Der Steinway als PlugIn – nicht viel weniger nimmt Steinberg mit seinem neuen VST PlugIn The Grand für sich in Anspruch. Eine der letzten Bastionen der realen Instrumentenwelt, der große Konzertflügel, soll nun endlich auch im Rechner sein digitales Equivalent gefunden haben.
von Benjamin Weiss

Übersicht und Oberfläche
Zunächst müssen bei der Installation erstmal knapp 2 Gigabyte an Sampledaten auf den Rechner geschaufelt werden, alles im Dienste des möglichst naturgetreuen Sounds. The Grand spielt sie dann, in einer Mischung aus Streaming von der Platte und Spielen aus dem Arbeitsspeicher (ähnlich wie bei Halion) ab.Dazu benötigt man eine schnelle Festplatte und möglichst viel RAM.
Die Standardoberfläche ist ein Abbild eines Konzertflügels mit spielbarem Keyboard und ebensolchen Pedalen.
Die klangformenden Parameter verstecken sich im Edit Fenster mit den Sektionen Keyboard Settings, Sound und Global. In den Keyboard Settings lassen sich sechs verschiedene Preset Velocity Curves einstellen, darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eine Velocity Curve selbst zu gestalten, wofür drei Anfasser bereitstehen. Dazu kann die Gewichtung in drei Stufen definiert werden, sowie die Volume Sensitivity in Prozent geregelt werden. Die Sektion Sound bietet vier verschiedene Einstellungen von natürlich bis hart an, darunter gibts einen Ambience Drehregler sowie eine Checkbox mit Namen Anechoic Chamber und den Master Volume. In den globalen Settings lassen sich die Anzahl der Stimmen einstellen sowie verschiedene “echte” Verhaltensweisen anwählen, als da sind: True Sustain Release, True String Release und True Hammer Release.

Performance, Bedienung und Sound
Die Performance verlangt viel vom Hostrechner: in der Minimaleinstellung ohne weitere Audiospuren oder PlugIns brauchte mein G4 / 733er satte 45-50 % bei neun Stimmen. Mehr als fünf Sekunden Preload trotz 768 MB RAM waren eigenartigerweise auch nicht drin, was die Festplatte ordentlich zum Rattern bringt.
Da scheinen die Steinbergs die Streaming Engine von Halion benutzt zu haben, was nicht nur auf Beifall stoßen dürfte. Die Bedienung ist dafür gelungen, was angesichts einer handvoll Parameter ja auch nicht so kompliziert ist. Ob sie allerdings, wie in der Werbung großspurig suggeriert, auch per Midi Keyboard das gleiche Spielgefühl wie ein Konzertflügel vermittelt, wage ich trotz Klavierspielunfähigkeit schwerstens zu bezweifeln. Der Klang ist allerdings meiner Meinung nach über jeden Zweifel erhaben und klingt besser als alle Klaviersamples, die ich je gehört habe, mit einem großen Konzertflügel a la Steinway würde ich ihn aber auch nicht vergleichen wollen.

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info:
http://www.steinberg.de
Preis: 249 €