Musik auf der Nintendo DS ist aus den Kinderschuhen raus. Der Homebrew-Szene sei Dank, die fleissig für immer neue Musiktools sorgt. Ein Überblick

Musik auf der Nintendo DS ist aus den Kinderschuhen raus. Der Homebrew-Szene sei Dank, die fleissig für immer neue Musiktools sorgt. Ein Überblick.

von Benjamin Weiss aka Nerk aus De:Bug 125

Das Nintendo DS wurde bisher vor allem, wie sich das so für eine Spielkonsole gehört, zum Spielen benutzt. Die Erkenntnis, dass sich das Interface mit dem Touchscreen und den im haptischen Kollektivgedächtnis gut verankerten Buttons (mein erstes Nintendo Game & Watch Donkey Kong von 1983 sah dem DS verblüffend ähnlich) auch durchaus zum Musikmachen eignet, ist nicht zuletzt der blühenden Homebrew-Szene zu verdanken und hat sich inzwischen sogar bei “ernsthaften” Musikalienherstellern wie Korg rumgesprochen (Test von Korgs DS-10 auf der nächsten Seite). Zuvor waren Musikprogramme auf dem DS eher Spiele, auch Toshio Iwais “Elektro Plankton” ist eher eine ambiente Fingerübung, bei der sich allerdings schon ein paar Ideen zeigen, die er später im Tenori-On verwirklicht hat.

Homebrew HowTo
Ein Grund für die florierende Homebrew-Szene dürfte die relativ gute Verfügbarkeit so genannter Flashcards sein, die es nicht nur erlauben, raubkopierte Spiele, Filme und MP3s platzsparend auf SD-Karten unterzubringen, sondern auch ohne großen Aufwand Homebrew zu nutzen.
Nintendo geht zwar mehr und mehr gerichtlich gegen die Hersteller vor, aber noch gibt es die Karten (R4DS, SuperCard, M3 und einige mehr) relativ einfach in diversen Webshops.

DAW und Sampling auf der DS
Komplette Produktionstools gibt es nur wenige, das umfangreichste ist wohl der NitroTracker, der auf dem FastTracker II beruht bzw. ähnliche Features hat. Mit ihm kann man über das integrierte Mikro sampeln, Samples im Wav-Format nutzen, editieren, loopen und Sample-Instrumente erstellen, die auch mehrere Samples pro Note haben können. Ein sehr einfacher Sampler ist das DS Sampling Keyboard, mit repeaterDS gibt es einen lustigen Stottersampler, bei dem man die Abspielrichtung und Tonhöhe über das Touchpad ändern kann, wobei sich die Änderungen als Gesten aufzeichnen und wieder abspielen lassen.

Midi
Auch Midi ist, dank Homebrew, fast kein Problem mit dem DS. Das DSMI-Format wird von den meisten Programmen unterstützt und dient der Midi-Kommunikation mit dem Rechner (über WiFi) oder auch direkt mit externen Geräten (mit der DSerial2, leider momentan ausverkauft). Das funktioniert erstaunlich zuverlässig und problemlos.

Steuern
Wenn man erst mal Midi hat, bietet es sich natürlich an, über den Touchscreen externe Geräte zu steuern. Dafür gibt es zum Beispiel KaosDS (der Name sagt es schon: Über den Touchscreen lassen sich, wie beim Kaoss Pad, zwei Midicontroller steuern) oder den etwas umfangreicheren Midi Jammer, mit dem sich über das Touchpad Noten in verschiedenen Skalen erzeugen lassen. Eher klassisch ist das DS Midi Keyboard, das zwei Oktaven, ein Pitchwheel und eine einfache Steuerung von Midi-Controllern per Stylus bietet.
Wie für das iPhone gibt es aber auch schon erste Versuche, Fernsteuerungen für DAWs zu realisieren. DSMCU ist ein Mix-Controller für Reaper, der aber auch mit Samplitude V8 SE funktioniert und, wenn er mal fertig ist, wohl auch andere DAWs steuern kann, da er das Mackie-Control-Unit-Protokoll nutzt, das fast alle DAWs auf irgendeine Art unterstützen.

Sequenzer und Drumcomputer
Die meisten Sequenzer für das DS lehnen sich mehr oder weniger an Vorbilder aus der Hardwarewelt an: So gibt es mit Monome DS einen inoffiziellen Monome-Klon, DStep übernimmt die Ästhetik des Kaoss Pad 3, dSTAR ist ein XOX-Sequenzer mit Midi-Controller-Automation und Bliptracker ist ein Drumcomputer im XOX-Stil. glitchDS dagegen folgt einem zuweilen sehr eigenen Ansatz: Er beruht auf einem Stepsequenzer, der nach einem Durchlauf mutiert und sechs verschiedene Samples triggern und frequenzmodulieren kann, was auch schön aussieht: Verschiedenfarbige Pixel huschen über den ansonsten schwarzen Screen.

Synthesizer
Nanoloop, der umfangreiche Synthesizer mit integriertem Sequenzer, war ja schon auf dem Gameboy ein Klassiker und weil das Nintendo DS sowieso alle Gameboyspiele unterstützt, lässt er sich natürlich auch benutzen. SoundCells ist dagegen eher einfach, klingt nach Gameboy und hat ein relativ ungewohntes, gitarrenähnliches Interface und kann bis zu drei Spuren aufnehmen.

DJ Tools
ProteinDS könnte eine Projektstudie zu besseren DJ-Programmen mit Touchscreen sein: Mit ihm lassen sich Samples direkt über die vorbeilaufende Wellenform scratchen, zurückdrehen, anschubsen und auch aufnehmen, es gibt einen Crossfader, einen Bitcrusher, einen Retrigger-Effekt und Midi gibt er auch aus. Außerdem ist ProteinDS eines der wenigen Stücke Homebrew, das auch die DS-Bewegungssensoren MotionPak & MotionCard zum Steuern nutzen kann.

Mit Korgs DS-10 ist das Nintendo DS endgültig als kleines, aber feines Musiktool etabliert und der Run auf portable Musiktools auf iPhone, PSP und Co dürfte der sowieso schon prosperierenden Homebrewszene nochmal ordentlich Rückenwind verschaffen. Wer also schon ein Nintendo DS hat, dem sei empfohlen, sich alsbald eine von den Flashkarten (so lange es sie noch gibt) zu besorgen und loszulegen!

Links:

Nintendo DS Homebrew Wiki

DSMCU, Bliptracker

glitchDS, repeaterDS

ProteinDS

NitroTracker, DS Sampling Keyboard

DSMI Software, DS Midi Keyboard, KaosDS, PulseDS

SoundCells, Ukulele DS

dSTAR

Dserial2 Interface, momentan leider ausverkauft

One Response

  1. fmq

    Der Herr mit dem glitchDS hat übrigens wieder was neues kreiert:”cellDS” auch ein genialer Sequencer und sehr einfach zu bedienen.Etwas gradliniger als glitch-unbedingt saugen 😉