Vladislav Delay, introvertierter Laptop-Soundtiefenforscher auf Chain Reaction, sucht nach einem Genre, in dem er mit Gesang arbeiten kann: House. Allerdings steht House seinem sonstigen Beschäftigungsfeld konträr gegenüber, so erfindet Delay unvorbelastet sein eigenes Subgenre. Weitschweifige 15 Minuten-Epen aus unaufdringlich konkreten Klängen (mit Glitsch-Einlagen) in einem Tiefseegroove, der jedes noch so eigenwillige Klacken und Schnarren in seinen harmonischen Fluss integriert. Die Laptop-Klangwundertüte bleibt geöffnet, aber der Gesamteindruck ist eindeutig House. Delay könnte mit dieser Platte zum Quereinsteiger werden, der das Genre von aussen revolutioniert. Die Luomo-Tracks wirken keinesfalls ahnungslos skurril, sondern schaffen mit atemberaubender Selbstverständlichkeit eine Redefinition von Deephouse, die von ganz aussen kommend plötzlich ganz zentral zur Innovationsmesslatte des Genres wird. Von sphärisch zu groovedynamisch (und wie!) driftet “Vocalcity” zwischen Herbert’scher Privatheit (ein Paar im Duett) und dem Freaks-artigen Geschick, mit Idiosynkrasien die Tanzflächenkommunikation zu steigern, auf einer Bahn dahin, deren Auffahrt wohl irgendwo in den finnischen Wäldern verborgen lag. Wen interessiert da noch Leben auf dem Mars?


janj

One Response

  1. Luomo: Vocalcity – Force Tracks 14 (3×12″) » Monday Edition

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