Die neue Version von Motus Softwaresampler

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von Thaddeus Herrmann aus De:Bug 118

Jahrelang war Motus “MachFive” ein allgemein verehrter Geheimtipp in Sachen Software-Sampler. Die neue Version drückt das Tool hoffentlich in eine größere Öffentlichkeit.

Als ich MachFive zum ersten Mal ausprobierte, lief mein Studio noch auf OS 9. Ja, so lange ist das her. Und schon damals mochte ich das Programm, schon damals fühlte ich mich zu Hause bei Motu. Ich war immer extrem zickig, wenn es um Sampler ging. Zu Hardware-Zeiten konnte man mich mit einem Akai-S-Modell jagen, mit einem Roland einigermaßen versöhnen, aber erst bei Emu blühte ich auf. Wahrscheinlich, weil die immer eher wie Synthesizer aufgebaut waren und nicht nur auf Wandler, sondern vor allem auf die Bearbeitungsmöglichkeiten Wert gelegt haben und mit ihrem GUI einen Workflow garantierten, den kein anderes Gerät auch nur ansatzweise leisten konnte. Auch Software-seitig konnte mich kaum ein Sampler überzeugen, von NI’s Drum-Lösung Battery mal abgesehen. MachFive war in seiner ersten Version schon ein Gewinner, weil es irgendwie da weitermachte, wo Emu aufgehört hatte, und in seiner Komplexität extrem transparent war.

Sampler2.0
Die neue Version glänzt zunächst mit neuen Kompatibilitäten. Neben der Leopard- und Vista-Fähigkeit kann man Daten problemlos von Windows auf den Mac portieren und umgekehrt. Auf allen Plattformen gilt: 24Bit/192kHz, unbegrenzte Polyphonie und Multitimbralität, einfaches Disk-Streaming, bis zu 256 Midi-Kanäle, insgesamt 47 interne Effekte, bis zu 200 diskrete Outputs. MachFive importiert die Sounds anderer Motu-Produkte (Symphonic und Ethnic Instrument) genauso spielend, wie es Formate anderer Hersteller unterstützt: Gigasampler, EXS, SampleCell, NI Kontakt, Apple Loops sowieso und auch Rex-Files. Auch alte Sampler können im MachFive weiterleben: Kurzweill, Ensoniq, Roland, Akai MPC.. Das läuft rund und überzeugend.
Eine der Hauptneuerungen ist das “Loop Lab”. Das erkennt bereits geslicte Loops im Rex- und Acid-Format und bietet für eigene Beats den gleichen “Service”. Auch die Tempo-Bestimmung funktioniert hier bestens. Export als Audio oder Midi für den Sequenzer geht bestens per Drag & Drop vonstatten. Klar, Loops werden immer wichtiger und die Verzahnung von reinen Sampling-Aufgaben, Loops und deren Bearbeitung wird über Erfolg oder Pleite von Produkten entscheiden. Motu muss sich hier keine Sorgen machen. Aber auch bei ganz grundlegenden Dingen haben die Entwickler mitgedacht. Keygroup- und Sample-Editoren lassen sich nun auf Fullscreen aufblasen. Bonus!
Auch der Mixer wurde deutlich überholt. Das Handling der Effekte wurde komplett überarbeitet und die Feinjustierung läuft komfortabel über das Hauptfenster. Neu dabei sind die Multi-Effekte, bei denen man bis zu vier Effekte kombinieren und editieren und das Ergebnis dann als Presets abspeichern kann.

MachFive 2 wird ausgeliefert mit einer 32GB-Library. Gutes Piano, sehr feine Orchester-Sounds und die übliche Mischung, die mit Samplern gebundelt werden: Orgeln, Drums, Streicher, Bass usw. Die klingen durch die Bank gut und machen die Software in Verbindung mit den neuen Synthese-Tools nun tatsächlich zu der perfekten Emulation der guten alten Emu-Hardware. Die Performance auf unseren G5-DP war hervorragend, Macken ließen sich so gut wie keine feststellen, die Integration in Logic war rund und auch im Standalone-Betrieb (auch neu!) funktioniert das Programm bestens. Ich kann mir keinen besseren Software-Sampler vorstellen. Mit einem Listenpreis von 495 Euro ist MachFive 2 allerdings auch nicht ganz billig. Belohnt wird man mit einer durchdachten Rundumlösung.

Preis:
Vollversion: 495 Euro, Update: 195 Euro.

System:
Mac OS X 10.3.9 oder höher, G4 (1Ghz), 1GB RAM
Windows XP oder Vista, P4 (1Ghz), 1GB RAM

Freier USB-Port für iLok-Kopierschutz

Motu

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