ProTools To Go

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ProTools zu teuer? Wir haben nicht mehr 1997. Die Mbox 2 Mini ist für jeden erschwinglich. Und gut klingen tut sie auch.
von Thaddeus Herrmann aus De:Bug 111

Das Phänomenale an der Mbox 2 Mini von Digidesign ist nicht das Produkt an sich. USB-Interfaces, die sich aufgrund ihrer Größe besonders für den Einsatz unterwegs eignen, gibt es wie Sand am Meer. Das Neue liegt in der Tatsache, dass es nie einen preiswerteren Einstieg in die ProTools-Welt gab. Für unter 300 Euro bekommt man mit der Mbox 2 Mini nicht nur ein solides Audio-Interface, sondern auch die komplette ProTools-LE-Software. So preiswert war der heilige Gral des Audio-Editing noch nie. Zum Vergleich: Die “reguläre” Mbox 2 kostet immerhin rund 150 Euro mehr. Wer sich mit ProTools vertraut machen will oder aber seine Projekte unterwegs bearbeiten möchte und dabei keinen Wert auf universelle Connectivity legt, der ist bei der neuen Mini-Variante genau richtig. 300 Euro … ich kenne zahlreiche langweilige Software-Synths, die dasselbe kosten … ohne Hardware.

Aufgebohrt
Die Mbox 2 Mini verarbeitet Audio in 24 Bit/48 kHz. Eingangsseitig stehen zwei Klinken und eine XLR-Buchse mit Phantomspeisung zur Verfügung, ausgangsseitig zwei Klinkenbuchsen. Zwei Ins und zwei Outs können simultan betrieben werden. Darum wird das Gerät auch nur über USB 1.1 mit dem Rechner verbunden, für den Datendurchsatz ist das völlig ausreichend. Die Stromversorgung läuft ausschließlich über den USB-Bus. Auf der Front-Seite steht ein separater Kopfhörer-Ausgang zur Verfügung und Potis zur Volume-Regelung für Kopfhörer und Outputs. That’s it, aber was braucht man auch mehr, wenn man unterwegs nur eben schnell einen Mixdown abschließen oder die eine oder andere Spur aufnehmen will!? Der Clou ist, dass die gerade mal 500 Gramm schwere Box einem die ProTools-Welt eröffnet. Meinem Testgerät lag Version 7.1 bei, die sich nach Registrierung auf 7.3 updaten ließ. Doppelklick und los.

Klang
Wie mag ein System wohl klingen, das einerseits unendlich billiger ist als High-End-Audio-Interfaces und andererseits auch noch etablierte Software mitliefert? Der MBox 2 Mini kann man guten Gewissens einen kraftvollen und ausgewogenen Sound attestieren, wobei mich die Ergebnisse der Testaufnahmen mehr überzeugt haben als der Playback-Mode. Hierbei klang die MBox 2 Mini ein bisschen schlaffer als andere Karten, mit denen ich sonst arbeite … was noch nicht viel heißen will. Merken sollte man sich, dass man als tatsächlicher Einsteiger so oder so einen Kniefall machen wird, während Pros die Ausgangssignale problemlos einordnen und handlen können. Die Vorverstärker haben mich im Gegenzug im Preis/Leistungs-Verhältnis voll überzeugt. Alles Reingeschickte kam gut und rund im ProTools, aber auch in Logic an.

Fazit
ProTools ist schon lange kein Schnittprogramm mehr. Es ist eine umfangreich nutzbare DAW, was Digidesign mit neuen Entwicklungen wie dem in Kürze zur Verfügung stehenden Sampler “Structure” immer wieder unter Beweis stellt. Mit der MBox Mini 2 rundet das Unternehmen die Produktpalette plausibel und überzeugend nach unten ab.

Digidesign

Preis: ca. 300 Euro

Systemvoraussetzungen:
Mac: OS X 10.4. (Intel & PPC)
PC: Windows XP

INTERVIEW

Ingo Gebhardt ist Marketing Director für Zentraleuropa

Die Mbox Mini 2 ist das neue Einsteiger-Modell für ProTools. Warum wurde die Mbox-Reihe nochmals nach unten hin abgerundet?

Wir haben viele Anfragen von Usern bekommen, die sich ein noch kompakteres Modell der Mbox 2 gewünscht haben. Gerade Produzenten, die komplett nativ arbeiten, oder Musiker, die vor allem Vocals oder eine Gitarre aufnehmen wollen, können auch auf MIDI-Anschlüsse verzichten. Und bekommen stattdessen ein unschlagbar günstiges Pro Tools System.

Durch diverse Kooperationen in den letzten Jahren wurde klar, dass das Consumer-Segment immer wichtiger wird für Digidesign. Bricht der High-End-Markt langsam weg?

Nein, ganz im Gegenteil. Der High-End-Markt ist bei uns stärker denn je. Mit den LE-Systemen können aber auch Musiker mit kleinerem Budget im Prinzip mit einem ähnlichen System, der ProTools-Software und all den PlugIns arbeiten, die die HD-Systeme so legendär machen. Gerade im HipHop, aber auch im Elektronik-Bereich wird ProTools dabei immer beliebter. Und mit den LE-Systemen können wir auch diesen Zielgruppen professionelle Studio-Tools zum erschwinglichen Preis zu Verfügung stellen.

Wo werden bei einem solchen preiswerten Produkt Kompromisse gemacht? Welche Komponenten dürfen nie verwässert werden und wie wird das mit dem projizierten Einsatzgebiet solch eines portablen Produkts in Einklang gebracht?

Der große Unterschied zwischen den LE-Systemen und den großen HD-Systemen liegt vor allem in der Art der Berechnung von Audiospuren, Mixer und PlugIns. Diese werden bei HD auf speziellen DSP-Karten berechnet, während das bei LE-Systemen die Host-CPU erledigt. Hier kommen spezielle teure DSP-Karten sowie mit den HD-Interfaces Audiowandler der absoluten High-End-Klasse zum Einsatz. Speziell bei der Mbox 2 Mini kommt der günstige Preis durch die Reduzierung der Hardware-Elemente zustande. Wandler, ProTools-Software sowie das mitgelieferte Ignition Pack sind aber mit der normalen Mbox2 völlig identisch. Kompromisse müssen User, die auf MIDI-Anschlüsse verzichten können, also überhaupt keine machen. Und wer mehr Ein- und Ausgänge, MIDI oder die Einbindung in ein digitales Studio-Set benötigt, findet mit der Mbox 2 und der Mbox 2 Pro passende andere Mitglieder der Mbox-2-Familie.

Die Mbox 2 Mini kostet in der Kombination von Hardware und Software nur noch so viel wie ein Softsynth. Warum hält Digidesign an der Kopplung von Hard- und Software fest?

Die Mbox 2 Mini lässt sich ja mit CoreAudio- bzw. ASIO-Treibern auch mit jeder anderen Audio-Applikation betreiben. Digidesign-Systeme sind aber immer ein besonders gut auf die ProTools-Software eingespieltes Team aus Hard- und Software. Die Software liegt ja auch immer kostenlos dabei. Einfach mal ausprobieren: Tausende von Producern und Mixern weltweit können so falsch ja gar nicht liegen …

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