Tor zur Außenwelt

reason_72dpi

Das schwedische Software-Haus Propellerhead hat sich mit Reason 7 endgültig von der Philosophie des beschränkten Glücks verabschiedet. Nach Rewire, Audio-Input und dem PlugIn-System “Rack Extensions” gibt sich Reason in Version 7 nun endgültig der Offenheit hin.

Über das “External MIDI Instrument” können auswärtige MIDI-Instrumente ins Reason-Rack und damit den App-Workflow eingebunden werden. Zwar vermarktet Propellerhead das neue Feature vor allem als Anschlussmöglichkeit für Outboard-Hardware. Tatsächlich aber dürfte “EMI” vielmehr ein Kniff sein, Reason und die große Softsynth- und VST-Welt zu versöhnen. Und es gibt gute Gründe, warum das erst jetzt passiert: MIDI verkörpert all das, was Reason nie sein wollte; es ist umständlich und fehleranfällig. Sogar intern setzt Reason lieber auf den plump-umgänglichen MIDI-Vorgänger CV/Gate als Metapher, eine virtuelle Steuerspannung, die sich Reason-Instrumente und Effekte hin und her schicken können. Wer sich den Routing- Stress gibt, kann aber wunderschöne Späße mit Reasons CV->Midi-CC-Konverter treiben: Reason übersetzt CV/ Gate-Signale in beliebige MIDI-CC-Werte, dem Parameter-Wahnsinn ist damit ein neuer Spielplatz geschaffen.

So schön wie überfällig
Dass neue Versionen von Reason reichlich teure Feature-Upgrades sind, wird in den Propellerhead-Foren schon lange hitzig diskutiert. Und ich bin mir nicht sicher, ob MIDI-Out Grund genug für ein Upgrade ist. Denn auch die anderen Neuerungen in Reason 7 sind nur so schön, wie sie überfällig sind. Audio-Material slicet sich jetzt von allein, kann quantisiert, zu neuen Rex-Files zusammengefasst und in Samplern und Loopern verwendet werden – damit ist Recycle also endlich ein Teil von Reason. Der Mixer beherrscht nun auch Busse und Gruppen und öffnet auf Wunsch ein Spektrum/EQ-Kombo als Popup.

Auch sonst hat sich nicht viel geändert: In der Rack-Ansicht gibt es jetzt Pan- und Volume-Fader pro Mixerspur, neben WAVs können nun auch MP3-, AAC-, WMA- und andere Audio-Dateiformate importiert (aber noch immer nicht exportiert) und neben Dongle- und Internet-Freischaltung kann künftig jeweils ein Rechner für Reason aktiviert werden. Als Dreingabe gibt’s den “Audiomatic Retro Transformer” als Rack Extension zum Download: ein Effekt, der dem Signal die Audio-Charakteristik von VHS, stark komprimierten MP3s, blechernen Gadgets oder Aufnahmen in einer Waschmaschine überstülpen soll – Instagram für Sound, wirbt Propellerhead. Für mich nur ein Gag; mit dem Scream-PlugIn geht das genau so gut.

Abseits von den medium-großen neuen Features ist Reason 7 mal wieder nur ein Upgrade, das längst überfällige Funktionen hinzufügt. Wie schon mit den Rack Extensions verlässt Reason 7 immer mehr den mir sympathischen, aber durchaus umstrittenen Pfad der monolithischen Allround-Lösung, die superstabil und vor allem auch kompatibel zu anderen Reason-Installationen ist. Wer kollaborativ an Tracks arbeiten will, muss genau darauf achten, dasselbe Setup zu fahren. Andererseits ist die Möglichkeit, (virtuelle) CV/Gate-Signale in MIDI-CC zu übersetzen tatsächlich genial einfach gelöst – und bietet ganz neue Bastelmöglichkeiten. Letztlich bleibt Reason aber noch immer das beste Tool, um umstandslos zur Song-Skizze oder zum Jam-Setup zu gelangen. Wer “EMI” und Routing ignoriert, kann mit drei Mausklicks eine saubere Audioaufnahme starten und neue Ideen sofort einspielen. So leicht geht das mit kaum einer anderen Software – doch dafür reicht auch Reason 6.5.

 
Reason 7: 405 Euro
Reason 7 Upgrade: 129 Euro