die Sample-Frequenz regelt, kommt es bei langsamen Einstellungen noch zu zusätzlichem Aliasing. Der (klar: 8-Bit-) Pitchshifter erlaubt das Transponieren des Signals in musikalischen Werten nach oben und unten, was sich über die Pads einstellen lässt, aber auch über eingehende MIDI-Noten gesteuert werden kann. Das einzig Analoge kommt ganz am Schluss und ist der Filter: wahlweise als Hoch-, Band- oder Tiefpass ausgeführt, verfügt er über regelbaren Cutoff und Resonanz. Der Cutoff-Wert lässt sich in einer Sequenz aufnehmen, die dann wahlweise frei läuft, zur MIDI-Clock synchronisiert wird oder zu einem eingetappten Tempo.

Fazit
Der Biscuit ist ein Spezialist, alles, was mit 8-Bit Sound, satter digitaler Verzerrung und deren Filterung zu tun hat, beherrscht er mit Bravour und klingt dabei durchgehend fett. Dabei haben sich die Macher ausführlich Gedanken über ein Bedienkonzept gemacht, das wirklich livetauglich ist: Hier stimmen alle Details, inklusive der Haptik. Ein bisschen sehr heftig wird es dafür beim Preis: 529 Euro sind dann doch ganz schön viel. Für alle Bitcrusher-Fans mit ausreichend Geld auf Tasche eine Empfehlung!

Preis: 529,- Euro

Oto Machines

10 Responses

  1. Peter

    Wer kann mir einen guten Software Bitcrusher (VST) empfehlen? Gerne auch kostenpflichtig.