Neue Interfaces: Der Sequenzer von Hans Kuder geht neue Wege. Mit Video.

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von Leon Krenz

Spätestens seit dem Reactable schlägt das Herz bei vielen für neue Interfaces. Die konventionelle Art und Weise Synthies und Drummachines zu steuern soll erweitert werden. Der US-amerikanische Informatiker und Musiker Hans Kuder bietet seine ganz eigene Interpretation zum Download an: Tiction, ein kostenloser Midisequenzer.

Allein durch Sehen, Hören und ein paar Mausklicks Musik produzieren – das ist Tiction. Weil er sich von den Möglichkeiten traditioneller Sequenzer eingeschränkt fühlte, programmierte Hans Kuder sich kurzerhand seinen eigenen: Mit Tiction kann Musik spielerischer produziert werden, sagt der Erfinder: “Ich wollte etwas benutzen, das sich in der Praxis vor allem organisch bedienen lässt.”

Organisch bedienen, das bedeutet: Die Funktionen von Tasten und Drehregler übernehmen hier glühend weiße Knotenpunkte, sogannte Nodes. Die Bedienung ist simpel: Die Nodes werden auf der schwarzen Programmoberfläche verteilt und miteinander verbunden. Der Sequenzer startet durch das Drücken der Leertaste und einzelne Knoten können mit der Maus und einem Klick auf Enter angetriggert werden. Wenn die Punkte anfangen zu tanzen, werden Midisignale erzeugt, die dann mit jedem beliebigen MIDI-fähigem Instrument abgegriffen werden.

“Musiker und Komponisten beharren oft zu sehr auf dem was sie kennen und gewöhnt sind,” findet Kuder. “Neue Werkzeuge für die Musikproduktion können ihnen helfen, Ideen zu entdecken, die sie sonst verpasst hätten.”

Die Position eines Knotenpunkts auf der Oberfläche bestimmt Pitch und Velocity der gesendeten Midinote. Masse und das Bewegungsverhalten eines Punktes können dann über das Edit-Menü geändert werden, dadurch bewegen sich die Nodes stärker und rythmischer, wie ein Rudel tanzender Glühwürmchen. Gleichzeitig beinflussen sie sich in ihrer Bewegung zueinander, sie ziehen sich an und stoßen sich ab.
Je nachdem wie weit zwei Punkte von einander entfernt sind, dauert es länger oder kürzer, bis sie sich das nächste Mal anspielen.

Es ist empfehlenswert anfangs das Startmenü mit der “H-Taste” aufzurufen, um einen kurzen Überblick über die Shortcuts von Tiction zu bekommen.
Seit Version 0.3.0 läuft Tiction flüssig ohne Abstürze, was auch einen Live-Einsatz möglich macht. Das war in den Vorgängerversionen noch anders. Außerdem neu: Eigene Kreationen können jetzt gespeichert werden, zum späteren Weiterbasteln.

Ursprünglich sollte Tiction über einen Touchscreen bedient werden, einzelne Punkte sollten direkt mit den Fingern bewegt werden können. Durch die Unterstützung des OSC-Protokolls in der neuesten Version von Tiction nähert sich Kuder wieder dieser Idee. Das bedeutet jetzt schon: Die einzelnen Knotenpunkte können nun vom iPhone aus getriggert und bewegt werden – zumindest theoretisch. In der Praxis aber ist es für User, die sich nicht mit dem OSC-Protokoll auskennen, nicht ganz einfach eine Verbindung herzustellen.

Hans Kuder führt es in einem seiner Videos vor. Grundsätzlich soll dies mit Programmen wie TouchOSC, Mrmr, OSCemote oder Max/MSP funktionieren.
Wer es probieren will: Kuder selbst empfiehlt das Program OSCulator, um die Verbindung zwischen beispielsweise TouchOSC auf dem iPhone und Tiction aufzubauen.

Alles in allem ein tolles Programm, mit dem sich sehr leicht ungewöhnliche Klänge erzeugen lassen, vor allem bei sehr hohen BPM. Natürlich ist Tiction kein Ersatz für die herkömlichen DAWs, aber sicher eine Erweiterung. Und das MIDI-Keyboard einfach mal zur Seite zu legen um den springenden Punkten zu lauschen, sorgt für Abwechslung. In der nächsten Version von Tiction soll es außerdem “midisync” und einen Vollbildmodus geben.
Und: Wenn Tiction irgendwann auf einem geeigneten Touchscreen läuft, meint Kuder, ist bei Liveauftritten sicher: “You`ll look so damn cool while you`re doing it.” Und das ist schließlich auch nicht ganz unwichtig

Tiction wird auf Hans Kruders Homepage zum kostenlosen Download angeboten. Hier finden sich auch noch einige Tipps zur Installation.

Produktvideo 1: früher Prototyp

tiction – early prototype 2 from Hans Kuder on Vimeo.

Produktvideo 2: Steuerung über TouchOSC

Controlling Tiction v0.3.0 with OSC from Hans Kuder on Vimeo.

Tiction

5 Responses

  1. John

    Okay, und hat irgendwer das Teil schon bspw. mit HALion benutzt und kann mir freundlicherweise sagen, wie ich das zum Laufen kriegen könnte? 🙂

  2. demian

    also ich habs mit impOSCar ausprobiert, hab der anleitung auf der tictionseite gefolgt, (für mac) und es lief nach ca 2minuten