Vor einigen Jahren kam Steinberg mit einer neuen Variante von Cubase, die unter dem Namen Nuendo sowohl ProTools Konkurrenz machen sollte, als auch mehr Gewicht auf den Post Production Bereich legte. Da die Basis für Cubase und Nuendo programmiertechnisch identisch ist, sind eine Menge der neuen Features auch in Cubase verfügbar. Die wichtigsten davon im folgenden.
von Benjamin Weiss

Mit Cubase gemeinsame Neuerungen

Externe Instrumente
Nach den in Version 3.0 eingeführten externen Effekten gibts nun eine Funktion für externe Instrumente. Dabei werden angeschlossene Synths oder sonstige Midiklangerzeuger wie VST-Instrumente behandelt: man kann sie im Mixer mit VST – Inserts belegen und sogar freezen. Wie schon bei den externen Instrumenten brauchts dafür aber mindestens einen physikalischen Audioeingang und -ausgang, was bei mehreren Einzelausgängen natürlich schnell mal die ganze Soundkarte belegt. Wenn man aber genug Ein- und Ausgänge hat ist das ein ziemlich praktisches Feature, zumal auch der automatische Latenzausgleich gut funktioniert. Die Integration von Yamahas Studio Connections ist auch einen Schritt weiter: kompatible Synths und / oder Digitalmixer können direkt in Cubase in editiert werden, wobei die entsprechenden Einstellungen mit dem Projekt gespeichert werden und per Total Recall verfügbar sind.
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Äußerlichkeiten & Detailverbesserungen
Mehr als zuvor lassen sich Nuendo / Cubase in der neuen Version auch optisch dem persönlichen Geschmack anpassen: so kann man die Farben der Levelmeter selbst bestimmen und Helligkeit, Kontrast und Sättigung der gesamten Oberfläche bestimmen, außerdem gibts eine automatische Trackeinfärbeoption. Tracks können jetzt mit einem Befehl dupliziert werden, wobei auch sämtliche Inserts, Automationen und Fadereinstellungen mitkopiert werden. Ein selektierter Track kann per Voreinstellung automatisch vergrößert werden, was das schnelle Editeren vereinfacht. Midi Tracks können nun auch gefreezt werden, wobei alle Parameteränderungen, seien sie durch Edits oder MIDI Effekte zustande gekommen, mit einbezogen werden. Mit der Track Archive Funktion kann man nun Tracks archivieren um sie auch in anderen Projekten mit den gleichen Einstellungen bequem verwenden zu können.

Was kann Nuendo mehr als Cubase?

Allgemein
Schon in den Details ist Nuendo oft ein wenig ausgefuchster:
Batch Processing ist bei Cubase Usern ein lange gehegter Wunsch, mit Nuendo aber problemlos möglich. Aus der Process History können Batches erzeugt werden, die sich dann auch als Preset abspeichern lassen. Auch der Crossfade Editor ist ein wenig umfangreicher und erlaubt genauere Eingriffe. Die Menüs können so eingestellt werden, dass man nur das sieht, was man auch sehen will und braucht, ganze Kurzbefehlbelegungen können mit einer Taste gewechselt werden.

Filmformate & Surround
Nuendo ist vor allem für Post Production im Profibereich gedacht. Das wird schon bei den Editierfunktionen deutlich, die das genaue Syncen von Events zum Bildmaterial erlauben, aber auch durch die wesentlich umfangreichere Unterstützung von Surroundformaten  (6.0 / 6.1 / 7.0 / 7.1 / 8.0 / 8.1 / 10.2 ). Auch das Umwandeln von einem ins andere Surroundformat wird mit dem MixConvert PlugIn sehr erleichtert, ebenso wie das schnelle Umschalten von Surround auf Stereo. Die Verbindung mit der Post Production Aussenwelt ist über Machine Control und Sony 9 Pin Masterfunktion gewährleistet, auch die Unterstützung anderer Highend Digitalworkstations wie SADie, Fairlight und Co. Neu in 3.1 hinzugekommen ist die Audio Pull Up / Down Funktion, die beim Wandeln von NTSC zu PAL hilfreich ist sowie die Unterstützung von HDTV.

Netzwerk
Ein großes Plus sind die Netzwerkfeatures von Nuendo: über eine LAN Verbindung kann man gemeinsam am gleichen Projekt arbeiten, wobei den unterschiedlichen Rechnern auch unterschiedliche Zugriffsrechte gegeben werden können, die man auch als Presets abspeichern kann. Dazu gibts noch eine Chatfunktion, eine Übersicht über alle gesharten Projekte und bei Bedarf kann man einen Track, den man gerade bearbeitet auch locken. Das alles funktioniert erstaunlich gut und ermöglicht erstmals ein gleichzeitiges Zusammenarbeiten an einem Projekt.

Ausblick
Inzwischen hat Steinberg Nuendo 3.2 für Ende diesen Jahres angekündigt und auch bereits auf der AES vorgestellt. Neu wird dabei ein frei konfigurierbares Control Room Routing sein, das es erlaubt, separate Mischungen für Kopfhörer, Control Room und bis zu vier weitere Studios zu erstellen. Darüber hinaus wird es eine integrierte Talkbackfunktion geben, sowie vier verschiedene frei definierbare Monitorsetups. Es deutet also alles darauf hin, dass Steinberg alle bis jetzt noch ausschließlich bei Hardware zu findenden Features integrieren will; ob es einige davon auch in Cubase schaffen, bleibt abzuwarten.

Fazit
Nuendo 3.1 hat eine gewaltige Menge von neuen Features, die größtenteils auch sehr praktisch und so bei anderen DAWs nicht unbedingt zu finden sind. Der doch recht heftige Preisunterschied zwischen Cubase und Nuendo (immerhin 1200 Euro) schränkt die Zielgruppe auf große Post Production Studios ein, Nuendo bietet für den Preis aber trotzdem mehr als die Konkurrenz ProTools, die auch noch auf dezidierte Hardware angeweisen ist. Da die Stabilität (sowohl bei Cubase, als auch bei Nuendo 3.1) im Vergleich zur Vorversion 3.02 leider gelitten hat, hinterläßt das Update mit einer Liste von sage und schreibe 74 Issues & Solutions doch einen zwiespältigen Eindruck, allerdings wurde ein baldiges Bugfix Update noch im Oktober in Aussicht gestellt. Nuendo 3.1 überzeugt vor allem mit seinen Netzwerkfeatures, der umfangreichen Unterstützung von Surroundformaten und der vollständigen Integration von professionellen Post Production Features, erfordert aber einen tiefen Griff ins Portemonnaie.

Systemanforderungen:
PC: Pentium / Athlon 1.6 GHz, 512 MB RAM, Windows XP
Mac: G4 Dual 1 GHz, 512 MB RAM, OS X 10.3
Preis: 1999,- Euro
Info:
http://www.steinberg.de

Update
Inzwischen ist das besagte Bugfix Update auf Version 3.1.1 erschienen, das vor allem die mit diversen Videoformaten aufgetretenen Bugs behebt.

Download & Version History hier:
Nuendo 3.1.1