Software-Synth-Update: Klarer Brüller

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Schon beim Hingucken spürt man mehr Saft und Kraft. Die Überarbeitung ihres klassischen Software-Synths FM7 ist Native Instruments rundum gut gelungen.

von Thaddeus Herrmann aus De:Bug 109

FM7. Wann war das eigentlich? Irgendwie verbuche ich diese erste Version der klassischen DX7-Emulation in der absoluten Frühphase der Native-Instruments-Geschichte. Neben dem Pro-52, der Prophet-5-Emulation, war der FM7 der erste klassische Synth, den NI auf den Markt brachte und den Usern bewies, dass in Berlin mehr erdacht wurde als hochkomplexe Reaktoren und ausgefuchste Delays. Es war der Einstieg in den Consumer-Markt. Der FM7 tat lange Jahre seinen Dienst in meinem Studio. Dann kam OS X und ich vergaß ihn. Das alles ist lange her und NI ist vom Software-Markt für Musiker nicht mehr wegzudenken. Im Schwung neuer Produkte fand sich dann vor ein paar Wochen der FM8 – die komplett überarbeitete, ausgebaute, neue Version des FM-Synths.

Und der war im Original immer eine Pest. So umfangreich die Möglichkeiten mit dem Original-DX7 auch waren … ihn zu programmieren war wie Magister, Doktor und Habil in einem. Auf der Software-Ebene des FM7 war dies schon viel besser zu lösen. Immer noch komplex, erschlossen sich die Ebenen doch deutlich besser. Grafik eben. Der Klangforschung, die einst an der Stanford-Universität entwickelt wurde, stand kaum noch etwas im Weg.

Neuigkeiten
Zunächst wurde das Erscheinungsbild des FM8 komplett neu gestaltet. Es erinnert eigentlich gar nicht mehr an das japanische Original aus den 80ern. Alles erstrahlt im hellen Weiß und wäre die Audio-Engine nicht wirklich komplett überarbeitet worden – wie bei all den neuen Produkten – würde man allein schon wegen der freundlichen Farbe einfach mehr Saft und Kraft spüren. Kore-kompatibel ist FM sowieso und auch der NI-typische Sound-Browser ist somit Teil des Synths. Und auch sonst wurde dem FM8 einfach alles spendiert, was man heute von einem Softsynth erwartet. Die Effektsektion ist randvoll gepackt: Overdrive, EQs, Phaser, Flanger, Tremolo und Delays lassen einen Sounds formen und verfremden, wie man will. Selbstverständlich finden sich auch die Original-Effekte des FM7 noch in der neuen Version. Ebenso wie alle Presets von damals.

Der FM8 kommt mit rund 900 Sounds, die sich aus der gesamten FM7-Bibliothek zusammensetzen, und 200 neuen Sounds. Außerdem neu an Bord ist ein umfangreicher Arpeggiator, der in seiner Mischung aus Stepsequenzer und Arpeggiator mit bis zu 32 Steps reichlich Möglichkeiten bietet. Für meinen Geschmack wurden bei den Presets sowohl der Arpeggiator als auch die Effekte zwar etwas überstrapaziert … daran ist man bei aktuellen Synths aber ja leider gewöhnt. Die nächste große Neuerung findet sich auf der “Easy Edit Page”. Hier kann man nicht nur auf die “normalen” und einfach nachvollziehbaren Parameter zurückgreifen – auch der FM7 unterschied schon zwischen normalem und dem Experten-Modus -, vielmehr ist hier die Abteilung “Morph” dazugekommen. Morphen kann man nicht zwischen Presets oder Wellenformen, wie etwa beim Prophet V, sondern Sounds mit verschiedenen Parameter-Sets befeuern. Die Random-Funktion kann einen dabei aus kleinteiliger Programmiererei befreien, indem sie den Sound per Knopfdruck in völlig neue Richtungen drückt.

Kaufen?
FM als Synthese-Art muss man mögen. Egal ob in Hard- oder Software gegossen … der klare und eher digitale Klang hat Freunde und notorische Verweigerer. Für mich ist der FM8 eine feine Ergänzung im Studio und für viele Projekte universell einsetzbar. Die Performance auf dem G5/2x2GHz unter Logic 7.2 ließ nichts zu wünschen übrig, was man vom anderen Neuling bei NI, dem Massive, überhaupt nicht sagen konnte. Feine Sache.

System: Mac OS X 10.4, G4 1,4 GHz oder Intel-Mac, 512 MB Ram (VST, AU, RTAS, Standalone)
Windows: XP, Pentium oder Athlon 1,4 GHz, 512 MB Ram (VST, RTAS, DXi)

Native Instruments
Preis: 199 € (Vollversiion), 99 € (Update vom FM7)