Ein MIDI-Sequenzer als PlugIn? Thesys kommt von Sugar-Bytes, die mit ihren bisherigen Plugs bewiesen haben, wie man abseits von den Standards interessante neue Tools entwickeln kann.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 137

Übersicht
Wer Sugar-Bytes‘ MIDI-Arpeggiator und Chord Sequenzer Consequence kennt, findet sich bei Thesys schnell zurecht: In fünf horizontalen Reihen werden Pitch, Velocity, Gate Time, Performance und Modulation eines Patterns bestimmt, einfach mit der Maus malen. Die einzelnen Reihen können dabei voneinander unabhängig verschiedene Längen haben (bis zu 32 Steps), was rhythmische Verschiebungen erlaubt. Wer will, kann die Einzelsequenzen aber auch fest aneinanderkoppeln, so dass sie zur gleichen Zeit die gleiche Länge haben. Die Einzelsequenzen lassen sich stepweise nach oben, unten rechts und links verschieben. In allen fünf Sequenzen können auch noch verschiedene Laufrichtungen bestimmt werden, neben Forward und Backward gibt es Random und die Option, jeden zweiten, dritten oder vierten Step zu spielen. Dazu kommen die Standards: Random und mit Mutate für Variationen. Die Sequenzen können sowohl komplett in Thesys erzeugt, als auch von externen Quellen aufgenommen werden. Dabei werden sämtliche MIDI-Daten unterstützt.
In der Pitchsequenz wird die Tonhöhe bestimmt und kann auch in insgesamt 34 verschiedene Skalen überführt werden.Velocity steht für die Lautstärke der Steps und Gate Time für ihre Länge. In der Performance lassen sich einzelne Steps bis zu zwei Oktaven transponieren, mit zwanzig verschiedenen Pitchbend-Kurven versehen, als einer von 54 Akkorden spielen (wobei der Grundton der aktuelle Ton der Pitch-Sequenz ist), oder mit einer Roll-Figur versehen. Dazu gibt es noch eine Spalte mit Zufallswerten pro Step, die man gezielt einem Parameter zuweisen kann. In der Modulationssequenz schließlich lassen sich bis zu acht verschiedene MIDI-Controller gleichzeitig modulieren.

Spielen
Das Erzeugen von komplexen musikalischen Strukturen ist nur der erste Teil, richtig spannend wird das Ganze durch die Livespielbarkeit der Pattern, die in der Bandbreite von zwei Oktaven transponierbar sind. Die Transponierung erfolgt entweder strikt nach der Tonhöhe oder aber in Bezug auf die ausgewählte Scale. Darüberhinaus kann man sie in der Action Section in Echtzeit manipulieren: halbes Tempo, verlangsamen, gaten, Teile der Sequenz loopen, retriggern. Schließlich können auch die Pattern (ein Pattern besteht aus den fünf Einzelsequenzen) über die MIDI-Tastatur angesteuert werden, was in verschiedenen Quantisierungen möglich ist und neue Variationen erlaubt. Außerdem sind alle weiteren Parameter über MIDI steuerbar, es bleiben also keine Kontrollwünsche offen.

Eigene Sounderzeugung
Obwohl Thesys vor allem als MIDI-Sequenzer für andere Instrumente gedacht ist, besitzt es auch eine einfache, aber durchaus ordentlich klingende eigene Sounderzeugung, die sich per Aufklappmenü editieren lässt.

Bedienung
Mit Thesys lassen sich im Nu interessante Sequenzen erzeugen, die sich kontinuierlich weiterentwickeln und in linearen Sequenzern und DAWs deutlich mehr Zeit und Arbeit brauchen und weniger Spaß machen. Die Oberfläche ist angenehm abzulesen, hat die richtige Größe auch auf kleineren Bildschirmen und informiert immer über alle Parameter, die man gerade braucht. In Verbindung mit einem MIDI-Keyboard wird Thesys zum Jamtool und wenn man sich ein wenig länger damit beschäftigt, kann man es schnell auch ohne den Blick auf den Bildschirm “spielen”.

Fazit
Thesys ist nicht nur eine ergiebige Sequenzschleuder für Basslines, komplexe Rhythmen, Pads, Chords und mehr, sondern auch ein prima Ideengeber für Neues und Dinge, auf die man vorher so vielleicht nicht gekommen wäre. Prima fürs Studio und auch als Livetool. Lohnt sich!

Preis: 99 Euro

Sugar Bytes

One Response

  1. jens

    geiles teil.
    erinnert mich an den interactive phrase synthesizer aus fruehen (nur midi) cubase versionen der leider aus cubase herausgenommen wurde.
    damit wurden die ganzen old school breakbeat patterns gemacht.