Modulares Mastering System von SPL im Praxistest mit Helmut Erler von Dubplates & Mastering

Digital ist nicht immer besser – auch im Bereich des analogen Sounddesigns tut sich derzeit einiges. Ganz vorne dabei ist SPLs neues Rackpack. Helmut Erler vom Dubplates & Mastering-Studio Berlin zeigte sich in unserem gemeinsamen Test begeistert.

von Thaddeus Herrmann aus De:Bug 126

In Zeiten, in denen die Musikproduktion fast ausschließlich im Rechner stattfindet, ist es enorm wichtig, das bestmögliche Signal an die Soundkarte zu schicken. Der Kampf zwischen digitalem Komfort und analoger Brillanz ist noch lange nicht entschieden. SPL ist hier seit Jahr und Tag an vorderster Front dabei und bietet mit dem RackPack eine kostengünstige Möglichkeit, sich analog optimierten Sound ins Haus zu holen. Oder ins Studio. Oder auf die Bühne. Der Clou: Der User entscheidet selbst, welche Komponenten in der Kette arbeiten – das RackPack bietet Platz für acht Module. 2007 erstmals vorgestellt, waren zunächst Mikrofon-Vorverstärker und ein Transient-Designer verfügbar. Letzterer ist eine von SPLs Killer-Entwicklungen und bietet eine pegelunabhängige Art der Dynamikbearbeitung – ein Klassiker. Jetzt sind fünf neue Module verfügbar: drei Equalizer, ein TwinTube Processor und der DynaMaxx, ein Kompressor. Wir haben uns das RackPack in voller Ausbaustufe zusammen mit Helmut Erler, Mastering-Engineer bei Dubplates & Mastering in Berlin, Studio-Inhaber und Musiker bei heyrec.org, angeschaut.

Helmut Erler: … amtlich … oberamtlich!

Debug: Das wird ja ein kurzes Gespräch.

Man muss Folgendes wissen: Wenn man sich diese Komponenten von unterschiedlichen Herstellern zusammenkauft, spart man vielleicht ein bisschen Geld, hantiert aber gleichzeitig mit zig verschiedenen Netzteilen, da sind Einstreuungen vorprogrammiert. Hier wird alles aus einer Quelle gespeist, die obendrein auch noch Röhren-Komponenten und Einheiten mit Transistoren handeln kann. Guter Strom ist wichtig im Studio, gerade bei so einer Signal-Kette. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass man alle Module außer dem Standard-Vorverstärker optional mit Übertragern kaufen kann. Die stellen sicher, dass das Signal tatsächlich linear und symmetrisch übertragen wird. Die Verwendung von Übertragern macht das Signal außerdem unempfindlicher gegen hochfrequente Störungen, beispielsweise von WiFi-Netzen etc. Auch hier lohnt sich der Aufpreis enorm. Das sind Probleme, die einem gar nicht so bewusst sind, weil es um Frequenzen geht, die man nicht hört, sich aber dann wundert, was hier nicht stimmt.

Wie war dein erster Eindruck vom RackPack?

Analog-PlugIn. Es ist wahnsinnig einfach zu bedienen, Knöpfe drehen und gut. Alles ist so ausgelegt, dass man nichts falsch machen kann. Die Module werden einfach auf der Rückseite per XLR miteinander verbunden. Mann muss also nicht die ganze Kette nutzen, sondern immer nur die Komponenten, die man gerade braucht. Außerdem kann man an jeder Stelle das Signal auch noch alternativ abgreifen und anderweitig nutzen. Wir haben hier beide Mikrofon-Vorverstärker, das Modell Preference ohne Übertrager und das Modell Premium mit Übertrager, dann den DynaMaxx-Kompressor, den Transient Designer, eine Technologie, die die dynamische Bearbeitung völlig anders angeht, weil es eben nicht um Pegel geht, sondern schlicht um die Dynamik, drei EQs, einen, der vor allem den Bass greift, einen für Stimme und einen, der das gesamte Frequenzband abgreift, und schließlich den TwinTube, den Röhreneffekt. Mit dieser Kette lässt sich schon was anfangen. Im Umkehrschluss bedeutet einfache Bedienung aber auch begrenzte Möglichkeiten. Wer glaubt, er kauft mit dem RackPack eine analoge Killer-Kette, um Musik radikal zu bearbeiten, der hat sich geschnitten. Für mein Verständnis geht es wirklich viel mehr um die bestmögliche Aufbereitung eines Signals: sauber, präzise und eben analog. Wer mehr Eingriffsmöglichkeiten will, muss eher Komponenten von Herstellern wie ADT kaufen. Die EQs sind ein weiteres Beispiel: Alle drei sind passiv, das heißt, es werden keine Signalanteile angehoben, sondern nur abgesenkt. Sehr edel und sehr HighEnd.

Du arbeitest sowohl im Mastering als auch im Studio- und Livebetrieb. Für welchen Einsatz ist das RackPack deiner Meinung nach prädestiniert?

In Studios, in denen auf wenig Raum mit wenig Zeit ein gutes Signal erzeugt werden soll, ist das RackPack sehr gut aufgehoben. Aber auch im Live-Betrieb. Da spielt wieder die einfache Bedienung eine Rolle. Wenn ich eine Band mische und Kompression brauche, dann drücke ich am RackPack auf Kompression und voilà! Keine langen Diskussionen, keine zeitraubenden Feineinstellungen. Ich drücke den Knopf und habe ein amtliches Ergebnis und zwar schnell. Oder wieder die EQs. Dass alle Bänder mit kleinen LEDs versehen sind, hilft unter Live-Bedinungen sehr. Im komplexen Studio-Alltag würde ich da ein paar Dinge vermissen, vor allem, dass ich einfach nicht genug Eingriffsmöglichkeiten in den Klang habe. Aber auch: Ich komme in die Kette nur über XLR, das ist ein Manko. Auch kann man das Signal bei einigen Modulen nicht regeln, das macht den Vergleich zwischen bearbeitetem und unbearbeitetem Signal schwierig. Und echtes Stereo ist auch nicht möglich. Bei den EQ-Modulen sind zum Beispiel bislang keine Link-Schalter vorgesehen und per Hand die exakt gleichen Einstellungen zu erzielen, kann man vergessen. Und bei den Modulen, die man verlinken kann, gibt es dennoch kein echtes Stereo. Ein Kanal ist immer der Master, der andere der Slave, das muss schon beim Einbau festgelegt werden.

Aber es ist ja ein modulares System …

… genau das ist der große Vorteil. Ich würde mir für zukünftige Erweiterungen eine Art Gain-Station erwarten und eine DI-Box. Und einen System-weiten Bypass. Als Anfang. Und natürlich die andere große SPL-Entwicklung, den Vitalizer. Dann gibt es echtes Stereo. Das RackPack ist für viele Einsatzgebiete eine sehr gute Wahl, die Möglichkeiten werden sich mit neuen Modulen noch erweitern und der amtliche Klang wird viele Benutzer überzeugen. Ich muss wiederholen, was ich schon am Anfang gesagt habe: Es macht viel mehr Sinn, sich von Anfang an für so ein modulares System zu entscheiden, als alle Komponenten von unterschiedlichen Herstellern zu kaufen.

SPL

Preise (die Angaben in den Klammern für die Übertrager-Varianten):

RackPack Frame mit externer Stromversorgung: 899 Euro
Mic Pre Preference: 333 Euro
Mic Pre Premium: 666 Euro
DynaMaxx: 399 Euro (609 Euro)
Twin Tube: 499 Euro (709 Euro)
Transient Designer: 333 Euro (543 Euro)
Full Ranger: 499 Euro (709 Euro)
Bass Ranger: 499 Euro (709 Euro)
Vox Ranger: 499 Euro (709 Euro)