Wir schreiben das Jahr 1989, zumindest auf dieser Reissue-CD. Keine WM in Sicht, aber der kurz vor seiner größten Krise stehende englische Dance-Underground aus Sherwood, Tackhead, Stewart, Wimbish, McDonald und wie sie alle hießen setzt auf modene Ethnologie und Fußballgesänge. Damals haben noch die Arbeiter geprügelt. Da sah man einen Ansatzpunkt für Kritik an der Gesellschaft, die Forces waren auf der guten Seite, dachte man, und Margeret Thatcher spielte eine nicht zu vernachlässigende Größe in der Selbstdefinition eines jeden “Andersdenkenden”. Acid hat heimlich das Land erobert, und die Jimi Hendrix-Vorlieben der Gitarristen um On U Sound werden richtig Old School. Die Produktion muß für jede Rechtfertigung herhalten. Barmy Army versuchte die Hipness auf einen Punkt zu bringen, und der hieß: Nur mit einer großen Koalition aus Einwanderern (x-ter Generation), der Jugend und den Fußballern können wir etwas erreichen. Daraus wurde bekanntlich nichts, aus Fußballfans wurden schlagende Rechtsanwälte, Criminal Justice Bill kümmerte sich null um Horden von Schalträgern, sondern eher um repetitive Beats, und der Dancefloor war ein Feind der Gesellschaft in sich, auch ohne Goal, Überbau, Nation und Rezession. Die Musik wirkt heutzutage tatsächlich, wie die Linernotes unter Zuhilfenahme von McLuhan sagen, “anthropologisch”, und auch wenn Steve Redhead versucht dem Ganzen die Rolle des Guten im semiologischen (poststrukturalistischen, wie auch immer) Chaos zuzuschreiben (“presenting the unrepresentable”), was ja immer wieder mal einen Versuch Wert ist, mehr vielleicht jedoch eine Untersuchung, kommt man nicht drum herum zu denken: Ja, englische Fußballfans können gut singen, Wimbish und Bubbles spielen schön Bass, die Snares kicken verlockend (sampeln!), aber auch andere Zeiten hatten Phasen des Populismus, die nicht funktioniert haben.

bleed

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