Was soll man über so eine Jubiläums-Compilation eines so geschichtsträchtigen Labels wie R&S schreiben? Was soll einer wie ich über so eine Compilation schreiben, der noch nicht mal so alt wie R&S selber ist? Für wen soll so ein Review gut sein und was soll es leisten? Beim Versuch, letztere Frage zu beantworten, gelange ich zu einer weiteren: Für wen soll eigentlich diese Compilation gut sein und wer soll sie kaufen? Die Älteren unter uns haben die Platten wahrscheinlich ohnehin alle im Schrank. Also eine Geschichtsstunde für die Jüngeren? Aber auch die haben wohl immerhin die zweite, von London aus geführte Amtszeit von R&S auf dem Schirm bzw. in der Plattensammlung und haben Geschichte und Diskographie längst nachrecherchiert. Also Fakten zur Compilation: 30 Jahre, 30 Tracks. Logisch. Nach Künstlern alphabetisch und eben nicht chronologisch sortiert, als wolle R&S ganz bewusst dem Anschein einer Geschichtsstunde vorbeugen. So finden sich Airhead, Aphex Twin, Blawan, Joey Beltram, Model 500 und Space Dimension Controller einfach kommentarlos auf der Tracklist-Stange sitzen. Aber genau das gibt einen interessanten Effekt, wenn die Compilation tatsächlich von 69 bis Vondelpark durchgehört wird. Die Stücke entledigen sich ihres historischen Kontexts und werden zu zeitlosen Gestirnen am R&S-Himmel. Zeitlos waren sie zwar schon vorher, doch wurden sie immer im Würgegriff ihres Erscheinungsjahres gehalten. Nun rückt R&S als kompilierender Star, als Kurator der eigenen Geschichte in den Vordergrund und lässt die Tracks in einen größeren Gesamtzusammenhang treten, der Diskurse über Bezugsebenen im Keim zu ersticken versucht. Zuvor hätte man Blawan und Ken Ishii, Biosphere und Synkro oder Tessela und Joey Beltram wohl nicht in die selben Schubladen gesteckt. Insofern bringt die Compilation tatsächlich einen neuen Anreiz mit sich. Über ein paar unveröffentlichte Lockvögel hätte ich mich allerdings trotzdem gefreut
http://www.randsrecords.com
ck

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