Lionel ist der große Held der musique conrète, dem es stets aufs Neue gelingt, nicht in einem mit Scheuklappen verseuchten Studio großer Vorgänger im traditionellen Sumpf verkleisterter Soundästhetik zu schmachten, sondern mit Frische jeglicher Starre leichtfüßig zu entkommen und nahezu magische Soundtracks zu entwerfen. Auf ‘Riss’ werden wir Mitwisser der Gedanken einer unter Schneemassen bedeckten Frau, die kurzzeitig in einer Luftblase überleben kann. Immer abstrakter und verworrener werden ihre Worte, die Soundkulisse wechselt zwischen beängstigendem Minimalismus und wilden Eruptionen subtiler Geräuschskizzen, Natur findet immer entfernter statt, bzw. entpuppt sich am Ende womöglich als ihr eigener Seelenzustand. Mit einem gehauchten ‘J’ai froid à l’oeil’ beginnt alles und verwirklicht sich in einer Welt, deren Grundstimmung einiges mit der Lyrik Emily Dickinsons gemein hat. ‘Riss’ ist ein Riesenmeisterwerk, das große chef-d’oeuvre eines außergewöhnlichen Komponisten.
http://www.radiantslab.com/erewhon
ed

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