Ein wenig absurd war das schon: Da gab es 2012 doch tatsächlich ein Video zu einem Remix einer Cover-Version eines alten Songs aus dem Jahr 1980. Schon klar, anything goes. Wäre der Remix nicht von Four Tet und Suicides “Dream Baby Dream” nicht von der Schwedin Neneh Cherry interpretiert gewesen, wäre das Stück wohl in den Weiten des Webs versunken. Doch es zeigte, Kieran Hebden hat Gefallen an der Stimme von Cherry gefunden, einen zweiten Remix später sitzt er in seinem Studio, um “Blank Project” zu produzieren. Fokus-Änderung: Die LP ist nämlich das erste Soloalbum seit 16 Jahren dieser in einem hoch kultivierten Umfeld aufgewachsenen Rapperin, Texterin und Poetin. In lediglich fünf Tagen mit dem Londoner Duo RocketNumberNine aufgenommen, sind die zehn Songs unglaublich direkt mit ihren minimalistischen Zutaten. Den Jam-Charakter hat Hebden nicht nur nicht geglättet, sondern domestiziert. Ein paar Drum-Rhythmen, pointierte Synthies und immer wieder diese Stimme von Che rry. Das großartige “Across The Water” beherbergt diese Vielfalt: Ob Spoken Word, Kreischen, Rock-Göre oder Soul-Wärme – die Tochter des Jazz-Musikers Don Cherry ist sowohl im Bereich der reduzierten Electronica als auch im Grunge-infizierten Rock-Metier ein Brett. Dank ihres Umgangs mit der Abhängigkeit in und nach Liebesbeziehungen, der Sucht nach Verletzung und Heilung, der menschlichen Imperfektion und all den gräulichen Schattierungen unseres Seins, darf “Blank Project” als modernes Quasi-Manifest der Beatnik-Generation betrachtet werden. Oder aber als beeindruckend vielseitiges und erstes LP-Highlight 2014. Your choice!
http://www.smalltownsupersound.com
Weiß

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