Aus Drumcomputern muss Erdbeben-mäßig was rauswummern. Nirgends wummerts so Erdbeben-mäßig raus wie bei der neuen X-Base von Jomox.

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Die X-Base 999, Nachfolger der 09, ist größer, ein bisschen schwerer und hat mit neun Instrumenten und einer integrierten Filtersektion deutlich mehr an Bord als ihre kleinere Schwester.
von Benjamin Weiss aka Nerk

Übersicht
Die X-Base 999 kommt mit 16 Steptasten für die Lauflichtprogrammierung, die alle mit LEDs ausgestattet sind. 16 Endlosdrehregler mit Klickmöglichkeit (zum Muten) dienen der Einstellung sämtlicher Klangparameter, ansonsten gibt es noch eine mehrzeilige LED-Anzeige, diverse Buttons zur Navigation und Umschaltung der Modi sowie die Auswahltasten für die neun Instrumente und den Filter. Ein Midi-Trio ist auch vorhanden, der Din/Sync-Ausgang der alten X-Base allerdings nicht. Alle Drehregler können auch Midicontroller senden, was zur Fernsteuerung externer Geräte ganz praktisch ist.

Instrumente
Die große X-Base kommt mit insgesamt neun Instrumenten, von denen jedes einen Einzelausgang besitzt, dazu kommt noch ein Stereo-Masterausgang. Davon sind Bass Drum, Snare Drum, Low Tom und Hi Tom analog aufgebaut, Hihat, Clap, Rim, Crash und Ride beruhen auf 8-Bit-Samples mit einer analogen Hüllkurve. Die Sample-basierten Instrumente sind über ein Softwaretool (war zum Test noch nicht fertig) ähnlich wie bei der Machinedrum UW per Midi austauschbar. Pro Sample-basiertem Instrument stehen bis zu 32 Samples zur Verfügung, die vorwärts oder rückwärts abgespielt werden können. Zusätzlich gibt es noch zwei Filter, die über den Masterausgang rausgehen und je nach Bedarf den Instrumenten (auch einzeln) sowie dem externen Stereo-Eingang zugeordnet werden können. Alle Instrumente können bei Bedarf auf externe Velocitywerte reagieren, sind im Panorama platzierbar und bieten natürlich individuelle Lautstärke und die Möglichkeit, den Sound zu initialisieren.

Analoge Instrumente

Bassdrum
Die Bassdrum hat im Vergleich zur “alten” X-Base parametermäßig Verstärkung bekommen: neben Tune, Pitch Attack, Decay, Harmonics, Pulse, Noise, EQ sind jetzt noch Gate und Compress hinzugekommen. Gate steuert die Trigger-Breite, so dass man die Bassdrum stufenlos von sehr kurz, klickerig hin zu bauchig lang stellen kann. Compress tut, was es sagt, und komprimiert die Bassdrum auf recht heftige Weise. Die Bassdrum kann im Unterschied zu den anderen Instrumenten in einem tonalen Modus gespielt werden, so dass es leicht ist, mal eben eine Bassline draus zu machen.

Snare
Die Snare bietet die Parameter Tune, Snappy (Rauschanteil), Decay, Detune und Noisetune.

Toms
Die Toms kommen mit Tune und Decay.

Samplebasierte Instrumente

HiHat
Die HiHat ist das komplexeste der samplebasierten Instrumente. Als Soundquelle kann man zwischen drei verschiedenen Möglichkeiten wählen: Nor (das Sample wird direkt in den VCA geschickt), Fil (das Sample wird zunächst in den Filter der HiHat-Sektion geschickt und geht erst danach in den VCA) oder Noi (hier wird das Sample durch weißes Rauschen ersetzt und dann durch den Filter in den VCA geschickt). Wie in klassischen Drumcomputern à la 909 und 808 besteht die Sektion aus Closed HiHat und Open HiHat, die sich gegenseitig muten. Der Tune-Parameter wirkt ebenso wie die Abspielrichtung auf beide HiHats, was auch für die Parameter des Filters gilt: Highpass und LowPass Cutoff, sowie die Resonanz.
Separat für beide HiHats einstellbar sind Attack, Decay, Peak Time (wie lange sie klingen soll, bevor die Decayphase einsetzt) und Sample Select.

Clap, Rim, Crash und Ride
Der Aufbau dieser Instrumente ist identisch. Sie alle bieten Attack, Decay, Tune, Peak Time, Sample Select und Reverse Play.

Filter
Hier stehen Cutoff, Resonanz und Q als Parameter zur Verfügung. Insgesamt stehen zwei Filter (einer für rechts, der andere für links) bereit, deren Parameter unabhängig voneinander eingestellt werden können. Auch die Filtertypen (Low Pass, High Pass, Band Pass, Notch) lassen sich entsprechend auswählen. Die zwei Filter können wahlweise seriell, parallel, in Stereo oder als Feedback Loop durchlaufen werden. Der Filter besitzt auch einen Sequenzer, der den Zugriff auf Cutoff, Resonanz, Q und Lautstärke pro Step erlaubt. Der Filter lässt sich sowohl einzelnen Spuren als auch dem externen Eingang zuweisen.

Sequenzer
Insgesamt bietet der Sequenzer Speicherplatz für 64 Patterns. Diese können eine frei definierbare Länge von bis zu 256 Steps haben, allerdings wird pro 16 Steps ein Patternspeicherplatz verbraucht. Ansonsten findet sich hier alles, was man so braucht: diverse Scales (16tel, 32tel, 8tel Triolen, 16tel Triolen), die Möglichkeit, den einzelnen Spuren und sogar den einzelnen Steps unterschiedliche Shufflewerte zuzuweisen. Wie schon bei der “alten” X-Base bieten sich grundsätzlich zwei Modi zur Pattern-Erstellung: Pattern Realtime Write (hier kann man Parameteränderungen ins Pattern aufnehmen) oder das normale Pattern Write, bei dem keine Parameteränderungen aufgezeichnet werden, aber verschiedene Kits auswählbar sind. Noch nicht implementiert waren in meiner Vorserien-X-Base die Miditracks, die das Steuern externer Midigeräte über die Steps erlauben, auch der Song Modus (wer braucht den eigentlich bei einem Drumcomputer?) war noch nicht vorhanden.

LFOs
Die X-Base 999 besitzt zwei LFOs mit je vier Wellenformen: aufsteigender und abfallender Sägezahn, Rechteck und Sinus, die sich jeweils per Rate und Intensity steuern lassen. Die LFOs können entweder frei laufen oder mit jedem neu getriggerten Sound synchron starten. Als Ziele stehen die Tunes aller Instrumente bereit, außerdem noch der HiHat Filter Cutoff und die Filter Cutoffs der beiden Masterfilter. Berühmt geworden ist schon die “alte” X-Base mit ihren charakteristischen LFO-Modulationen, die einfache HiHat-Muster in schillerndes Gezischel und Bassdrums in modulierende Bassgewitter verwandeln; das alles kann auch die X-Base 999, wobei ich mir vielleicht noch das eine oder andere zusätzliche Modulationsziel gewünscht hätte.

Bedienung
Anders als bei der “kleinen” X-Base hat die neue X-Base 999 nicht mehr für jedes Instrument ein Reglerset, sondern eines für alle, das aus 16 Reglern und ihnen zugeordneten LEDs besteht, die je nach Status ihre Farbe wechseln. Je nachdem welches Instrument gerade ausgewählt wurde, haben sie daher auch verschiedene Funktionen. Was zunächst nach einem Nachteil klingt, ist in der Praxis durchaus logisch, außerdem wäre die Oberfläche bei der Menge an Parametern mit dezidierten Reglern dann doch eher einen Meter breit. Auch der Sequenzer ist wie von der X-Base 09 gewohnt schnell und intuitiv zu editieren. An die Bedienung der Mutes über die klickbaren Drehregler muss man sich erstmal ein bisschen gewöhnen. Unverständlich dagegen ist der Master-Volume-Regler, der als Endlosregler ausgeführt ist, was den Live-Einsatz (mal eben schnell Raus- oder Reindrehen der Summe) doch etwas erschwert. Man kann sich natürlich auch mit dem Kopfhörerausgang behelfen, der dann wegfällt.

Sound
Die Bassdrum ist mit den neuen Parametern nochmal um einiges ausdrucksstärker geworden, womit der Pokal der fettesten Bassdrum (mal abgesehen von der 808) auf jeden Fall bei Jomox bleibt. Überzeugt hat mich auch die Filtersektion, die besonders mit der Feedbackschaltung weitere Dimensionen der Klanggestaltung eröffnet.

Sound: *****
Preis/Leistung: ****
Info: Jomox
Preis: 1499,- Euro

5 Responses

  1. wieso

    der typ auf dem cover sieht aus wie der archetyp der (idiotischen,) typisch berlinerischen mischung aus härte und infantilität

  2. pac

    Die vermutliche Schwachstelle (wie bei der 09) werden die käsigen Steptaster sein vermute ich, da sollten die einfach mal was mechanisch solideres einbauen. Ansonsten feines Gerät !

  3. hanni

    schön, sehr schön aber ehrlich gesagt zu teuer. Dann doch lieber ne machinedrum…

  4. nerk

    hey pacou, nö, die taster sind andere und deutlich besser! daran solls nicht scheitern 🙂

  5. aber

    Der Preis der Preis der Preis ist heiß