8-Bit Drummachine mit digitalem Distortion-Biss

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Spätestens seit der Sidstation gab es immer wieder Versuche, den Charme des 8-Bit Sounds auf standesgemäße Synthesizer zu übertragen. Hier ein weiteres Beispiel, dieses Mal in Form eines Drum Computers und mit infernalischem Crunch.

Der DCM8 ist in ein robustes, blaues Stahlblechgehäuse eingebaut, an dessen Seiten sich offenbar unvermeidliche Holzseitenteile befinden. Strom kommt über ein externes Netzteil, dazu gibt es einen Audio-Ausgang in Mono, MIDI In und Out. Knöpfe gibt es nur zwei: einmal für die Lautstärke und einen klickbaren Endlosdrehregler, der zusammen mit den Buttons für sämtliche Einstellmöglichkeiten herhalten muss.

Klang
Der Sound ist, wie nicht anders zu erwarten, ganz im 8-Bit-Universum zu Hause und erinnert beim Großteil der 223 Presets an diverse Game-Klassiker: Der Preset-Programmierer hat schon für den Gameboy und sogar den ZX Spectrum Sounds gemacht. Klangliches Vorbild ist damit auch der SID-Chip aus dem C 64, 32 User-Patches erlauben aber das Erzeugen eigener Klänge. Neben den klassischen Synthesizer-Wellenformen gibt es für den Oszillator ein auf 4-Bit gequetschtes Dreieck, FM, verschiedene Wavetable- und vor allem fast genauso viele verschiedene Rauschvarianten als Klangquelle. Zur Modulation steht dazu ein LFO (diverse Wellenformen) bereit, der frei laufen oder pro Step, pro Patterndurchlauf und zum Anfang des Instruments synchronisiert sein kann; damit sind also weitreichende Modulationen möglich.

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Sequenzer, MIDI und Live-Features
Bis zu 64 Patterns lassen sich in acht Bänken abspeichern. Sie können wahlweise acht, sechzehn oder 32 Steps lang sein und werden über einen Lauflichtsequenzer gesetzt, der auch die stepbasierte Automation von Volume, Decay und Pitch erlaubt. Zusätzlich zum Pattern-Modus gibt es noch einen Song-Modus mit bis zu acht Songs mit jeweils 128 Patterns. In beiden Modi lassen sich verschiedene Live-Effekte triggern, die auf das ganze Pattern beziehungsweise den Song wirken. Da neben vier Loop- und Stutter-Varianten auch die sechzehn verschiedenen DAC-Mask-Funktionen auf alle Sounds insgesamt gelegt werden können, kann das heftige digitale Verzerrungen erzeugen.
Die MIDI-Implementation bietet neben MIDI-Clock In und Out und der Möglichkeit, die Sounds auf MIDI-Noten zu mappen, noch Program Change zum Wechseln der Pattern, in Sachen Steuerung der Klangparameter ist man sehr reduziert, lediglich der DAC-Modus kann über CCs gesteuert werden.

Trotz der eher spartanischen Oberfläche geht die Bedienung des DCM8 erstaunlich flugs vonstatten. Die Menüstruktur ist ziemlich geradeaus, allerdings ist gerade mal ein Drehregler – zumindest zum Liveschrauben – schon sehr wenig. Insgesamt ist der DCM8 eine solide gemachte kleine Drummachine, die den ganzen Chiptune-Bereich abdeckt und reichlich bekannte Gamesounds liefert, aber mit den Wavetables, den verschiedene Rauschvarianten und dem DAC-Masking auch ungewöhnlichere Kreationen erlaubt und infernalisch-crunchig digital zerren kann. Dabei sind die Möglichkeiten, die man in Verbindung mit dem Sequenzer hat, durchaus speziell und teilweise einzigartig. Das hat allerdings einen relativ hohen Preis: Der charmante Kasten kostet 400 Euro.