Das Bersarin Quartett hat sich gefunden. Live zum Trio angewachsen, ist dies zunächst einmal das Projekt des DJs, Designers und Musikers Thomas Bücker. Der hatte uns ja schon als Jean-Michel so manch eine Freude gemacht. Während der Jarre-Pate eher die frickelbummsige Variante darstellt, könnte das Bersarin Quartett Bückers Unterbewusstsein sein. The Dark Side of the Moon, nur, dass der Mond hier schillernd leuchtet, zumindest ab und an. Liegt an der Sonne. Gegensätze, Paradoxien, Widersprüche sind Teil der Welt des Bersarin Quartetts, einfach mal die Titel beachten. Wobei sich Bücker gegen einen Kurzschluss wehrt: “Auch wenn sicherlich das individuelle Umfeld und die jeweilige Verfassung die größten Inspirationsquellen sind, geht es nicht primär um die persönlichen Gefühlswelten. Ich möchte hier gerne etwas konstruieren, anschieben, auslösen. Ich gebe einige bewusst ausgesuchte Elemente vor – nicht zusammenhangslos, nicht beliebig. Aber auch nicht eindeutig – aus einer möglichst neutralen Erzählperspektive, soweit dieses möglich ist. Die Geschichte(n), die Bilder, die Emotionen. Die Kohärenz kommt bestenfalls vom Rezipienten selbst.” Die instrumentalen, soundtrackartigen Stücke ziehen das Register der Langsamkeit und des Bekenntnisses, wie schon auf dem ersten Album, irgendwie ganz weit hinten mit einem kleinen Augenzwinkern und doch in der Wirkung absolut ergreifend, auch ohne osteuropäische Herkunft: “Ich würde sogar von einem Kampf sprechen, der hoffentlich die kitschige Leichtigkeit eliminiert zugunsten von Komplexität, mit der man sich anfreunden kann. Der Grat zwischen emotional aufgeladener Musik und Richard Clayderman mag sicherlich ein schmaler sein – aber es existiert letztendlich doch ein großer Unterschied in der Gesamtwirkung, oder etwa nicht?” Das tut er. Zumindest bei mir. Bücker neben Silbereisen? Jedenfalls nicht als Bersarin Quartett. Und um ein paar dem Protagonisten sicherlich sympathischere Referenzen einzubauen, stelle man sich vor, “Pop Ambient”, Bohren & Der Club of Gore und die Stars of the Lid würden sich gleichzeitig aufplustern (orchestral, beinahe kirchenmusikalisch/choralisch werden, wenn auch simuliert) und wieder einfalten (fließen, keine Seitenarme, schon totale Konzentration, niemals als Als-Ob). Sobald das ganze geloopt und auf Dauer gestellt wird, nennt man das dann wohl Atmung. Das Bersarin Quartett atmet. Tief durch. Ein und aus. Das Leben. Und wenn es die letzten Züge sind. Die Schluss-Sequenz des “Blade Runner”. Der Sturz des “Alien” ins All. Bevor es weiter geht. Irgendwo anders. Bei reflektiert pathetischer Musik darf ein wenig pathetische Reflexion sein: Diese Musik, nein, Stimmung, ist außerirdisch. Neulich, im Dunkeln, bei einem der episch-langen Songtracks im Konzert, da habe ich sie gesehen, die Träne, die herunter lief. Das ewige Auf und Ab, Hin und Her. Nichts wird besser. Wir müssen uns nur daran gewöhnen. Der Tunnel am Ende des Lichts, das Ende am Tunnel des Lichts. Das Bersarin Quartett verklanglicht diese Auseinandersetzungen: “Bei mir ist es ja offensichtlich: Ich mache Musik, interessiere mich für Kunst – das ist mein therapeutischer Ansatz. Die Frage ist doch, wie bewältigt die Gesellschaft ihr alltägliches Widerspruchsmanagement?”
http://www.denovali.com
cj

Leave a Reply

Your email address will not be published.