Rane hat mit dem SL3 nach fünf Jahren ein neues Hardware-Interface für Serato Scratch Live vorgestellt. Zwingend notwenig für alle User? Wir haben aufgelegt.

US-amerikanische Hersteller sind konservativ. Keine schnellen Updates, die nur Ärger bringen, sondern schier endloses Testen im Vorfeld gibt den Takt der Produkt-Zirkel an. Digidesign ist da ein gutes Beispiel, Rane aber auch. Der DJ-Spezialist hat jetzt das Interface für Serato Scratch Live, dem Urgestein der digitalen DJ-Systeme, komplett überarbeitet und ist mit neuen Features wieder zur Konkurrenz aufgeschlossen. Dabei war das “alte” SL 1 Interface zwar deutlich in die Jahre gekommen, verrichtete seine Arbeit aber immer noch vorbildlich.

von Thaddeus Herrmann aus De:Bug 135

Das neue Interface arbeitet mit USB 2.0. Skurril, aber wahr: Bislang haben Serato-User mit dem langsamen, alten USB 1.0 gescratcht. Der schnellere Datendurchsatz erlaubt einen deutlich hörbar besseren Sound: 24Bit-Auflösung und mehr Pegel an den Ausgängen sorgen mit dem neuen SetUp für mehr Durchsetzungskraft. Das war in unserem Test sofort hörbar und wurde von allen anwesenden Ohren mit einem freudigen Abklatschen quittiert. Die Veränderungen in harten Fakten: Zehn dB mehr Ausgangspegel (jetzt 104, früher 94) und die Konverter funzen jetzt auch bei 48kHz. Dazu kommen neue Phono-Vorverstärker und eine neue, galvanisierte Eingangstrennung, die Störgeräusche verhindern soll (damit hatten wir beim SL1 nie Probleme). Aber auch das interne Design des Interfaces hat sich radikal geändert. Erste Auffälligkeit: Der Mikrofon-Eingang ist weggefallen. Das ist unter Umständen für einige User schmerzhaft, das “Ersatz-Feature” macht aus unserer Sicht aber viel mehr Sinn: Aux-Input und -Output. Über die Inputs kann das Mix-Signal über einen zweiten Signal-Weg des Mixers wieder in die Scratchbox geführt und somit direkt im Rechner aufgenommen werden. Das ist auch in der Serato-Software sehr elegant gelöst und dürfte vielen ein “Endlich!” entlocken. Über das Aux-Output kann der Serato-Sampleplayer auf einen eigenen Kanal des angeschlossenen DJ-Mixers geroutet werden. Wir denken bei diesem Ausgang natürlich schon ein bisschen weiter und sind überzeugt, dass er beim Zusammenwachsen zwischen Ableton Live und Serato eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen wird.
Auch neu: Die Thru-Funktion. Serato kann jetzt dank des neuen Interface Signale von herkömmlichen CDs einfach durch das System durchschleifen. Das spart nicht nur Kanäle auf dem Mixer, sondern verhindert auch die üblichen Fehler: Wir erinnern uns gerne an die Distortion-Orgien. In der Software wird einfach ein kleiner Thru-Button geklickt und schon läuft die normale CD. Wechselt man wieder auf den Timecode, deaktiviert man den Button und alles ist wieder 100% Serato. Es sind diese kleinen Dinge, die zeigen, dass die alte Scratchbox schon etwas in die Jahre gekommen war. Kein Wunder, die SL 1 wird seit ungefähr fünf Jahren verkauft.

Mit dem SL 3 hat Serato Scratch Live ein professionelles Update bekommen. Die schon im ursprünglichen Interface gute Soundqualität wird mit der neuen Version noch besser, hinzu kommt die über Jahre immer weiter entwickelte Software, die niemanden im Stich lässt. Das Timecode-Vinyl erfüllt immer noch alle Standards und durch die praktischen neuen Features des SL3 dürften viele User sofort in Versuchung geraten. Das alte Interface bleibt weiterhin erhältlich und bietet so einen preiswerten Einstieg in die digitale DJ-Welt. Für welches System – Rane, NI oder das eines anderen Herstellers – man sich schlussendlich entscheidet, bleibt einem selbst überlassen. Bei Rane bekommt man aber auf jeden Fall genau das, was man gesucht hat. Ein verlässliches System.

RANE

Preis des Interfaces inkl. Control-Vinyl, CDs, Netzteil und Serato-Software: 800 Euro

Systemvoraussetzungen: Mac OS X 10.4, 1 GB RAM, Windows XP/SP2 oder VIsta/SP1, 1GB RAM

2 Responses

  1. apoll

    ui. endlich kommt dampf aus dem ding. und die beschriftung auf der box wird dem deejot bei angedröhntem schädel das verkabeln im dunkeln erleichtern. das netzteil nun im preis inbegriffen und kein (verhältnismässig teures) extra mehr, da sehr sinnvoll.