Verpackt in Saurierillustrationen, entführt uns dieser Experimental-Opern-Soundtrack in die Tiefe eines staubkorngroßen Jahrtausends. Klingt nach Bombast, ist aber alles andere. Entlang der Offenbarung des Johannes entfaltet Maile Colbert, zwischen den USA und Portugal pendelnde Klang- und Videokünstlerin, ein zart und elegant, durchgängig wie in einer Flüssigkeit schwebendes, dabei auch immer wieder beinhart elektroakustisch durchsetztes Schattenspiel aus verzauberten Signalen unserer Existenz, das Sonnensystem verlassend. Gabriela Crowes Gesangsstimme wandelt mit uns durch die Jahrhunderte, von Latein und Mittelalter bis zur Poesie von Colberts Bruder Ian, und in diesem feinen apokalyptischen Wirbel umstreicheln sich wie auf einen Vorhang projiziert Wind, Wasser, Fauna, Daumenklavier, Harmonica, Glocken, Orgel, VLF-Aufnahmen, Chöre, eine Drummachine und immer wieder sacht schreitende Streicher und Stimmen. Das atmet Frieden, auch eine gewisse erhabene Trauer, ekstatische Myst ik und öffnet eine ganz andere endzeitliche Perspektive als etwa Messiaen. Das auf Celers jungem Label zu finden, ist natürlich extra spannend.
http://www.thesingularwe.org/twoacorns
multipara

Leave a Reply

Your email address will not be published.