Kurzer Rückblick über drei Tage Basteln und Konferieren

Die Berlin Music Days sind vorbei und damit auch die DE:BUG Musiktechniktage im Kater Holzig. Wir haben euch zum dritten Mal auf die Höhe der Zeit gebracht und die letzten Schreie aus der Welt der Musiktechnik präsentiert. Über 10 verschiedene Workshops zum Anfassen und Mitmachen: neueste Musiktechnik von analog bis digital, interaktive Diskussionen über die Ökonomie des Underground und Vorträge zu Themen rund um die Berliner Clubkultur standen auf dem Plan, darunter zahlreiche Aufklärungstalks rund um die GEMA Tarifreform, die die BerMuDa überschattete. Nichtsdestotrotz haben uns die Musikverrückten und Technikbesessenen nicht im Stich gelassen.

Zum Auftakt am Donnerstag waren Mixvibes mit dem CrossDJ, Feeltune mit dem Rhizome sowie Serato zu Gast. Baptiste Grange präsentierte Serato Video, die integrierte VJ Software für ScratchLive und ITCH, die neben der gängigen Vinyl-Emulation umfassenden VJ-Support liefert. Die nativen Videosamples zuckten wundervoll futuristisch im Techno-Takt. Gefühlt wurden sämtliche Möglichkeiten, die das Programm eröffnet, ausgelotet und die passende Hardware auf Herz und Nieren getestet.


Feeltune präsentierte den Midi-Controller Rhizome

Am Freitag präsentierte Native Instruments die Neuauflage des Klassikers Traktor, die neue Maschine, und was man in welcher Kombination mit ihnen anstellen kann. Der Workshop brachte Programmierbasics und Beatmaking mit der NI Maschine MK2 und der NI Maschine Mikro MK2 näher. Die Ausführungen wurden mit knackigen Live-Beats untermalt, die eben mal aus dem Handgelenk geschüttelt werden. Es gab viele bunte Knöpfchen zu sehen – gierig wurde sie bewundert, die neue Maschine. Wir wissen jetzt auf jeden Fall, wie wir unsere Handgelenke durch Controllerism vor Sehnenscheidenentzündung schützen.


Native Instruments Maschine MK2

Liine und Alexkid präsentierten die iOS-Portierung von Lemur für das IPad als ultimativen Ableton-Controller von übermorgen. Im Heinz stellten die Jungs von touchAble ihre Version des Ableton-Controllers, diesmal aber für das Iphone vor und präsentierten außerdem ein Update für die Ipad-Version. Ob live oder im Studio, ob Lemur oder touchAble – alle zehn Multitouchwerkzeuge kamen auf ihre Kosten.

KOMAs Analogequipment bildete den Kontrast und hinterließ eine Spur aus heruntergeklappten Kinnladen. Der Kommander in Kombination mit den analogen CV/Gates und Filtern zeigte der Digitalität in Sachen Klangqualität und -intensität unter abartigem Bassgedröhne den Mittelfinger. Die Workshopteilnehmer wurden sofort vom satten Sound der Analogie infiziert – es wurde viel gefragt, interagiert, herumgespielt und -experimentiert. Keiner der Vortragenden konnte den Raum ohne Löcher im Bauch verlassen.

Stefan Betke präsentiert das analoge KOMA-Sounduniversum


Prototyp von KOMAs SVF-201 Analogue State Variable Filter Modul

Der Samstag startete mit einem Roundtable der Exberliner. Philip Sherburne, Wyndham Wallace und Théo Lessour haben den Kater-Besuchern erklärt, warum Amerikaner immer noch Angst vor Techno haben und inwiefern man Berlin in ihren Produktionen hört. Auch Kultur- und Clubförderung wurde am Beispiel des Katers und Holzmarktes diskutiert.


Liegenschaftspolitik in Berlin

Die Musiktechniker hatten sich zu dieser Zeit bereits im Oberstübchen eingefunden, um dort bei Leaf Audio mit Lötkolben bewaffnet die Trigger-Bassdrum zusammen zu basteln. Nachdem Lötbasics erklärt und Einzelteile verteilt waren, wurden die Teilnehmern im Laufe des Nachmittags bis hinein in den Abend mit einem satten Bums belohnt, der dann in Brotboxfrom materialisiert mit nach Hause genommen werden konnte.


Peter Kirn erklärt Pd und Processing

Gleichzeitig erzählte Peter Kirn in der Galerie davon, wie einfach es ist sich mit den Open Source Tools Pd und Processing eigene audiovisuelle Tools für das Tablet oder den Rechner zu bauen.


Der Lötworkshop, präsentiert von Leaf Audio

Die Trigger Bassdrum von Leaf Audio

Ebenfalls geduldig und ausdauernd waren die Teilnehmer und Referenten der Propellerheads Producer Conference. Ob produzieren im ICE, oder wie man die diversen Rack-Extensions organisiert, wurde während der gut besuchten Reason 6.5 Meisterklasse geklärt, außerdem gab es Mixtips von Gary Bromham und Tips in Sachen Dubstep-Produktion von Max R. aka Dorincourt.

Propellerheads The Producer Conference

Nach Zuhören mit ordentlichem Hands-On Approach konnte sich wie jeden Abend beim Inedit Musikfilmfestival zu den Resident Advisor Real Scene Dokumentationen über Detroit, Berlin und Bristol bei einem Glühwein für das Fly Bermuda aufgewärmt werden.