Man weiß einfach nicht so recht, was man zu diesem “Beautiful Rewind” sagen soll. Vielleicht, dass Kieran Hebden viel zu viele Ideen hat. Kein Wunder, wenn man gerade erst ein Album für Omar Souleyman und eine Kollabo mit Rocketnumbernine produziert, sowie eine Free-LP mit Staubfängern aus den Zip-Drives von 1997-2001 rausgehauen hat. Im Workflow wird postwendend Four-Tet-LP Nr.8 nachgelegt. Zum ersten Mal über den eigenen Betrieb Text Records wohlgemerkt und das gleich ohne Promo, wie Hebden im Voraus via Twitter verkündete: “no pre order, no youtube trailers, no itunes stream, no spotify, no amazon deal, no charts, no bit coin deal, no last minute rick rubin.” Da ist sich jemand seiner Arbeit wirklich sicher. Und eben diese Entschlossenheit vermisst man auf “Beautiful Rewind” zu oft. Leicht diffus wandert Four Tet zwischen diversen Ansätzen hin und her. Als hätte sich Captain Hebden mit seiner Zeitmaschine auf den Weg der umfassenden Reminiszenz begeben und wäre nun zwischen den Stühlen stecken geblieben. Einmal mal kurz am Frequenz-Regler gedreht, um sich quer durch die Historie von Englands Piraten-Radio zu streamen, hängt er nun irgendwo zwischen UK-Garage, Grime und House, sowie seiner alten Liebe Electronica fest.Dabei kommt durchaus die ein oder andere unangestrengte Aufarbeitung zustande. Wie der Opener etwa, das slow-fast-Gewitter “Gong”, in dem mit Four-Tet-typischer Staubigkeit Jungle erkundet wird – quasi das Äquivalent zu Burials Garage-Entwurf. Auch für “Kool FM” wurden Breakbeats ausgegraben und in ein 4/4-Gerüst gequetscht, auf dem schließlich eine unverkennbar britische, grimey Bassline einfach nur ganz laut “massive” schreien will. Sick. Dazwischen dann aber diese unschlüssigen Momente wie “Ba Teaches Yoga” oder “Unicorn”, in denen Hebden an seiner Leidenschaft für Elektronika-Arpeggios und -Flächen festhält und die man einfach nicht so recht in diesen Rahmen einordnen kann. Gefolgt von “Aerial”, bei dem man dann irgendwie gar nicht mehr weiß, wo es eigentlich hingehen soll. Mit Four Tet’scher Ethno-Polyrhythmik geht’s los, mit Ambient-Arpeggios und Garage-Vibes weiter, mit schizophren gecutteten Grime-Vocals und äquivalenter Bassline schließlich zu Ende. Alles in einem Track. Auf dass der Groove in Unentschlossenheit ersticke. Womöglich muss man “Beautiful Rewind” als fragile Sound-Skizze wahrnehmen. Als Four Tets assoziative Reise durch die ehemaligen britischen Piraten-Frequenzen und weniger als Sammlung alleinstehender Tracks, die in sich schlüssig wären. Der Gegenentwurf zu “Pink” also, der im vergangenen Jahr erschienenen Single-Anthologie. In dem Sinne wäre “Beautiful Rewind” der konsequente nächste Schritt im Schaffen des K. Hebden. Schade nur, dass “Pink” einfach wirklich so viel besser funktioniert hat.

wzl

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