Neue Groovebox von Roland : Konkurrenz für die kleinen MPCs?

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von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 118

16 Sample-Pads, ein D-Beam Controller für die internen Synths, den Filter und zum Triggern von Samples sowie eine umfangreiche Effektsektion und der Roland-typische V-Link: Der SP 555 könnte locker einer der kleineren MPCs Konkurrenz machen …

Der Grund für diesen Test war eigentlich die Suche nach einem Gerät, das in der Lage ist, Audio von CF-Karten zu streamen, dabei aber nicht als Harddiskrecorder daherkommt und vielleicht noch den einen oder anderen Drehknopf und ein paar Effekte hat. Eigentlich keine so spezielle Funktion im Jahre 2007, sollte man denken, aber weit gefehlt: In der Preisklasse bis 500 Euro steht der SP-555 von Roland, der große Bruder des SP 404, allein auf weiter Flur.

Sampling
Zum Sampeln gibt es beim SP 555 eine umfangreiche Ausstattung: Neben einem Line-Eingang (Cinch) steht außerdem das integrierte Mikro sowie eine kombinierte Neutrikbuchse mit Instrumenten- und Mikrofoneingang mit Phantomspeisung zur Verfügung. Zum Schneiden von Samples sollte man diese auf den Rechner übertragen, denn: Der SP 555 hat keinen Monitor. Mit dem mitgelieferten Waveconverter (Mac- und PC-kompatibel) geht der Transfer aber ziemlich flott. Der interne Speicher ist mit 30 MB nicht besonders üppig ausgestattet, was allerdings relativ egal ist, denn der SP 555 unterstützt als erster Performancesampler das Streamen von CF-Karten (mit einer Größe von bis zu 2 Gigabyte = 772 Minuten mono), so dass die Samples gar nicht erst in den Arbeitspeicher geladen werden müssen. Einzige Beschränkung: Auf der Karte können maximal 128 Samples abgelegt werden, dann ist Schluss. Die Streamfunktion lässt sich auch über USB nutzen, so dass man zum Beispiel Audio vom Computer in den SP 555 schicken und dort mit den Effekten bearbeiten kann.
Loop Capture ist ein Feature, was man sonst vor allem von dezidierten Loopern wie zum Beispiel dem Jam Man kennt. Als Quellen kann man die Pads und externes Audio der Eingänge nutzen, die Länge des Loops kann wahlweise ein, zwei oder vier Takte betragen oder auch ohne Taktraster sein. Maximal sind jedoch 15 Sekunden Aufnahmezeit vorhanden. Zum Layern kann man dem Loop im Overdub laufend Neues hinzufügen, das Ergebnis von Loop Capture lässt sich dann auf eins der Pads legen, wozu man allerdings leider den Sequenzer stoppen muss.

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Effekte
Mit insgesamt 37 Effekten ist der SP 555 üppig ausgestattet. Sie werden über die drei Drehregler editiert und lassen sich wahlweise pro Pad oder auch für alle Pads gleichzeitig definieren. Die Auswahl ist gelungen und bietet aus jedem Bereich etwas, auch die Parameterverteilung auf die drei Regler macht Sinn.

Sequenzer
Der Sequenzer ist relativ einfach gestrickt und erlaubt die Aufnahme von Patterns mit den auf den Pads abgelegten Samples. Hat man sich vertan, kann man das entsprechende Sample wieder löschen. Für Note-Repeat-Effekte gibt es die Rolltaste, die das gleichzeitig gedrückte Pad entsprechend der gewählten Quantisierung (die sich auch währenddessen ändern lässt) triggert.
Die Patterns können maximal 99 Takte lang sein, was für mich ziemlich unverständlich ist.

Fazit
Der SP 555 hat einige Alleinstellungsmerkmale wie etwa das Streamen von CF-Karte, die große Anzahl von Effekten, Loop Capture und die gute Computeranbindung, allerdings auch einige Einschränkungen wie die Beschränkung der Patterns auf 99 Takte, die Notwendigkeit, den Sequenzer zu stoppen nach dem Loop Capturing, und die Beschränkung des Loops auf maximal 15 Sekunden. Wen diese Einschränkungen nicht stören, der bekommt mit dem SP 555 auf jeden Fall ein Tool, das ziemlich Spaß machen kann.

Roland

Preis:
UVP: 549 Euro, Strassenpreis ca. 489,- Euro

[ratings]

6 Responses

  1. Da Johnny

    Roland hat einfach kein fähigen Maschinendesigner…die Kiste sieht einfach
    übel aus! Es gibt irgendwie einfach keine Konkurrenz zu den MPCs …und mit dem JJOS(2)geht in nächster Zeit sicher noch einiges.

  2. Nicholas Vegas

    Sieht halt aus wie’ne leicht übergewichtige SP-404 , die zum mitnehmen ja eher geignet ist. Ok, die 555 ist halt vollgepackt mit allem was Ritter Roland so halt da so irgendwie halbwegs aktuell zu bieten hat ( dafür gibts von mir Punkte ) und ist wohl eher für den Haus gebrauch gedacht, aber Da Johnny hat recht, die 555 ist , im vergleich zum 404 leider etwas hässlich geraten. Erinnert mich an Japanisches Autodesign aus den 70ern.

  3. dr-w

    ich schaetz wir werden unser glueck mit der sp555 versuchen!

    die mpc500 ist unmoeglich zu bedienen…

  4. Da Johnny

    …stimmt, aber dafür haben die neuen 1000er endlich ein neues Pad-Upgrade
    spendiert bekommen…und das ohne großen Aufpreis!
    Die Vollpforsten von Akai, haben sich da ja doch lange vor gedrückt und damit sicher ein paar langjährige Mpc-User vergrault….

  5. blatter

    hab mir vor einem jahr eine gekauft. man merkt recht schnell, daß das gerät nicht durchdacht designed wurde, sondern nur für den amateurmarkt hergestellt wird. hat zwar einen synth an board, der sich aber nur über den d-beamer spielen läßt, was kompletter schwachsinn ist. es läßt sich nur ein effekt gleichzeitig nutzen. das gerät hat nur zwölffache polyphonie, womit man bei ein paar drums mehr schnell an die grenzen gerät. positiv ist die einfache padbelegung mit der software und daß man das gerät als audio-und midiinterface nutzen kann. im großen und ganzen ein spielzeug mit den ganzen blinklichtern und unausgereifter technik . lieber ein bißchen sparen und eine mpc kaufen!

  6. Müllhaus

    Hab meine SP seit August 2008 und muss sagen dass sie zum reinen Produzieren als
    Hardware Sampler nicht an ne Akai Rankommt.
    Benutze Sie beim Mixern als Effektgerät durch send / return mit gespeicherten Effekt Parametern.
    Als Midi Controller top, wg. Anschlagsdynamik und so,
    außerdem kann man sich die Signalwege anpassen bzw. umlenken
    was interessant wird mit Reason.

    Außerdem ist die USB/midi einbindung super, wenn man die SP mit Software Reason z.B. ansteuert oder noch V-Sync nutzt. Dadurch vervielfachen sich die Steuermöglichkeiten.
    Wenn man den Faderstart vom Mixer an Pedalsteuerung der SP koppelt,
    kann man viele nette Funktionen bequem einbinden.
    Effekte kann man 2 übernanderlegen wenn man mit gespeicherten Effekten
    usw. arbeitet und einen Effekt auf den D-Beam oder Faderstart legt.

    Habe die SP beim Mixen oder Produzieren praktisch immer irgendwie eingebunden.
    Finde die SP hat leider gewisse Schwächen als reiner Hardware Sampler,
    gleicht das aber durch ihre super vielseitigkeit aus für einen rel. günstigen Preis.

    LG