Mix das Bild, die Musik geht mit

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Von Niamh Guckian aus De:Bug 120

Mit dem weltweit ersten kombinierten 4-Kanal-Mixer für Audio und Video betritt Pioneer Neuland. Als perfekter Partner für den DVJ-1000 können DJs und VJs Musik und Visuals gleichzeitig mischen und gegenseitig beeinflussen. Ein großer Touch-Screen macht die Arbeit mehr als einfach.

Die Herangehensweise von Pioneer an den SVM-1000 ist eindeutig: DJ-Mixer mit zusätzlichen VJ-Fähigkeiten. Aber die insgesamt vierzehn zur Verfügung stehenden Video-Input-Kanäle und die drei Effekt-Bänke machen dieses Schlachtschiff einfach zu einem unwiderstehlichen Tool für einen Video-Menschen wie mich. Außerdem: Der SVM-1000 soll Hand in Hand mit dem DVJ-X1 arbeiten, ein Gerät, das mir 2004 schon einen leichten Herzinfarkt verpasst hat. Dieser DVD-CDJ-Player ließ einen erstmals auch Visuals scratchen. Die berühmt berüchtigten Vlogs haben das Gerät bereits in den höchsten Tönen gelobt und mir den Mund wässrig gemacht.
Getestet habe ich den SVM-1000 mit verschiedenen Kombinationen aus DVD-Player, CD-Player, Plattenspieler, Laptop, HD-Kamera. Die beeindruckende Anzahl von In- und Outputs macht jegliche Konfigurationen möglich. Alle vier Kanäle verarbeiten Video und Sound … los geht’s!

Knapp dreizehn Kilo wiegt der SVM-1000, dieses Baby ist nichts für den Gepäckträger und kann wirklich nicht als portables Gerät durchgehen. Eine dauerhafte Installation in Clubs wird wohl eher die Norm sein. Allerdings muss man sich bei der Pioneer-typischen exzellenten Verarbeitung auch keine Sorgen machen, dass man mit rohen Eiern hantiert. Der SVM-1000 sieht aus, als könnte er den einen oder anderen Spritzer von der Bar an einem Freitag vertragen und am Samstag wieder gut gelaunt zur Arbeit erscheinen. Die Ins und Outs befinden sich alle auf der Rückseite vom Gerät, lediglich die Ins für das Mikro, USB- und SD- Eingänge finden sich oben auf der Oberfläche. Die Potis laufen gut, fühlen sich extrem wertig an und die vier Kanal-Fader geben genau das Quentchen Widerstand, das man braucht. Im Gegensatz zum Crossfader, der, ebenfalls Pioneer-typisch, sehr, sehr leichtgängig flutscht. Schön, wenn es um Audio geht. Der Crossfader blendet aber auch Video und hier fallen einem die grob gerasterten Mixe doch stark auf. Vielleicht hätten die Entwickler doch auf das große blaue Hintergrund-beleuchtete Pioneer-Display auf der Rückseite verzichten und ein paar mehr Schaltkreise der Videoqualität widmen sollen? Dennoch macht das Gerät einfach einen runden Eindruck. Es ist sogar groß genug, um von zwei Menschen gleichzeitig benutzt zu werden … da kommt man sich nicht ins Gehege.

Anfassen!
Der riesige 11″-Touch-Screen ist der Mittelpunkt des SVM-1000 und natürlich der große Hingucker. Hier navigiert man durch die Menüs, die Systemeinstellungen und Effektbänke. Der Touch-Screen funktioniert tadellos, die Verzögerung zwischen dem Anfassen und dem Ergebnis ist kaum zu spüren und ich gehe davon aus, dass einem, bei entsprechender Pflege, das Display für lange Jahre ein guter Freund sein wird.
Die Einrichtung des Geräts könnte einfacher nicht sein. Klassisch geradezu, wie bei einem Mixer, der nur Musik prozessiert. Die üblichen Gains, Schalter, um zwischen PAL und NTSC zu wechseln, weiterhin EQs und weitere Gains für den Video-Monitor und das Video-Master-Output. Alle Einstellungen können auf einer SD-Karte gespeichert werden. Praktisch, wenn das Gerät an einem Abend von mehreren Künstlern benutzt wird. Und sollte dennoch etwas verstellt sein: Das SetUp-Menü ist so einfach, dass es nur ein paar Klicks dauert, bis alles so ist, wie es sein soll.
Im Utility-SetUp hat man vier Einstellungen für die Video-Performance zur Verfügung: Master Output, horizontal gedrehtes Master-Output (für den Preview-Mode), Master plus vier Kanäle und schließlich die vier Kanäle individuell. Herrlich einfach und extrem praktisch. Hier geht es vor allem um Video, klar, die Midi-Funktion wird aber auch viele Freunde finden: 16 zuweisbare Kanäle, Clock zwischen 40 und 250 BPM.

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Mix das Bild, die Musik geht mit
Der eigentliche Killer des SVM-1000 sind die Effekte, die über den Touchscreen Musik und Video beeinflussen. Alles in Echtzeit, alles mit den Fingern. Insgesamt 30 Audio- und/oder Visual-Effekte stehen hier zur Verfügung, aufgeteilt in drei Effektbänke. Der aktuelle Effekt hat ein animiertes Symbol, so dass man immer weiß, was gerade aktuell ausgewählt ist. Beat, Touch und Text, das sind die drei Oberbegriffe der Bänke. Beat arbeitet mit der BPM-Erkennung des Mixers und synchronisiert die Videos zum Tempo der Musik. Zwölf Presets stehen hier zur Verfügung: Delay, Echo, Pan, Trans, Filter, Flanger, Phaser, Reverb, Robot, Chorus, Roll und Rev Roll. Hier hat mir der Chorus besonders gefallen. Das Bild wird in RGB-Komponenten aufgesplittet und der Musik wird (Überraschung!) ein Chorus hinzugefügt.
Touch sind in erster Linie Video-Filter, die aber, wenn gewünscht, auch die Musik beeinflussen. Auch hier stehen zwölf zur Auswahl: Ripple, Lens, Spot, Radiation, Cube, Block, Kaleido, Twist, Zoom, Drop, Blur und Distortion. Und bei Touch beginnt auch der große Spaß, den man mit dem SVM-1000 haben kann. Auch wenn die meisten Effekte ihren Ursprung eher auf Goa-Parties zu haben scheinen, macht das Kaleidoscope zum Beispiel wirklich Freude. Oder aber “Block”, der das Bild in Blöcke aufteilt und gleichzeitig den Bass der Musik moduliert.
Text schließlich ermöglicht einem, zum Beat synchronisierte Texte über den Bildschirm zu schicken … die Geburtstagsparties werden nie wieder so sein wie früher.
Für die Feinjustierung stehen zwei Potis zur Verfügung, mit denen Zeit und Effektsignal geregelt werden können. Allein diese zwei Parameter geben einem viele Möglichkeiten an die Hand, die vorhandenen Effekte über den Abend hinweg sehr abwechslungsreich zu gestalten. Hinzu kommt der Video-EQ, der die RGB-Level, Schattierungen und Bildsättigung steuern können. Auch wenn die Ergebnisse deutlich sichtbar sind, reichen mir persönlich diese Features nicht aus. Man sollte sich also auf der Visuals-Seite auf seine eigenen vorbereiteten Sequenzen verlassen, der SVM-1000 wird euch dabei nicht helfen.

Kraftprotz?
Ja und nein. Die Kombination aus Audio und Video ist prima, nur lassen sich zum Beispiel nicht zwei Effekt-Bänke gleichzeitig nutzen. Hier werden die klassischen VJs stutzen, die eigentliche Zielgruppe wird es kaum bemerken. Auch können einfache Vorgänge wie ein Fade nicht in ihrer Kurve editiert werden. Ändert man also seine Videoquelle, hat man nicht viele Optionen, um diesen Wechsel zu verschleiern. An dieser Stelle hätte ich mir eher gewünscht, auf die Text-Effekte zu verzichten und dafür die anderen beiden Bänke auszubauen. Gibt es wirklich Leute da draußen, die im Sign-Of-The-Times-Stil Schrift über den Bildschirm laufen lassen wollen? 1987 ist doch lange vorbei.

Viel besser ist da schon der JPEG-Viewer, der einen bis zu acht Bilder gleichzeitig darstellen und mischen lässt. 192 Bilder lassen sich hier maximal laden (USB oder SD) und die Bedienung ist einfach und vorbildlich. Leider akzeptiert der USB-Slot nur Sticks im FAT32-Windows-Format. Als Mac-User irritiert mich das sehr und ich denke, viele meiner Kollegen würden sich dem Gerät eher mit Mac-Daten nähern und dann zunächst scheitern. Pioneer hat den USB-Anschluss jedoch vor allem für MIDI-Geräte und für ein Keyboard (Text-Eingabe!) gedacht, was mich langsam davon überzeugt, dass ich einen großen Trend in der VJ-Szene verschlafen habe.

Fazit
Als VJ würde es mich sehr freuen, wenn bei meinem nächsten Gig der SVM-1000 im Club steht. Ich wüsste, dass ich einen Technik-Partner habe, der nicht abstürzt, auf den ich mich verlassen kann, der mit seinem Touch-Screen die Arbeit unglaublich erleichtert und gleichzeitig großen Spaß bringt. Und selbstverständlich kann man sich bei Pioneer auf die Audio-Qualität sowieso verlassen. Hat man Killer-Visuals und Killer-Tunes dabei, drückt der Pioneer SVM-1000 für einen einfach ab. Immer und immer wieder.

Anschlüsse:

Audio:
Eingänge:
6 x Line/DVD (Cinch), 2 x Phono, 2 x Digital, 2 x Mic

Ausgänge:
2 x Master (1 x Cinch, 1 x XLR), 1 x Booth, 1 x Kopfhörer, 1 x Rec, 1 x Digital

Video:
Eingänge:
10 x DVD/Video (Composite Cinch)
4 x S-Video (S1/S2)

Ausgänge:
4 x Master (1 x FBAS Cinch, 1 x FBAS BNC, 1 x Komponentensignal BNC, 1 x S1/S2)
außerdem: 4 x Video Sync Out (BNC)

weitere Anschlüsse:
2 x Midi Out, USB, SD

Preis: 5999,- $ (deutscher Preis steht noch nicht fest)

Pioneer

One Response

  1. dr-w

    nette kiste, aber ich befuercht fuer den zu erwartenden endpreis hol ich mir lieber nen guterhaltenen trialjeep, 50 kisten bier und nen nagelneuen dualcore laptop mit legaler vj – und audio-software.

    vielleicht ist sogar im budget dann auch noch nen controller drin…

    oder?