Der Finne Klas Lindblad aka Sasse ist seit seiner ersten Moodmusic EP nicht mehr von unseren Plattentellern wegzudenken. Das sind jetzt mehr als 16 Jahre, schon wieder eine Generation vergangen. Manchmal blickt man lieber nicht zurück. Manchmal aber macht man genau das. Sasse hat für sein drittes Album unter seinem Namen (Freestyle Man lassen wir ebenso mal aus, wie die zahllosen anderen Pseudonyme und Kollaborationen) alle DAWs und digitalen Firlefanz aus seinem Studio ausgemistet und sich nur auf die Maschinen beschränkt. Mal wieder da anfangen wo man selber angefangen hat, mit dem Wissen von heute. Ein Traum, den man sich bei Musik zumindest wirklich erfüllen kann. “Third Encounter” führt einen dann auch den ganzen Weg seiner Erfahrung über Detroit, Chicago, Acid und Deep House und wirkt dabei dennoch so klar und direkt, so ausgefeilt und breit im Sound, wie man es von Moodmusic seit Ewigkeiten schon gewohnt ist. Schon der Einstieg mit seiner Ode an Fingers Inc lässt keinen Zweifel am selbsterwählten Universum, in dem Sasse sich hier bewegt, und, wenn man es genau nimmt, ist hier jeder der Tracks programmatisch. “Der Groove” in seinen lockeren Zusammenhängen lässt die Basslines böse blitzen, “Treat Me” wirkt… Moment. Ihr wollt keine Aufzählung der verschiedensten Minigenres der Tracks hören. Ihr wollt wissen, warum Sasse sich in der Vergangenheit versenkt, gerade jetzt, warum das nicht schon wieder eins dieser wuchernden Neo-Deep-House-Alben ist, und warum eine Zeitreise nichts mit Nostalgie zu tun haben kann. Sasse hat für das Album eben genau diese Hörgewohnheiten der jetzigen Soundwelten angewandt, um die Produktion im Klang so drängend, rund und voll zu bekommen, wie man es nur heute machen kann, und durch die Reduktion auf altes Equipment doch für einen Sound, vor allem aber für eine Struktur gesorgt, die eher einen linearen Wildwuchs als ein Raster in den Tracks wirken lässt. Zersprengte Sequenzen, unerwartete Modulationen, lockere Zusammenhänge. Genau das zeichnet “Third Encounter” aus und lässt es so frisch wirken. So glücklich ist es, weil Sasse immer wieder Momente und Erinnerungen in diesem Sound wiederfindet, die auch für ihn zurück führen in eine andere Zeit, ihn dort aber nicht gefangen halten, weil er eben diese Zeit erlebt hat und so jeden Moment mit einer ganz persönlich verankerten Erinnerung auskleiden kann, ohne dabei abstrakt werden zu wollen. Detroit, Chicago, Oldschool, das alles ist für ihn keine Methode, kein Genre, keine Nostalgie, sondern etwas, das ihn immer schon und auch jetzt noch antreibt, und genau das hört man in der Spielfreude der Tracks in jeder noch so kleinen Ritze. Ein extrem glückliches Album.
http://www.moodmusicrecords.com
bleed

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