Wer nach der letzten Thomas Fehlmann CD etwas überrascht war, eine Retrospektive zu hören, der wird hier mit einer Breitseite der experimentellen Softness konfrontiert, die ihm den Glauben wiedergeben kann. “Crispy Duck” dürfte voll in der Tradition eines Berliner Hallimperiums stehen, in dem deepe swingende pulsierende Rhythmik der Dubtechnoschule durch strange, harmonisch runde und unerwartete Bewegungen durch knuspernd digitale Risse auf ein Universum von Musik blicken, das erst mal blinzelnd wie beim Aufwachen ganz neu wahrgenommen werden muss. “Tuning”, eine Collaboration mit Daniel Miller, bewegt sich dann über ein digitales Feldversuchsintro in ein minimales Chaos der kompakt surrealen Art zwischen Kindermelodie und Informationschaos. Der merkwürdigste Track der Platte dürfte allerdings “Friedrichstrasse” sein, der Linearität elektronischer Musik so radikal in rhizomatisch überbordende Strukturen wandelt, dass man den Track, obwohl er sehr klar wirkt, eher liest als ihn zu hören. Ein Stück, das sich ständig wandelt, immer neue Bereiche aufmacht, trotz extremem Soundreichtum nie collagiert wirkt, sondern eher wie eine neue Art des musikalischen Erzählens wirkt, die Wege öffnet, die sich Software und Gamedesigner in die Hirne tätowieren lassen sollten, damit aus der vernetzten Zukunft auch tatsächlich eine lebbare Innovation werden kann. Extremismus der unaufdringlichsten Art.

bleed

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