Jason Grier gelingt auf “Unbekannte” ein eigentümliches Kunststück: blockhaften Arrangements studioexperimenteller Versuchsanordnungen und perkussiver Texturen, geschichteter Instrumentalmotive und lastender Pausen, einsamer Gitarrentöne und markerschütternde Bässe und nicht zuletzt tastend voranschreitender Vocals, aus denen im Verlauf des Albums die Melodien als letztes verschwinden, den Charakter und Ausdruck eines Songalbums zu verleihen. Eine lyrische, konzentrierte Strenge hält alles zusammen, große Kunst des Weglassens verschmilzt poetische Intimität mit drückender Physis, warm und ernst die Worte, die sich Grier und Lucrecia Dalt auf englisch, spanisch und deutsch teilen. Letztere nicht von ungefähr im Boot: Ihr jüngstes Album, auf demselben Label erschienen, das Grier seit 2006 betreibt, zuerst in Los Angeles, jetzt in Berlin, trägt eine verwandte Handschrift; hier kommt eine monolithische Wucht und geheimnisvolle Transparenz hinzu, die Pathos geschickt umschifft, nie monströs wird. Stark.
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multipara

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