Der Pacemaker macht in seiner neuen, zweiten Version einen großen Schritt nach vorne, obwohl die Festplattenkapazität halbiert wurde

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Der Pacemaker macht in seiner neuen, zweiten Version (Test der ersten hier) einen großen Schritt nach vorne. Das hat vor allem mit der Firmware und der neuen Editor-Software zu tun. Die neue Hardware nämlich unterscheidet sich von der alten letztendlich nur durch eine kleinere Festplatte (60GB statt 120), weniger Kabel (kein Extra-Aufladegerät jenseits von USB) und einer kleineren Verpackung und natürlich im mit 450 Euro deutlich erschwinglicheren Preis.

von Sascha Kösch aus De:Bug 133

Die Software macht hier den Unterschied. Die wichtigsten Features, die Tempo-Berechnung der Tracks und das Beatmatchen, sind mittlerweile so präzise, dass man sich wirklich gerne darauf verlässt. Und der Sound ist selbst bei rasantem Pitching extrem stabil und um einiges fetter.

Pacemaker war schon letztes Jahr als mobiles DJ-Tool seiner Zeit in etwa so weit voraus wie das iPhone bei Erscheinen dem ganzen Rest der Smartphones. Nur hat bei den mobilen DJ-Lösungen merkwürdigerweise keine Aufholjagd stattgefunden. Pacemaker konnte ganz gemütlich seine Vorreiter-Stellung auskosten. Es gibt nicht nur nichts Besseres, es gibt auch nichts anderes. Um so erfreulicher, dass sich das perfekte DJ-Setup für unterwegs so gut weiterentwickelt hat.

Im Zentrum steht zunächst eine deutlich ausgereiftere Navigation durch die Tracks bis tief in ihre Metadaten. So kann man sich jetzt zum Beispiel spezielle Track-Sammlungen anlegen: DJ-Taschen. Hinzu kommt eine bessere Darstellung der Pegel und, besonders praktisch, eine grafische Darstellung der Beatmatch-Funktion, die es einem tatsächlich ermöglicht, nur mit Kopfhörer ohne Vorhören Mixe zustande zu bekommen. Das gefällt dem Anfänger, aber auch dem Profi als Zeitvertreib: Mixen kann mit Pacemaker zur Sucht werden.

Das Timestretchen ist mittlerweile auch so perfekt, dass man keine Soundartefakte mehr hört und sich gar nicht mehr vorstellen kann, dass es mal Zeiten gab, in denen eine schnellere Geschwindigkeit auch einen höheren Ton bedeuten musste. Das Arsenal an Effekten wurde mit zusätzlichem Crush, Delay, Trans und Wah (bislang gab es Reverb, Roll, Echo HiCut/LoCut) noch ausgebaut, so dass man jetzt wirklich die Qual der Wahl hat: Das Interface verträgt nämlich nur vier verschiedene Effekte auf einmal. Profis werden aber schnell rausfinden, dass man die Belegung leicht während des Sets ändern kann. Für Freunde des Bass-reduzierten Übergangs lassen sich obendrein auch spezielle Crossfader/Effekt-Zusammenhänge in den Settings einstellen, die den Crossfader an Bassregler, Hi- und LoCut-Filter koppeln.

Aber nicht nur als DJ-Tool für unterwegs ist der Pacemaker um einiges schneller und ansprechender geworden. Vor allem die Verzahnung von Hard- und Software wurde logisch weiterentwickelt. So lässt sich der Mix vom Abend zum Beispiel ohne weiteres aufnehmen, nach dem Set auf den Rechner überspielen und dort in der Editor-Software weiterbearbeiten, um Fehler zu beheben beispielsweise, die man der Nachwelt dann doch nicht erhalten möchte. Im Editor konstruierte Mixe lassen sich auf die Hardware als Playlists exportieren (glücklicherweise nicht als automatisierter Mix) und sollte man die perfekte Mischung schon zu Hause gefunden haben, hat man im Club dann zumindest eine Richtung vorgegeben. Natürlich kann man auch die Cue-Punkte im Editor auf dem Rechner schon vorwählen. Und die “Plattentaschen” im Editor schaffen eine weitere Übersicht beim Auflegen mit dem Pacemaker und lassen sich dort auch verwalten.

Wenn die erste Version von Pacemaker schon ein brillantes DJ-Setup für unterwegs war, ist man mit dem neuen versucht, seine Plattenkiste mal für eine Weile in die Ecke zu stellen. Vor der Software-Konkurrenz der Rechner, oder gar der CD-Aufleger braucht sich Pacemaker wirklich nicht zu verstecken. Bedenkt man, dass man letztendlich mit dem Pacemaker zum Auflegen gehen kann, ohne mehr als eine PSP-große Kiste in der Jacke zu haben, die zwei Plattenspieler, eine Plattenkiste und, wenn es sein muss, auch noch ein Mischpult ersetzt, man zusätzlich unterwegs im Zug oder Flugzeug schon sein Set vorbereiten kann und eigentlich überall an dem nächsten noch besseren Mix unter den gleichen Bedingungen arbeiten kann wie dann später auch im Club, dann ist Pacemaker konkurrenzlos.

Würde uns jemand fragen, wie man so etwas überhaupt noch besser machen kann, dann müssten wir wirklich nachdenken. Könnten uns aber für die Zukunft eine Entkoppelung von Interface und der Display vorstellen, das man dann zum Beispiel in etwas größer auf geeigneten Mischpulten oder notfalls auch der obligatorischen DJ-Sonnenbrille hätte. Vielleicht ließe sich das Pad notfalls ja auch noch in Richtung Kaoss-Pad entwickeln oder eine MIDI-Sync-Funktion über das USB-Kabel ausspielen. Aber viel zu wünschen lässt Pacemaker wirklich nicht offen.

Preis: 450 Euro

Pacemaker

Die Social Network Webseite von Pacemaker.net (über die wir auch unsere De:Bug Reviewradio Mixe veröffentlichen) wäre eine eigene Besprechung wert. Neue Mixe immer unter:

http://mix.pacemaker.net/bleed/mixes/

4 Responses

  1. airpark

    Sascha, es gibt den wohl mit 60 GB oder 120 GB. Meiner ist 2.0, hat 120 GB und hat 395 EUR gekostet.

  2. pac

    Man staunt über soviel überschwengliches Lob 😉
    Tonium hat gerade die Usercommunity gelöscht – das erinnert mich sehr stark an Stanton als sie Final Scratch 1 am Hals hatten. Wenn man liest was die Leute jetzt so bei “Letsmix” schreiben (outsourcing of the problem users lol) würde ich mal anders zusammen fassen: kein after buy support, buggy system, enduser=betatester. Aber wird bestimmt mal ganz gross rauskommen, denn RITCHIE promotet es LOL

  3. bleed

    Hi… @airpark der artikel ist nicht mehr ganz frisch. kam vor knapp einem halben jahr in der de:bug. war schon damals klar, dass es beide weiter gibt. bei gravis z.b. gibts den 120GB für 499,90 EUR den 60GB für 379,90 Euro.
    @pac der vergleich mit final scratch 1 ist etwas übertrieben, da konnte man ja dann die komplette hardware wegwerfen. die neue usercommunity (damals gabs die noch nicht) hab ich mir noch nicht angesehen, ein forum löschen ist allerdings schon ein starkes stück. als buggy würd ich den pacemaker nun nicht wirklich bezeichnen ich jedenfalls hatte bislang keine probleme die ich ernsthaft als bug bezeichnen würde.