Groß, schwer, Riesendisplay, Hammertechnik auf der Klaviatur.

Groß, schwer, Riesendisplay, Hammertechnik auf der Klaviatur. Roland setzt mit dem Fantom-G so überzeugend auf Hardware dass man denken könnte, Software wäre ab kommenden Herbst verboten. Die kann was, die neue Mega-Workstation.

von Sebastian Fenn und Arnhild Uhlich aus De:Bug 124

Das neue Schlachtschiff der Workstationserie von Roland nennt sich “Fantom-G” und lag uns zur Rezension in der größten Version vor: 88-Tasten-Hammermechanik mit hervorragendem Spielgefühl, einem 18,5 x 11 cm großen Display in satten Farben so wie diversen Tasten, Pads, Reglern und Fadern zur Steuerung. 32 kg Lebendgewicht und einladende Ausmaße führten zu kurzfristigen Komplexen unter den anderen im Studio versammelten Geräten.

Rein und raus plus die Maus
Neben dem üblichen Midi-Trio gibt es zwei Line-Ins so wie eine XLR/Klinke/Hi-Z- Kombination, die auch für 48V-Phantomspeisung sorgt. Samples, Gesangsspuren und Instrumente wie Gitarren können somit direkt im internen Sequencer aufgenommen werden. Am Ausgang stehen vier Klinkenanschlüsse zur Verfügung, von denen zwei symmetrisch sind. Somit wird die Übertragung in den Rechner erleichtert, um dort an der Endproduktion zu arbeiten.

Daten und Audiofiles können auf einem Memory Stick gespeichert oder per USB direkt auf den Rechner übertragen werden. Zur Editierung der Sounds und Samples am Rechner steht ein Editor zur Verfügung, der sich auch direkt als VST-Instrument öffnen lässt. Das Ass im Ärmel ist allerdings die Maussteuerung, die das Navigieren direkt auf dem internen Display ermöglicht.

Im Endeffekt
Der Fantom-G bietet eine 128fache Polyphonie. Die internen Sounds (über 1.500 Patches) sind soundtechnisch auf hohem Niveau. Durch tiefe Eingriffe mittels LFOs, Hüllkurven und Effekten kann man sich jeden Sound ganz zu Eigen machen. Wer weiter verbiegen will, dem bieten sich die internen Effekte und das Resampling an. Eine Verbesserung gegenüber dem Fantom-X betrifft die Effektsektion, da nun für jedem der 16 Instrumente ein eigener Effekt zur Verfügung steht. Zusätzlich kann jedem Instrument einer von zwei weiteren Multieffekten zugemischt werden, plus die Standards Chorus/Delay und Reverb.

Unter Kontrolle
Dank der aufeinander abgestimmten Komponenten der Hard- und Software sprudelt der Arbeitsfluss gleich nach dem Starten munter vor sich hin. Es stehen professionelle Instrumente und Sounds zur Verfügung, in den Sampler kann man eigene Samples laden oder über den Input Gesangsspuren und Instrumente aufnehmen. Mit Hilfe der acht manuellen Fader, vier Drehregler und zehn Buttons direkt am Display wird das Ansteuern der Menüs und Parameter zum Kinderspiel. Die Belegung ist sehr vielfältig und durchdacht gestaltet. Auch die 16 Pads können u.a. für das Muten der Spuren, das Abfeuern von selbst programmierten Beats oder zur Eingabe von Zahlenwerten genutzt werden. Wer das Einspielen der Beats über Pads gewohnt ist, dem empfiehlt sich ein externer Controller, der über eine differenziertere Anschlagsdynamik verfügt als die Pads des Fantom-G.

Sequencer
Auf 128 Midispuren und 24 Audiospuren (!) können Tracks sowohl auf lineare als auch Loop-basierte Art erstellt werden. Das läuft alles sehr zielgerichtet und zweckoptimiert. Man sollte jedoch nicht den Fehler machen, diesen internen Sequencer mit einem Programm wie Logic zu vergleichen. Rechnerbasierte Sequencer sind wesentlich umfangreicher, bergen aber auch die Gefahr des Sich-Verlierens. Dennoch wird Roland in diesem Bereich Funktionen hinzufügen müssen, die jeder User mittlerweile gewohnt ist, wie das Zerschneiden und Mischen von Phrasen. Da wir es beim Test mit der jungfräulichen OS-Version 1.02 zu tun haben, bin ich optimistisch, dass in Zukunft noch mehr folgen wird. So soll die angekündigte Version 1.10 z.B. das Erstellen von Multisamples ermöglichen. Dies ist ein viel versprechendes Signal.

Weitere Häppchen
Neben einem Arpeggiator und einer Chord-Memory-Funktion, die das Spielen komplexer Akkorde auch dem Laien ermöglicht, verfügt der Fantom-G über das so genannte “Skipback Sampling“. Hierbei werden am Audioausgang automatisch immer die letzten 40 Sekunden aufgenommen. Hat man also zufällig beim selbstverlorenen Vor-Sich-Hinspielen eine für genial erachtete Idee gehabt, kann man diese einfach im Nachhinein einfangen und als Audiofile im Song einbauen. Toll!

Fazit
Die Stärke des Fantom-G liegt in seiner Gesamtkonzeption. Optimal aufeinander abgestimmt liegen hier mehrere Geräte in einem vor: Hardware-Controller, riesiges Sound-Modul, Effektgerät, Sampler, Mehrspurrekorder, Vorverstärker und eine professionelle Klaviatur. Diese Kombination ermöglicht ein flüssiges und stressfreies Arbeiten ohne das Schielen auf die CPU-Last. Wünschen würde man sich, dass Roland noch weiter am Sequencer arbeitet und ein flexibleres Routing der maximal 22 gleichzeitig schaltbaren Effekte anbietet. Dann hat dieses Gerät auch in Zukunft seinen Platz im Studio gesichert.

Roland

Preise:
Fantom G-6: 61 anschlagsdynamische Tasten, ca. 2.149 €
Fantom G-7: 76 anschlagsdynamische Tasten, ca 2.499 €
Fantom G-8: 88 Tasten Hammermechanik, ca. 2.999 €