MFB-Filterbox – Fiepen, bis der Arzt kommt

Nach Synthesizern und Drumcomputern veröffentlicht MFB nun seinen neuesten Clou: eine analoge Filterbox mit Stepsequenzer.
von Ludwig Coenen

Ich muss zugeben, dass ich voreingenommen war, als ich die MFB-Filterbox das erste Mal zu Gesicht bekam. Mir erschloss es sich einfach nicht so recht, wofür ein analoger Filter für knapp 200 Euro gut sein sollte. Filter sind ja wohl Standard und nicht besonders aufregend, sie filtern eben nur Klänge, anstatt selber welche hervorzubringen. Für mich galten sie, von Acid mal abgesehen, daher immer als die Opfernaturen der Studiowelt, natürlich wichtig, natürlich nützlich, aber irgendwie passiv, beschränkt und devot. Trotzdem gelang es dem grünen Winzling von MFB meine ausgeprägte Schwäche für physisches Musikequipment auszubeuten und mich später eines Besseren zu belehren. “Ein Stepsequenzer!”, flüsterte es und bat den Diplom-Ingenieur Manfred Fricke schnell um ein Rezensionsexemplar seiner neuesten Erfindung.
Die MFB-Filterbox ist ein winziges schwarz-grünes Kästchen aus Vollplastik, kaum größer als ein Taschenbuch. Auf der grünen Frontplatte befinden sich dicht an dicht 18 Mini-Drehregler, die der Box einen ulkig spielzeugmäßigen Appeal geben. Was diesen analogen Filter nun von seiner eher zweckmäßigen Kollegenbrut abhebt und was ihn überhaupt erst interessant macht und sowieso alles vorhin über Filter gesagte niveliert, ist, dass er einen integrierten Stepsequenzer hat, mit dem sich die Cutoff-Einstellung Schritt für Schritt vornehmen lässt. Man synchronisiert die Filterbox also via Midi mit der Außenwelt oder gibt ihr intern ein Tempo vor, lässt den Finger dann über den Play-Knopf gleiten und ein fesches Digitaldisplay beginnt, die Schritte des Stepsequenzers hypnotisch heraufzuzählen, eins-zwei-drei-vier-fünf-sechs-sieben-acht. Alleine schon eine ganz nette Angelegenheit, aber was natürlich noch fehlt, ist ein Sound, und da bietet die MFB-Filterbox nun zwei Möglichkeiten. Die erste könnte man als den Fiep-Modus bezeichnen, dafür wird kein Eingangssignal benötigt, sondern einfach nur die Resonanz voll aufgedreht, woraufhin ein ziemlich penetrantes Pfeifen ertönt, welches der oder diejenige an den Reglern dann mit Hilfe der Einstellungen modulieren kann. Das Signal wird von den einzelnen Einstellungen der Schritte nicht nur zerhackt, sondern dazu auch in seiner Frequenz beeinflusst. Mit Hilfe der globalen Attack-, Decay- und Glide-Parameter können aus dem Fiepen der Resonanz auf diese Art und Weise clickerige Basslines und Acid-Bleeps herausdestilliert und gespielt werden. Die zweite (und wohl eher konventionelle) Möglichkeit, sich mit der MFB-Filterbox zu vergnügen, ist das Filtern eines Eingangssignales. Speist man die Box z.B. mit einem strukturlosen Flächenklang, zerhackt sie auch diesen und verformt das Audiomaterial mit wenigen Handgriffen in dubbige Rhytmus-Patterns, die über einen Space-Regler noch mit einem Stereo-Effekt versehen werden können. Diese kleine Filterbox ist ein Tool, mit dem man sich so richtig schön austoben kann. Dreh die Knöpfe, lass es pfeifen und kreischen, beschwöre den wahren Geist des Heavy Metal.

Die MFB-Filterbox kostet 195 Euro
http://www.mfberlin.de
Vertrieb: SchneidersBuero

One Response

  1. Meridian

    Check some Tracks where this little Fucker was used in this Filter kicks Ass.
    On Soundtimes
    Lux Voltura / Meridian / Murcia