Man kann mit Computern Rockmusik machen, auch haben viele sich auf das effekthascherische Dünneis begeben, Computermusik mit Rockinstrumentarium zu spielen. Was beide Ansätze zu selten geschafft haben, ist im Ergebnis etwas Autarkes zu schaffen. Etwas, das ohne konzeptionelles Hinterwissen reine musikalische Wirkung erzielt. Wo Who made Who noch immer mehr oder weniger eine Coverband großer Clubhits sind und breitbeiniges Overstatement ihrer Eventgeneration zur Schau stellt oder The Whitest Boy Alive ohne klare Songstrukturen auch nicht vorstellbar sind, oder umgekehrt dOP und Noze Performanz vor die Abletonpattern ziehen, kommen nun Elektro Guzzi aus Wien. Die Ressentiments könnten größer nicht sein. Keine Overdubs, Patrick Pulsinger am Veredlungsfader, Programmatisch over Asskick … Was aber über einen kommt, ist schwer in Worte zu fassen. Ja, es ist Techno, und es ist puristischer Techno, gewissermaßen Techno in Reinform. Die Unverortbarkeit der Sounds wird hier dogmatisch an die Grenzen getrieben. In Tradition von John Cage werden hier Saiten präpariert, elektrische Spulen ihrer immanenten Kraft überlassen. Und nirgends werden auch nur einmal zu offensichtliche Zeichen bedient. Dabei wäre es doch so einfach als Liveband die Audienz zu entzücken, aber Elektro Guzzi gehen den konsequenten Weg und das auch mit Fug und Recht. Sie räumen mit Klischees auf, vor allem den Stereotypen, die sich im Laufe der Zeit in der elektronischen Musik etabliert haben. Es ist ein vor Spielfreude glänzender Spiegel, der der Ravenation vorgehalten wird. Zeit zur Rückbesinnung, Techno wird nicht durch seine Produktionsmedien bestimmt, es ist eine Haltung. Elektro Guzzi deklinieren dies kunstvoll, geschickt und mit deepem Grooveverständnis. Und ohne das Fass zu sehr aufreissen zu wollen, es ist ein ganz großer Entwurf, in keinster Weise retrospektiv oder anmassend, sondern substantiell und kongenial.

ji-hun

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