Wir machen generell die Dinge, die uns selbst als Musiker auch interessieren.

Was zum Anfassen – Ohm Force

Seit fünf Jahren wird in Paris an Effekt – PlugIns programmiert. Jetzt wagt sich die Firma an Instrumente und bringt einen Synthesizer heraus.
Ein Interview mit Entwickler Jérôme Noël.

Ohm Force gibt es seit 2000, als Software-Instrumente und -Effekte schon sehr verbreitet waren und eine Menge Firmen mit Produkten um die User warben. Was hat euch damals bewogen, dennoch eine Firma zu gründen?

Es fehlten einfach immer noch fundamentale Dinge in der PlugIn-Welt. Es gab kaum Software, die wirklich auf Musiker zugeschnitten war. Alles drehte sich nur um Produktions-Tools. Wir wollten PlugIns kreativer machen und speziell für den Live-Einsatz. Nimm zum Beispiel das Predatohm mit der Multiband Kompression und Expansion. Für einen Tontechniker ist das etwas ganz Normales, ein Musiker braucht aber eine intuitivere Herangehensweise. Deshalb kannst du das Effekt-Verhalten mit zwei Parametern manipulieren. Der “Character” geht von “phat” (Kompression) zu “sharp” (Expansion). Der andere Parameter regelt die Intensität. Effizient für den Tontechniker, intuitiv für den Musiker. Jeder Poti sollte einen deutlich hörbaren Effekt haben, selbst wenn der Musiker gar nicht weiß, was er da tut. Außerdem legen wir sehr viel Wert auf das User Interface und haben viel Arbeit investiert, die virtuellen Fader und Potis so realistisch wie möglich im Handling zu machen. All unsere Potis haben eine programmierte Trägheit, die es sehr angenehm macht, sie mit der Maus zu bedienen.
Ein ganz anderer Aspekt war die Kommunikation unserer Produkte. Generell ist es so, dass Software-Firmen fürchterlich ernst und überheblich ihre Produkte ankündigen, Versprechungen machen, die sie nicht einhalten können … Wir versuchen, realistischer an die Sache ranzugehen und den Kunden humorvoll gegenüberzutreten.

Ohmboyz, Hemathom und Predatohm sind ungewöhnliche PlugIns, wenn man sie mit den Produkten von großen Firmen vergleicht. Sie scheinen für eine recht spezialisierte Gruppe von Musikern zu sein, die das Besondere suchen: etwas Dreckiges, Raues und Ungewöhnliches. Warum diese Effekte und nicht das 25. State-Of-The-Art-Reverb?

Um einen guten Hall zu programmieren, braucht man gute Ohren, einen sehr guten Raum und Glück. Gute Ohren haben wir, mit dem Raum sieht es aber schlecht aus. Wer weiß, vielleicht veröffentlichen wir bald ein Reverb. Dann wird es aber etwas ganz Besonderes. Bei unseren bisherigen PlugIns haben wir ja traditionelle Elemente mit eingebaut: Kompression im Ohmboy, Distortion im Predatohm, Phaser im Mobilohm, Filter im Quad Fromage. Diese Elemente kann man auch so verwenden. Nur kann man eben auch noch andere Dinge mit den PlugIns machen. Beim Hematohm ist es anders. Das ist ein Frequenz-Shifter … das gab es vorher noch nicht. Wir machen generell die Dinge, die uns selbst als Musiker auch interessieren.

Jetzt macht ihr aber auch Instrumente …

Ja, weil es ein sehr interessantes Feld ist. GMedia hatte uns kontaktiert, weil ihnen die PlugIns gefallen haben. Sie gaben bei uns die Emulation des ARP Odyssey in Auftrag, den Oddity. Es war eine Herausforderung. Natürlich haben wir einige Features unserer PlugIns eingebaut wie das Morphen zwischen Presets oder unsere “Flying Faders”. Mit dem “Sympthohm” haben wir jetzt unseren ersten “eigenen” Synth am Start, der deutlich kreativer ist …

Ohmforce ist eine kleine Firma. Wie hält man der Konkurrenz durch die Big Player stand?

Wir sind klein und unabhängig, aber wir wachsen und wachsen und wachsen. Unsere Produkte sind mittlerweile eine Konkurrenz für die Hardware-Branche. Vor allem haben wir das unserem Chef zu verdanken, Laurent de Soras. Er macht schon lange Software, hat schon Trackers für den Atari geschrieben. Er ist ein begnadeter DSP-Programmierer. Die Mischung aus gutem Code und frischen Ideen macht’s. Im Gegensatz zu größeren Firmen haben wir keine Investoren. Das heißt, wir müssen nicht wachsen und die Firma muss keinen Profit erwirtschaften. Das nimmt eine Menge Druck. Ich glaube auch, dass dieses traditionelle Geschäftsmodell nicht unbedingt auf eine Firma anzuwenden ist, die PlugIns verkauft. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir mit unseren Usern in engem Kontakt stehen.

Wenn du dir den Software-Markt anschaust … was fehlt uns?

Naja, einige Produkte langweilen mich sehr, andere wiederum nicht. Ich vertraue keinen neuen Plugs, die mit riesigem Aufwand vermarktet werden. Als Produkt-Designer habe ich natürlich auch kein Interesse daran, mir Software anzuschauen, die es bereits gibt. Neue Plugs sollten immer etwas Neues bringen.

http://www.ohmforce.com

2 Responses

  1. efjott

    “Jetzt wagt sich die Firma aufs Hardware-Ufer”? weiss die de:bug eigentlich, was sie so zusammenschreibt?