Schmeißt die kleinen Monitore weg, die euch so wenig zu sagen haben!

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von Nerk aka Benjamin Weiss aus De:Bug 111

Bob Katz ist seit Ewigkeiten Mastering Engineer mit eigenem Studio und Entwickler von diversen Masteringprozessoren wie dem K-Stereo DD-2 Processor, mit dem sich selbst Monoaufnahmen nachträglich in realistisch klingende Stereoräume stellen lassen oder dem mit Psychoakustik arbeitenden Ambience Recovery Processor und diversen Formatkonvertern und Routern für digitale Audiosignale. Außerdem hat er das K-Metering System entwickelt, das unter anderem in den Limitern der UAD-1-Karte von Universal Audio, in RMEs Digicheck Software und den Studioprozessoren von Weiss benutzt wird. Und das Buch “Mastering Audio – The Art And The Science” geschrieben, in dem er gut verständlich und unterhaltsam eine Einführung zum Thema gibt, nicht ohne dabei gelegentlich einen leicht missionarischen Eifer zu entwickeln.

Debug: Der stetig wachsende Markt für digitale Downloads hat durch die komprimierten Audioformate MP3, AAC und andere auch die Soundqualität geändert. Glaubst du, dass es möglich ist, mit diesen Formaten eine vergleichbare Soundqualität zu unkomprimierten Audioformaten zu erreichen?

Bob Katz: Ich mag das Wort “komprimiert” eigentlich nicht benutzen, um diese Formate zu beschreiben. Die richtige Beschreibung ist “kodiert”. Wenn man “komprimiert” sagt, denken die Leute, dass auch der Sound (dynamisch) “komprimiert ist”, was nicht der Fall ist. Verlustbehaftete Formate können die enthaltene Information verringern oder das Klangbild verkleinern, aber sie verringern von Natur aus die Dynamik nicht. Man kann also sagen, dass es verlustbehaftete Kodierung wie MP3 und AAC gibt, oder verlustfreie Kodierung wie FLAC und Apple Losless. Um auf deine Frage direkt zu antworten: Ich glaube, dass so, wie die Bandbreite des Internets wächst, die Notwendigkeit sinkt, Daten zu reduzieren. Verlustfreie Formate wie Apple Losless und FLAC werden die Stelle von MP3 übernehmen und die Leute werden höhere Bitraten bei MP3s nutzen, bis hin zu 320 kbps, was ja auch heutzutage schon nicht unüblich ist. Sogar ein 128K-MP3 klingt nicht “schrecklich”, jedenfalls nicht, wenn man es mit 56 K vergleicht! Die Antwort auf deine Frage ist daher: Wenn wir zu höheren Datenraten und verlustfreiem Kodieren kommen, werden wir anfangen, eine Soundqualität zu hören, die vergleichbar oder (im Fall von verlustfreiem Kodieren) gleich der von unkodierten Formaten ist.

Debug: Welches der verlustbehafteten Formate klingt für deine Ohren am besten?

Bob Katz: Obwohl ich AAC im Vergleich mit MP3 den Vorzug gebe, muss ich sagen, dass es egal ist, wenn du eine Bitrate benutzt, die hoch genug ist. Je geringer die Bitrate, desto mehr Verluste im Code und dann kommt man zu Fragen, ob für MP3 der Lame-Encoder besser ist als der Fraunhofer-Encoder, aber das zählt wirklich nur bei kleinen Bitraten. Sobald man mit einem guten Codec über 256 kbps kommt, wird die Frage, was besser klingt, bedeutungslos, sie fangen alle an, gut zu klingen. Daher finde ich die Frage interessanter, was besser klingt bei einer geringen Bitrate.

Debug: Was sind deine wichtigsten Tools für deine Arbeit als Mastering Engineer?

Bob Katz:
1. Meine Erfahrung
2. Mein Raum
3. Meine Ohren
4. Meine Monitorboxen

Debug: Bitte gib unseren Lesern ein paar Tips für einen ausgewogenen Mix, der sich überall gut anhört!

Bob Katz: Schmeißt die kleinen Monitore weg, die euch so wenig zu sagen haben. Besorgt euch wenigstens ein paar ausgewogene Monitore. Stellt sie möglichst nicht auf den Tisch vor euch einen Meter vor eurer Nase. Geht aus den Minikammern raus, in denen ihr mixt! Schmalbandige Monitore machen es schwerer, nicht einfacher einen Mix zu machen, der sich überall gut anhört! Das heißt nicht, dass man ein Vermögen ausgeben muss, um sich audiophile Monitore zu kaufen. In den letzten Jahren gab es erstaunliche Verbesserungen, die zu portablen Lautsprechern geführt haben, die ziemlich gut klingen. So wie die Genelec 8040 (die ein großer Fortschritt im Vergleich zu den alten 1031ern sind), die Dynaudio BM15A oder ein gutes Paar PMCs oder einen der neuen JBLs. Das sind Beispiele von relativ breitbandigen Monitoren mit einer geringen Verzerrung, die wesentlich akkurater sind, als die, die die meisten benutzen.

Bob Katz Studio : Digital Domain

Buch:
Bob Katz, Mastering Audio. The Art And The Science (Butterworth Heinemann)