Nach dem vielleicht besten Software-Sampler MachFive stößt Motu nun in den Markt der virtuellen Synthesizer vor. Dank ausgeklügelter Wavetable-Synthese wird man um das neue Schlachtschiff kaum herumkommen.
von Thaddeus Herrmann

Motu begann erst sehr spät, sich um Software-Instrumente zu kümmern. Mit hochwertigen Audio-Interfaces und dem Sequencer-Schlachtschiff “Digital Performer” hat sich die Firma einen Namen gemacht auf dem immer unübersichtlicher werdenden Audio-Markt. Der Sampler “MachFive” war dann die große Überraschung: Umfangreiche Features, große Stabilität und ein gelungenes User-Interface machten den Sampler zu einem der Software-Produkte des letzten Jahres. Und nun also Synthese. Für den MX4 haben sich die Entwickler von Motu auf die Wavetable-Synthese konzentriert, die außer den Standard-Wellenformen noch einen ganzen Haufen weiterer Wellenformen für die Klangformung anbietet. Auch das ist bei virtuellen Synths nichts Neues, der MX4 erschlägt einen jedoch geradezu mit detaillierten Abstufungen. Die einzelnen Wavetables kommen mit bis zu 256 verschiedenen Wellen, die man entweder geordnet (also in sachten Abstufungen) oder per Zufall auf der Suche nach dem gewünschten Klang durchfahren kann.

Basics
Fassen wir zunächst die Eckpunkte des MX4 zusammen. Drei Oszillatoren stehen zur Verfügung (mit rosa und weißem Rauschen), wovon die ersten beiden synchronisiert werden können. Sind die beiden erst verschaltet, kann der dritte Oszillator mit FM noch zusätzlichen Dampf erzeugen. Weiterhin steht eine Ringmodulation zur Verfügung, die wiederum mit dem Signal der ersten beiden Oszillatoren versorgt wird. Dann kommen zwei Multimode-Filter (Hoch- und Tief-, Bandpass und Notch, die beide resonanzfähig sind und über eine eigene Distortion verfügen). Die FM-Modulation des dritten Oszillators kann individuell in beide Filter eingebunden werden und als Steuerungselement verwendet werden. Sechs LFOs und vier Hüllkurven regeln die generelle Modulation des MX4. Als interne Effekte stehen lediglich Chorus und Delay zur Verfügung, deren Implementierung auch eher rudimentär ist. Nach drei Chorus-Stufen ist bereits Schluss.

Advanced
Herzstück der Klangformung ist die umfangreiche Modulationsmatrix. 16 “Wege” stehen hier zur Verfügung, um die internen Modulationskabel wirkungsvoll zu verlegen. Hier muss man sich umgewöhnen, denn das Modulationsziel wird nicht etwa in der Matrix, sondern direkt am entsprechenden Element des Synths eingestellt. Einmal verstanden, geht aber auch diese Arbeit schnell und zügig. User des MX4 werden sich eh an den ständigen Gebrauch der Alt- und Wahltaste gewöhnen müssen: Viele Slider entfalten erst mit diesen Tasten ihre volle Funktionalität. Der Grund für die ungewöhnliche Bedienung der Modulationsmatrix ist ganz einfach: Auf diese Weise hat Motu den 1:1-Bezug von Quelle und Ziel geschickt umgangen und ein Modulationsweg kann gleich mehrere Ziele haben. Mehr als clever.

Killer?
Der MX4 ist für all diejenigen interessant, die gerne mit Wavetables experimentieren und umfangreiche Modulationsmöglichkeiten lieben. Dann kann man auch den ordentlichen Preis von 350 Euro als Forschungsbudget verbuchen. Die Bedienung hat man sich auf jeden Fall schnell angeeignet, der Sound ist durchweg klasse und überraschende Eregbnisse nur um die Ecke. Unter dem Host Logic Pro 7 lief der MX 4 problemlos, auch wenn die AU von Logic als komplett inkompatibel eingestuft wurde und in einem extra Ordner abgelegt wurde. Hmmm. Da Motu aber immer für Mac entwickelt hat, suchen wir den Schuldigen lieber in Cupertino und den wieder mal veränderten AU-Implementationen von Apple. Ein Update seitens Motu lag aber bis zum Redaktionsschluss dennoch noch nicht vor. Wenn Motu weiterhin so bedacht und überzeugend Software-Instrumente entwickelt, können Musiker nur dankbar sein.

Preis: 350 Euro

System: OS X mit AU-, RTAS- oder MAS-Host, USB-Port für iLok-Dongle
Motu