Bereits zehn Jahre ist es her, dass Ryoji Ikeda und Carsten Nicolai sich in dem gemeinsamen Projekt Cyclo zusammenfanden, um molekulare Soundforschung im Digitalen im Kontext der Visualisierung von Klang zu betreiben. Cyclo. ist Musik, die sich erst durch durch die Verbildlichung durch XY-Oszilloskopen vervollständigt. Es werden Klangspektren jenseits des 20Hz-20KHz-Spektrum erforscht und produziert. Sounds, die auf ID zwar faktisch existieren, aber durch das menschliche Ohr nicht wahrzunehmen sind. Das wirft natürlich wieder die existenzialistische Frage nach einer Entität von Musik auf. Die Diskrepanz von einer niemals holistisch wahrzunehmenden Phänomenologie und der Codierung durch das hörende Subjekt, auch gerade weil der Ausgangspunkt durch elektronische Codes schimmelpilzartig durchdrungen ist. Durch ein Elektronenmikroskop wird skalpellscharf analysiert und mutet in dieser Konzeptualisierung, dass zum Beispiel kein Mastering angewandt wurde, um die originären Wellenformen unverändert zu lassen, fast schon wieder anachronistisch an. Digitaler Anachronismus, was tendenziell paradox klingt, aber im Falle der Herangehensweise der Großmeister Nicolai und Ikeda natürlich nicht ohne die nötige Klasse auskommt, die man von ihnen auch nicht anders erwartet hätte. Denn im Kern stehen dann doch wieder diese einmaligen crispen Grooves, Rhythmen, die auch ohne jeglichen medientheoretischen Überbau eine einzigartige Faszination aufbauen.
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ji-hun

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