Die Rückkehr der Tischhupe im Preview inklusive Vergleich mit dem Original

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Was für eine Überraschung! Korg bringt den Synthesizer-Klassiker von 1978 neu heraus: etwas kleiner, aber genau so fett. Macht dieses Beispiel Schule?

von Peter Kirn aus De:Bug 170

Fotos: Peter Kirn und Benjamin Weiss (Vergleich)

Korgs MS-20 ist ein Klassiker unter den Synthesizern – ausgepackt und direkt dieser dicke, satte Sound! Die Architektur war geradeheraus: zwei Oszillatoren, zwei Filter, eine fünfstufige Hüllkurve, Modulation, Weißes und Rosa Rauschen. Die zugängliche Patchbay erlaubte aber auch komplexe eigene Klänge mit zusätzlichen Hüllkurven, Sample & Hold und Modulation: Schon mit ein paar Patch-Kabeln konnte man ziemlich überraschende Sounds kreieren.

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Dazu konnten externe Instrumente angeschlossen werden, deren Tonhöhe der Synthesizer folgte: Gitarren, Stimmen oder beliebige andere Audiosignal eröffneten in Kombination mit dem MS-20 einzigartige klangliche Experimente. All das verpackt in einem konkurrenzlos kompakten und günstigen Gehäuse, machte den MS-20 zu einem Hit. Nicht nur 1978, sondern auch in den Jahren danach.

Und nun diese Überraschung: Alle Attribute des MS-20 lassen sich auf 2013 übertragen, auf den MS-20 mini. Normalerweise bedeuten so genannte “Neuauflagen” von Hardware-Klassikern immer auch Änderungen: Analoge Schaltkreise werden digital emuliert, das Original komplett neu designt. Im Falle von Korg ist das anders. Sowohl die originalen Schaltkreise als auch die Spezifikationen werden im mini exakt nachgebaut. Änderungen gibt es lediglich im VCA-Schaltkreis, um das Signal-Rausch-Verhältnis zu verbessern.

MS-20 mini und MS-20

MS-20 mini und MS-20

Verändert hat sich auch die Größe des Synths. Die großen Klinkenbuchsen wurden durch kleine ersetzt, das Keyboard ist jetzt ein wenig schmaler. Der MS-20 mini ist leichter und kleiner, wodurch er sich einfacher ins Setup integrieren und transportieren lässt. Korg hat außerdem MIDI verbaut, wenn auch nur rudimentär: über die Eingangsbuchse im DIN-Format oder über USB empfängt das Gerät Notenbefehle, verschickt sie allerdings nur über USB.

Wer den MS-20 kennt, fühlt sich beim mini sofort zu Hause. Der Sound: unverkennbar das Original, gekauft zu einem Bruchteil des durchschnittlichen eBay-Preises des großen Bruders, ohne die Gratismigräne, die ein mehr als dreißig Jahre alter Synth in Sachen Zuverlässigkeit auslösen kann. Putzig: Das Original-Handbuch von 1978 ist mit dabei, Patch-Beispiele inklusive. So bekommt man eine charmante Einführung ins Sounddesign mit dem MS-20, sowohl für Synthnerds als auch für Anfänger.

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Der MS-20 mini ist so originalgetreu, dass er auch die Voltspezifikation übernimmt. Eurorack-Fans könnten die Entscheidung für Hertz-pro-Oktave-Eingänge anstatt des aktuellen Standards Volt-pro-Oktave kritisieren, aber es gibt natürlich Möglichkeiten der Anpassung: Schon ein paar Tage nach der Ankündigung hat die Firma The Harvestman schon ein Modul nur für diesen Zweck in Aussicht gestellt. Außerdem wäre es natürlich seltsam von Korg gewesen, einen neuen MS-20 vorzustellen, der mit älterer Hardware wie dem SQ-10 Sequenzer nichts anfangen kann. Beim mini kann man allerdings ob besserer Kompatibilität mit der Jetztzeit erst einmal darauf verzichten.

Alles in allem verspricht der MS-20 mini mit seiner einzigartigen Kombination klassischer Sounds und umfassenden Eingriffsmöglichkeiten wieder ein Hit zu werden. Aktuell wird er für rund 600 Euro bei uns gelistet und soll im Sommer in den Handel kommen. Hoffentlich hat Korg auch genug Exemplare am Start – und legt bald andere Klassiker neu auf.

Korg

Preis: ca. 599 Euro

So lange das rare Preview-Exemplar des MS-20 mini noch in Berlin war, konnten wir einen kurzen Vergleich mit dem Original MS-20 machen, den ihr weiter unten auch hören könnt:

Noch mehr Infos und einen ausführlichen Test von Peter in Englisch gibt es bei Create Digital Music.

10 Responses

  1. john trauma

    das thema cv, also hz/okt ist nicht das einzige themabeim ms20, sondern auch der umgekehrte trigger.
    die erwähnung des sq-10 im zusammenhang mit der cv-steuerung des neuen minis ist absolut irrelevant!

  2. dirk s

    auf der korg website findet sich eine recht krumme Preisangabe:
    MS-20 mini
    Euro 713,-
    Unverbindliche Preisempfehlung
    was stimmt da denn nun? im heimatland Japan sollen es ja auch nur 41800YEN sein…

    ueberhaupt ist der Japan promo clip dank der senioren engineers noch einigermaßen unterhaltsam.
    http://youtu.be/LDg5nQKRxqs
    korg DE klingt nach Kleinwagen

  3. Benjamin Weiss

    @dirk s: Ja, da wird sich wahrscheinlich noch was ändern. Die ersten Online-Händler haben ihn mit 599 Euro gelistet, schätze mal, dass es darauf hinauslaufen wird!

    @john trauma: Hst recht was den Trigger betrifft, aber der SQ-10 ist definitiv nicht irrelevant 😉

    • john trauma

      @benjamin; im kontext zu dem was im text steht is das irrelevant! die erwähnten hz/okt haben sowas von kein bezug auf den genutzten sequenzer. das ist einfach egal ob volt/okt oder hz/okt…ist einfach so. da qäre die erwähnung des s-triggers schon relevanter!

  4. Benjamin Weiss

    @john: es soll ja leute geben die noten spielen (und mit dem sequenzer auch treffen) wollen, deswegen spielt das zumindest für die durchaus eine rolle 😉

  5. john trauma

    @benjamin; trotzdem irrelevant, da du die noten nicht gerastert eingibst! da muss das gehör hinhalten! ich weiss wovon ich rede, da ich ms20+50 sowie den sq10 besitze. es spielt bei der cv-ausgabe egal ist ob das gerät hz oder volt pro oktave verarbeitet!
    amen

  6. john trauma

    sorry…iphone rechtschreibfehler! 😉

  7. Benjamin Weiss

    @john: trotzdem wird es schwerer, den richtigen bereich zu treffen, gerade im tiefen oder hohen bereich, weil sich die werte dort sehr schnell ändern.

    • john trauma

      …naja…das ist so, trotzdem stehe ich zu meiner aussage! 😉
      piis