Klossowski gehörte wie Deleuze, Derrida, Lyotard, Foucault zur Szene posthumanistischer, postexistenzialistischer französischer Philosophen, entwickelte von Nietzsche, de Sade und der Psychoanalyse ausgehend eine mit Bataille verwandte Theorie und Kritik der Ökonomie, übersetzte u. a. Hegel, Benjamin, Heidegger, Kafka, Augustinus. Dann gab er die Philosophie auf, studierte Theologie und versuchte Dominikaner-Mönch zu werden. Von den Machtspielen und Intrigen in der katholischen Kirche abgestoßen zog er sich schließlich zurück um zu Zeichnen (!) und Romane (!!) zu verfassen. Die Zeichnungen, die sich in ihrem bewussten Dilletantismus von der Malerei des Bruders Balthus abgrenzten, zeigen Gestalten, oft die seiner Frau Roberte und die eigene. Chillida-haft wird die Beziehung thematisiert: etwa er auf ihrer Handfläche stehend. Auch die Romane handeln von seiner Ehe, ihre Begehrenstrukturen, Grenzen und Entgrenzungen. Die in den späten fünfziger Jahren geschriebene Roman-Trilogie „Die Gesetze der Gastfreundschaft“ entwickelt die geschlechtermetaphysische Psychologie der heterosexuellen Beziehung und deren ethische Konsequenzen. Welche Positionen werden den Fremden in der Ehe eingeräumt, welches Begehren ist auf das Außen gerichtet? Der Text ist absolut kein Liebes-, Familien-, Beziehungsroman, obwohl er die absoluten Phantasmen in Szene setzt, ist er total unromantisch, erinnert an die Filme Cathrine Breillats. Der Klappentext kommentiert, Klosslowski lade „letztlich den Leser zur Teilhabe an einem Mysterium“ ein, trifft die Sache nicht, es ist sehr schwer zu beschreiben, was hier passiert. Für uns, wo das heterosexuelle Paar einerseits immer noch und wieder bestens als (post-)bürgerliche (Re-)Produktionszone funktioniert, andererseits das ständig unauflösbare Irritationsmoment Geschlechterdifferenz alle möglichen unwahrscheinlichen Dialoge, Filme, Körperlichen Verhältnisse herstellt. In diesem Zusammenhang bringt Klossowskis Text, der zunächst wie eine Alt-Männer-Fantasie wirkt, doch eine ganz andere Perspektive, in der es diese Normalitätspole überhaupt nicht gibt, die so schwer fassbar ist wie seine Existenzweise als Ex-Philosoph, Privatier, Liebender, Künstler.

aw

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